Rindenbewohnende Gottesanbeterinnen stellen neben Bodenrennern und den typischen Lauerjägern die dritte ökologische Großgruppe der Mantodea. Die Unterschiede betreffen  mehr als bloß den Aufenthaltsort – die diesen speziellen Lebensraum bewohnenden Gottesanbeterinnen zeigen eine ganze Reihe von Anpassungen, die auch für die Terrarienhaltung bedeutende Konsequenzen nach sich ziehen. von Christian J. Schwarz

Eine wichtige ökologische Komponente für rindenbewohnende Gottesanbeterinnen ist die Zweidimensionalität ihres Lebensraumes. Fast alle Rindenbewohner, die ich kenne, reagieren nur auf Beute, die sich auf der Rinde bewegt. Fliegende Insekten, die von vielen Lauerjägern geschickt im dreidimensionalen Raum erkannt und erbeutet werden, werden von Rindenläufern größtenteils ignoriert, solange sie sich nicht auf der Rinde niederlassen. In dieser Hinsicht stehen Rindenmantiden den Bodenrennern näher als den Lauerjägern, sowohl ökologisch als oft auch verwandtschaftlich. Und tatsächlich kann man sich einen Baumstamm als eine zu einem Zylinder gerollte, zweidimensionale Fläche vorstellen. Gemeinsam sind beiden Gruppen die schnelle Bewegungsweise und die oft damit einhergehende Verlängerung der Laufbeine. Rindenmantiden unterscheiden sich von Bodenbewohnern durch den flachen Körperbau und bei manchen Ökotypen auch durch gut ausgebildete Flügel.

Ihr bizarres und oft wunderschönes Aussehen sowie ihre faszinierende Lebensweise sorgen dafür, dass Gottesanbeterinnen zu den Langzeit-Favoriten der Wirbellosenfreunde gehören. Der asiatische Kontinent hält eine schier unglaubliche Vielfalt dieser räuberischen Insekten bereit, die inzwischen auch in der Terraristik reich vertreten sind. Ein ideales Tätigkeitsfeld für Terrarianer – ob Neueinsteiger in der Mantidenpflege oder alte Hasen, die nach weiteren Herausforderungen suchen. von Christian J. Schwarz & Sören Materna

Es ist nicht verwunderlich, dass asiatische Gottesanbeterinnen nach der BUGS-Ausgabe von 2014 nun erneut zum Titelthema einer Terrarienzeitschrift geworden sind, erfreuen sich Mantodeen aus diesem Teil der Welt doch weiterhin großer Beliebtheit bei Wirbellosen-Haltern (Schütte & Wieland 2014). Das liegt zum einen an der unerreichten Formenvielfalt, zum anderen am in den letzten Jahren konstanten Zustrom guten Zuchtmaterials und interessanter Arten.

Wer wie die Gartenkreuzspinne ein Netz aus feiner, klebriger Spinnseide ausspannt – kaum erkennbar und optimal ausgerichtet in der Flugbahn von Fliegen und Bienen –, der kann sich ohne Deckung weithin sichtbar in die Mitte des Netzes setzen und warten, bis sich ein Opfer darin verfängt. Wer allerdings kein solches Hilfsmittel hat, sondern „eigenhändig“ Beute fängt, der hat als Lauerjäger nur Erfolg, wenn er gut getarnt ist ... von Ute und Jürgen Schimmelpfennig

Ein Meister der Tarnung ist die Veränderliche Krabbenspinne: Sie verändert ihre Körperfarbe passend zur Farbe der Blüten, auf denen sie lauert. Allerdings ist das ein Privileg der erwachsenen Weibchen. Für sie ist es nämlich besonders wichtig, genügend Beute zu fangen, denn sie brauchen viele Nährstoffe, um Eier zu bilden. Zwei Farben stehen zur Auswahl: Weiß oder Gelb. „Von Geburt an“ ist die Spinne weiß, denn schon beim Jungtier enthält die Haut einen weißen Farbstoff. Erst wenn das Weibchen heranreift, bildet es auch noch einen flüssigen gelben Farbstoff, der zunächst in tiefer liegenden Zellschichten auf Vorrat gelagert wird.

Die Gattung Dendropsophus mit ihren aktuell ca. 95 Arten gehört zur Familie der Laubfrösche. Es handelt sich um sehr interessante und teilweise ausgesprochen farbenprächtige Frösche. Das Verbreitungsgebiet der Gattung reicht vom südlichen Mexiko über Mittelamerika bis nach Argentinien in Südamerika und erstreckt sich über die verschiedensten Biotope. Als besonders attraktiv und gut haltbar im Terrarium erweist sich Dendropsophus marmoratus. Auch die Nachzucht gelingt regelmäßig. von Konstantin Taupp

Dendropsophus marmoratus sind kleine, sehr robuste und deshalb für die Terrarienhaltung sehr gut geeignete Frösche. Weibchen erreichen eine Größe zwischen 40 und 45 mm, wohingegen Männchen mit ca. 30 mm deutlich kleiner bleiben und deshalb sehr gut unterschieden werden können.

Ein wenig klingt die Geschichte wie aus einem Roman von „Jurassic Park“-Autor Michael Crichton. Sie spielt auf einer von Schlangen bevölkerten subtropischen Insel namens Seahorse Key vor der Küste West-Floridas, auf der während der Indianerkriege Seminolen interniert waren und wo Unionstruppen im Sezessionskrieg ein Militärgefängnis und die US-Marine später ein Versuchslabor unterhielten. Menschen leben dort nicht mehr, der Leuchtturm von 1854 ist außer Betrieb, das Inselinnere ist Sperrgebiet. Die Geschichte handelt von einer aasfressenden Viper, die erst kürzlich als eigenständige Art bestimmt wurde und mit Wasservögeln eine sonderbare Symbiose eingeht, vom mysteriösen Verschwinden der Vogelkolonien und dem anschließenden Kollaps der Schlangenpopulation, der in den Kannibalismus führte. von Kai Althoetmar

Die lebendgebärende Schlange, um die es hier geht, trägt den wissenschaftlichen Namen Agkistrodon conanti – die Florida-Wassermokassinotter. Die Amerikaner nennen sie Cottonmouth, also Baumwollmund, weil die Innenseite ihres Rachens, den sie bei Belästigung drohend aufreißt, weiß wie Baumwolle ist. Lange galt sie als eine von drei Unterarten der Wassermokassinotter (auch Wassermokassinschlange) genannt, die im gesamten Südosten der USA vorkommt. 2014 haben genetische Untersuchungen gezeigt, dass sie eine eigene Art darstellt. Sie gehört zur Unterfamilie der Grubenottern (Crotalinae), lebt zwischen Land und Wasser und ist neben A. piscivorus die die weltweit einzige semi-aquatische Vipernart. Gegenüber Menschen ist die Lauerjägerin weniger aggressiv als oft behauptet. Ihr Toxin kann zwar Gewebe zerstören, Todesfälle durch Schlangenbisse in den USA gehen aber fast immer auf das Konto von Texas-Klapperschlangen. Ausgewachsene Wassermokassins sind blauschwarz gefärbt, Jungtiere tragen ein rotbraunes Zackenmuster auf fleischfarbenem Grund.

Zu den außergewöhnlichsten Reptilien für ein Feuchtterrarium gehören zweifellos die Helm- oder Krokodilskinke. Das liegt zunächst einmal an ihrem urtümlich anmutenden, bizarren, krokodilähnlichen Äußeren, das sich deutlich von den übrigen Skinkarten abhebt. Nicht minder außergewöhnlich aber sind auch ihre Lebensweise und Stimmbegabung. Auf Terrarianer üben sie daher seit jeher eine große Faszination aus, obwohl sie lange Zeit als überaus problematische Pfleglinge galten, deren Nachzucht mit vielen Problemen verbunden war. Jürgen Mayrbäurl aus Steyr (Oberösterreich) stellte sich dieser Herausforderung und pflegt bzw. züchtet seit einigen Jahren sehr erfolgreich diese außergewöhnliche Skinkart. von Hans Esterbauer

Innerhalb der Echsen der Familie der Skinke (Scincidae) wurden mehrere Unterfamilien beschrieben. Über die Einordnung der Helm- oder Krokodilskinke – Tribolonotus Duméril & Bibron, 1839 – herrschen unterschiedliche Ansichten. Derzeit werden sie in die Unterfamilie Egeriniinae gestellt.
Austin et al. (2010) fanden nach einer molekulartechnischen Untersuchung Hinweise darauf, dass die Gattung Tribolonotus entweder auf der Insel Bougainville oder auf Neuguinea entstanden ist und sich anschließend auf mehrere Inseln der Region verteilt hat.

Das Angkor Centre for Conservation of Biodiversity (ACCB) ist ein vom Allwetterzoo Münster und dem privaten Förderer Dr. Stephan Goetz ins Leben gerufenes Artenschutzzentrum in Kambodscha. Als es 2003 gegründet wurde, war es eine der ersten Einrichtungen seiner Art in Kambodscha und hat sich in den letzten 15 Jahren zu einem Zentrum für Arten- und Tierschutz, Bildung und Feldforschung entwickelt. Hauptaufgaben des ACCB sind die Versorgung und Wiederauswilderung von beschlagnahmten oder verletzten Tieren, Zuchtprogramme für und Feldforschung über bedrohte Arten in Kambodscha sowie Umweltbildung. Neben den Wasser- und Schreitvögeln bilden die Schildkröten einen der beiden Schwerpunkte in den Zuchtprogrammen. von Philipp Wagner

Ich kann mich gut an meinen ersten Morgen im ACCB erinnern. Es war still. Obwohl am Waldrand eines Nationalparks gelegen, hörte ich nur die Rufe der Gibbons und Frankie, unseren wegen menschlicher Fehlprägung vollkommen verhaltensgestörten Saruskranich. In Kambodscha sieht man nicht nur die Zerstörung der Natur, man hört sie auch – als Stille, denn die Singvögel verschwinden als Haustiere und Glücksbringer auf den regionalen Märkten. Und mit ihnen gehen auch andere Artengruppen. Schildkröten etwa, die regelmäßig abgesammelt werden, um dann ebenfalls als Haustiere oder Glücksbringer, aber auch zu Nahrungszwecken verkauft zu werden. Im Gegensatz zu Singvögeln oder Affen fällt ihr Verschwinden jedoch kaum jemandem auf.

Zhous Scharnierschildkröte gehört zu den gefährdetsten Schildkrötenarten der Welt. Im IZS Münster konnte die Art durch kontinuierliche Nachzucht vermutlich vor dem Aussterben bewahrt werden. Aber die Lage bleibt bedrohlich. von Elmar Meier & Christian Langner

In der Top-25-Rangliste der am stärksten bedrohten Arten belegt Cuora zhoui den traurigen fünften Platz. Hierbei ist allerdings noch zu berücksichtigen, dass anders als bei den vor ihr platzierten Arten Rafetus swinhoei, Batagur baska, Batagur trivittata und Cuora yunnanensis, deren Verbreitungsgebiete bekannt sind, dies bei Cuora zhoui bedauerlicherweise nicht der Fall ist (Meier 2002; Ojai 2018; Michel et al. 2018).

Als Ende 2003 das Internationale Zentrum für Schildkrötenschutz im Allwetterzoo Münster eingeweiht wurde, war das vor allem das Verdienst von Elmar Meier, der über Jahre hinweg dafür geworben hatte, ein solches Zentrum aufzubauen. Unterstützt von der REPTILIA und der Deutschen Gesellschaft für Herpetologie und Terrarienkunde (DGHT) konnte so ein bisher einmaliges Projekt aufgebaut werden: eine seit 15 Jahren bestehende Kooperation zwischen einem privaten Terrarianer, einem Artenschutzverein (Zoologische Gesellschaft für Arten- und Populationsschutz, ZGAP) und einem Zoo (Allwetterzoo Münster). Das Ziel des Projektes hat sich in den letzten 15 Jahren nicht geändert: die Erhaltungszucht der akut vom Aussterben bedrohten asiatischen Schildkröten. Und obwohl immer noch Perspektiven für Wiederauswilderungsprogramme fehlen, hat das IZS mindestens eine Art vor dem Aussterben gerettet. von Philipp Wagner

Viele Förderer, unter anderem die Freunde & Förderer der Ruhrgebietzoos, die Andreas-Stihl-Stiftung, die Stiftung Westfalen-Initiative, das Deutsche Tierhilfswerk, die LVM-Versicherung Münster, Conservation International und Fachverbände aus Großbritannien, der Schweiz und den Niederlanden, haben daran mitgewirkt, dass das Internationale Zentrum für Schildkrötenschutz (IZS) realisiert werden konnte. Ziel der Station ist es, verschiedene asiatische Schildkrötenarten vor der Ausrottung zu retten und Erhaltungszuchten zu etablieren. Um das zu erreichen, wurden vor allem Populationen bedrohter Cuora-Arten aufgebaut und Erfahrungen in der Zucht dieser Arten dokumentiert. Außerdem wurde durch Öffentlichkeitsarbeit über die Bedrohungssituation dieser Schildkröten informiert.

Wenn man den Begriff „tagaktive Geckos” hört, denkt man zuallererst an die Gattung Phelsuma, deren Vertreter aufgrund ihrer prachtvollen Färbung schon lange in der Terraristik höchst beliebt sind. Aber auch andere tagaktive Geckos sind den meisten Geckokennern ein Begriff, wie z. B. die teilweise winzigen Kugelfingergeckos aus der Gattung Sphaerodactylus, hübsch gezeichnete Geckos aus der Gattung Gonatodes – oder eben die zahlreichen Arten aus der Gattung Lygodactylus. Und die sind einen näheren Blick unbedingt wert! von Beate Rölll

Die tagaktiven Geckos der Gattung Lygodactylus sind auch unter dem Namen Zwergtaggeckos bekannt, obwohl die Bezeichnung „Zwerggecko”, speziell im Vergleich mit den Kugelfingergeckos, gar nicht unbedingt auf alle Arten zutrifft. Die kleinsten Arten haben eine Kopf-Rumpf-Länge von knapp 3 cm, die größten Arten erreichen stattliche 5 cm. Der Schwanz ist etwa so lang wie Kopf und Rumpf zusammen oder oft sogar etwas länger, sodass die Gesamtgröße der Tiere zwischen 6 und 10 cm liegt. Eine andere populäre Bezeichnung für die Gattung Lygodactylus lautet „Haftschwanzgeckos”. Das klingt nicht besonders gefällig, trifft aber zu. Denn alle Arten haben zusätzlich zu ihren Haftzehen ein Haftorgan unter der Schwanzspitze. Und das besteht – genau wie die Haftzehen – aus meist paarig angeordneten Haftschuppen. Ein netter Spitzname lautet kurz und knapp „Lygos”, eine Bezeichnung, die an das französische „les Lygodactyles” erinnert. Im Englischen heißen sie einfach „dwarf geckos “ (Zwerggeckos).