von Wolfgang Helm

Im Sommer 2006 erhielt ich drei juvenile Florida-Weichschildkröten (Apalone ferox). Zehn Jahre später gelang mir erstmals die Nachzucht dieser eindrucksvollen Schildkrötenart aus den USA. Auch in den darauffolgenden Jahren war die Vermehrung in meiner Obhut erfolgreich.

von Andreas S. Hennig

Die Haltung adulter Weichschildkröten ähnelt im Grundsatz der von großen „hartschaligen“ Wasserschildkröten. Lange Wasserbecken, naturnahe Strukturierung und Ernährung sowie eine üppige Beleuchtung sind beste Voraussetzungen für eine erfolgreiche Pflege dieser hochinteressanten Tiere.

von Andreas S. Hennig

Weichschildkröten der Gattung Apalone hatten mir es schon immer angetan, und so erwarb ich über die Jahre Jungtiere aller drei Arten und zog sie auf. Natürlich brachte ich die Tiere jeweils auf kürzestem Weg nach Hause. Zum Transport setzte ich sie einzeln in kleine Plastikdosen, die zuvor mit angefeuchtetem Zellstoff ausgelegt wurden. Juvenile Wasserschildkröten – und erst recht kleine Weichschildkröten – können schnell austrocknen, weshalb ich auf eine ausreichende Feuchtigkeit achtete. Die Einzelunterbringung wählte ich, damit sie sich nicht bei einem möglichen Aufeinanderliegen durch ihre Krallen verletzten; der weiche Panzer ist für Verletzungen und in der Folge für Infektionen sehr empfänglich. Die Kunststoffdosen mit den von mir erworbenen Tieren stapelte ich in einer großen Styroporkiste. Daheim angekommen, setzte ich die kleinen Weichschildkröten in die vorbereiteten Aquarien. Da ich die Schildkröten nicht mehr als notwendig unter Stress setzen und zunächst weitestgehend in Ruhe lassen wollte, verzichtete ich auf das sonst für Neuzugänge obligatorische Wiegen und Vermessen.

von Andreas S. Hennig

Emydura macquarii krefftii (Gray 1871) ist eine Spitzkopfschildkröte aus dem nordöstlichen Australien; ihr Verbreitungsgebiet beschränkt sich auf den Bundesstaat Queensland, wo sie in größeren
Flüssen, deren Zu- und Abflüssen, aber auch in Sümpfen, Seen und Lagunen lebt (Cann 1998; 2008).

von Andreas S. Hennig

Die Hauptaktivitätszeit der meisten Pseudemys-Arten liegt zwischen April und Oktober, so auch bei der Haltung im Aquaterrarium. Die Wassertemperatur in dieser Zeit beträgt tagsüber 25 bis 30 °C, nachts lässt man sie auf Zimmer- oder Gewächshaustemperatur absinken. In dieser Phase sonnen sich die Tiere täglich (außer an Schlechtwettertagen, die durchaus auch während der Pflege nachgestellt werden können – für einzelne Tage Beleuchtung und Heizung ausschalten, keine Fütterung), sind auf Nahrungssuche und pflanzen sich fort.

Je nach Art und Verbreitungsgebiet ist die Aktivität in den übrigen Monaten eingeschränkt – bis hin zur Winterruhe – oder lediglich durch mehrere kurze Ruhephasen unterbrochen. Letzteres betrifft die auf der Halbinsel Florida lebenden P. c. suwanniensis, P. peninsularis, P. nelsoni und die in Alabama lebende P. alabamensis. Das bedeutet, dass bei der Haltung dieser vier Vertreter von November bis März zwar niedrigere Temperaturen als im Sommer berücksichtigt werden, aber keine mehrwöchige oder -monatige Winterruhe bei einstelligen Plusgraden durchgeführt wird (vgl. Klimadaten in Müller 1996 sowie Klimaangaben und Haltung in Hennig 2003).

von Ralf Czybulinski

Am 28. Mai 2016 wurde sie einfach in einem Karton vor die Tür der Schildkrötenauffangstation Dorsten abgelegt – die kleine Tunesische Landschildkröte „Beule“. So taufte sie später meine Frau, als sie das Tier ein paar Wochen später im Quarantänebecken der Station zum ersten Mal sah. Die quirlige kleine Landschildkröte eroberte sofort ihr Herz und ich wusste: Ich muss mal wieder ein neues Gehege bauen, aber nicht wie all die Jahre zuvor für Köhlerschildkröten, Chelonoidis carbonarius. Nein, diesmal musste es ein Gehege für eine Testudo graeca nabeulensis sein.
Für den Anfang bekam sie allerdings erst ein Terrarium mit 200 x 60 cm Grundfläche – für die kalte Jahreszeit. Doch natürlich war klar, dass die Schildkröte in den warmen Monaten ein Freilandterrarium bekommen sollte, das zusätzlich mit einem hellen und warmen Schutzhaus ausgestattet werden musste.

von Michael Richter

Die Steppenschildkröte (Testudo horsfieldii), auch bekannt als Vierzehen-Landschildkröte oder Russische Landschildkröte, ist eine eher unscheinbare europäische Landschildkrötenart. Ihr Panzer ist blassgelb bis leicht oliv gefärbt und weist nur eine verwaschene, schwarze Fleckenzeichnung auf.
Obgleich sie in der Vergangenheit noch in größeren Stückzahlen importiert wurde, ist sie nicht so häufig in den Liebhaberbeständen zu finden wie die allseits bekannte und beliebtere Griechische Landschildkröte, Testudo hermanni. Letztere entspricht doch mehr dem klassischen und weit verbreiteten Bild einer Schildkröte.

von Mario Herz

Erste Nachzuchterfolge bei Europäischen Landschildkröten glückten bereits Ende der 1950er-Jahre (Zoo Dresden 1958, 1959; mdl. Mittlg. Rieck [Berlin]). Weitere Zuchtberichte gab es in den darauffolgenden Jahren u. a. von Stemmler-Gyger (1963), Rück (1965), Kirsche (1967), Löffler (1973), Heimann (1987a, b, 1988) und Berndt (1988). Die Vermehrung von Reptilien scheiterte in den frühen 1930er- bis 1960er-Jahren oftmals an den ungenügenden Inkubationsbedingungen (Klingelhöffer 1931).

Die zu jener Zeit verfügbare Fachliteratur beschäftigte sich überwiegend mit der erfolgreichen Haltung. Obst & Meusel (1968) beschrieben die Nachzucht gar als das bisher heikelste Kapitel der Schildkrötenpflege. Schildkröten galten im Allgemeinen bis Anfang der 1970er-Jahre als schwer zu vermehren (u. a. Sachsse 2000). Rudloff (1990) wies darauf hin, dass lediglich 8 % der damals 220 Schildkrötenarten in menschlicher Obhut vermehrt wurden.

Erfreulicherweise hat sich die Sachlage inzwischen gravierend zum Positiven geändert. Seit einigen Jahrzehnten sind wir in der Lage, Schildkrötenarten für die Heimtierhaltung zu erhalten und über Generationen hinweg nachzuzüchten (z. B. Kirsche 1984; Heimann 1992, 2000, 2016).

von Maik Schilde

Die Griechische Landschildkröte (Testudo hermanni) ist wohl die mit Abstand am häufigsten gepflegte und vermehrte Schildkrötenart in menschlicher Obhut. Unkomplizierte Haltung, problemlose Verfügbarkeit und angenehmes Wesen machen sie für die meisten Menschen zum Synonym für ein Heim- und Haustier à la Meerschweinchen & Co. Mit einer Rückenpanzerlänge von 20–25 cm ist sie gut händelbar.

von Andreas S. Hennig

In den vergangenen Jahrzehnten gab es immer wieder Publikationen über die Zwillingsbildung bei Schildkröten in Liebhaberbeständen. Diese Vorfälle wurden stets anschaulich beschrieben und sind nicht auf bestimmte Arten, Gattungen oder Familien beschränkt. Allerdings wurden für dieses Phänomen bisher keine möglichen Ursachen in Erwägung gezogen.

In den ersten rund 13 Jahren meiner Schildkrötenhaltung hatte ich bei meinen Nachzuchtbemühungen nie einen Fall von Zwillingsbildung verzeichnen können. Im 14. Jahr allerdings registrierte ich gleich fünf Zwillingspaare: zwei Paare bei meinen McCords Schlangenhalsschildkröten (Chelodina mccordi) und je eines bei Rotbauch-Spitzkopfschildkröten (Emydura subglobosa), Gewöhnlichen Moschusschildkröten (Sternotherus odoratus) und Gelbrand-Scharnierschildkröten (Cuora flavomarginata).

Worin lag der Grund für diese plötzliche Häufung? Da ich ausschließen konnte, neben einem Atomkraftwerk zu wohnen, musste eine andere Ursache zur Lösung des Rätsels führen. Schritt für Schritt prüfte ich meine Haltungsbedingungen und die Veränderungen, die in den Monaten zuvor (möglicherweise zunächst unbemerkt) eingetreten waren. Es waren jedoch keine neuen Schildkröten der betreffenden Arten neu in den Bestand gekommen, die Haltungsbedingungen einschließlich Rhythmus im Jahresverlauf waren gleich geblieben, es waren dieselben Tiere, die zum Verpaaren vorübergehend miteinander vergesellschaftet worden waren und in den Jahren zuvor erfolgreich für befruchtete Eier und Nachzuchten ohne Zwillingsbildungen gesorgt hatten.