Reisen ist in Corona-Zeiten ein schwieriges Unterfangen. Erst recht, wenn das Ziel auch herpetologisch interessant sein soll. Zu den Ausnahmen, die noch relativ problemlos bereist werden können, gehören die Kanarischen Inseln. Sie sind derzeit (Stand 14.11.2020) kein Corona-Risikogebiet, relativ problemlos und kostengünstig zu erreichen und auch im Winter ein lohnendes Ziel. Einzige Voraussetzung derzeit: ein negativer Corona-Test. Die botanisch wohl attraktivste Insel der Kanaren ist La Palma. Aber auch herpetologisch lohnt sich eine Exkursion auf „La Isla Bonita“, der schönen Insel. von Rolf Leptin

Die ungefähr 700 km2 große Insel La Palma liegt im Atlantischen Ozean, etwa 400 km vor der marokkanischen Küste. Sie ist die nordwestlichste der politisch zu Spanien gehörenden Kanarischen Inseln und gleichzeitig auch die ursprünglichste und waldreichste. Es gibt auf diesem aus Vulkanen entstandenen relativ kleinen Eiland hohe Berge, tiefe Schluchten, wilde Küsten und zahlreiche Pflanzenarten in fünf Klima- und Vegetationszonen, wovon jedoch nur ein geringer Teil endemisch ist. Vieles wurde in hunderten von Jahren hauptsächlich aus Süd- und Mittelamerika dorthin verbracht.

In Zeiten von Corona sind Fernreisen gerade nicht möglich. Aber in Europa sind viele Gegenden wieder zugänglich, darunter Italien, das derzeit nicht mehr zu den Risikogebieten zählt. Daher spricht nichts gegen eine verantwortungsvoll nach Corona-Regeln durchgeführte Reise. Derzeit hat man sogar den Vorteil, dass vergleichsweise wenig Touristen unterwegs sind. Unsere Autoren haben Süditalien bereits im Jahr vor der Pandemie bereist. Die Region zählt zu den ältesten Kulturlandschaften Europas. Hier findet man überall Zeugnisse längst vergangener Zeiten. Küsten-, Berg- und Hügellandschaften prägen Süditalien und laden zum Erkunden ein. Und, nicht zu vergessen: Wo Ruinen sind, da sind meist auch Eidechsen ... von Claudia und Andreas Schäberle

Unsere fast dreiwöchige Italienreise im Juni 2019 begann an den Thermalquellen Saturnias. Der kleine Thermalort liegt in der toskanischen Meremma 100 km südlich von Florenz. Aus den Quellen strömen pro Sekunde 800 Liter 37 °C warmes, schwefelhaltiges Wasser, das von den Hängen des Monte Amiata stammt. Wer sehr früh am Morgen dran ist, kann die Quellen fast alleine genießen – nach einer 700 km langen Autofahrt genau das Richtige, um wach zu werden. Direkt an den Felsen rund um die Thermalquellen konnten wir schnell Ruineneidechsen (Podarcis siculus campestris) und Mauergeckos (Tarentola mauritanica) feststellen. Die scheuen Geckos leben mancherorts in großen Gruppen. Auch hier konnten wir die nacht- oder dämmerungsaktiven Geckos beim ausgiebigen Sonnenbad beobachten.


USA-Trip geplatzt, Borneo-Aufenthalt storniert, Amazonas-Tour gecancelt – Terrarianer sind ein reiselustiges Völkchen und normalerweise überall auf der Welt unterwegs, um ihre favorisierten Tiere im Feld aufzuspüren, zu beobachten und zu fotografieren. Monatelang waren Reisen nicht mal innerhalb Europas möglich, und auch jetzt wartet mancher vorsichtig ab, bevor er sich wieder ans Mittelmeer traut. Aber draußen ist Sommer, Reptilien-Saison! Und wer Kinder hat, will mit ihnen auch in den Sommerferien Herpetologisches unternehmen. Benny Trapp, Naturfotograf mit Schwerpunkt Amphibien und Reptilien, stellt Alternativen für den Herpeto-Trip vor der Haustür vor.
von Benny Trapp

Was für ein Jahr ...! Normalerweise wäre ich genau jetzt in Griechenland, um Naturfreunde und Studentengruppen durch die Natur zu führen, ihnen Amphibien, Reptilien, aber darüber hinaus auch viele andere Tiere, idyllische Landschaften, Pflanzen und ein bisschen Kulturelles zu zeigen. Aber dann kam Corona, lateinisch (corona) für Krone – eine Vokabel, die ich bisher nur in Bezug zu einigen wissenschaftlichen Namen von Tierarten setzen musste.
Nun sitze ich also statt auf einer griechischen Wiese an meinem Schreibtisch und schreibe auf Bitte von REPTILIA-Redakteur Heiko Werning über meine Erfahrungen mit Herpeto-Touren im eigenen Land, um denen ein paar Tipps zu geben, die in diesem Jahr nicht das machen können, was sie eigentlich geplant hatten.
Trotz all meiner finanziellen Verluste und des Zusammenbruchs nahezu aller Aufträge versuchte ich als positiv denkender Mensch schon früh, das Beste aus der Situation zu machen, die sich ja nun einfach nicht ändern lässt. Viel zu oft hat sich in meinem Leben schon so Grundlegendes geändert, als dass ich nicht genau wüsste, dass es eben immer schon irgendwie weitergeht. So war das Mantra für mich schon Anfang dieses Krisenjahres bald klar: „Wir bleiben zu Hause!“


Quer durch Nordamerika vom Atlantik bis an den Pazifik. Vor 150 Jahren suchten Abertausende europäische Siedler auf abenteuerlichen Routen ihren Weg durch großartige, wilde Landschaften in der Hoffnung auf ein besseres Leben. Die Geschichte des Großen Trecks hat sich tief in das kollektive Bewusstsein gebrannt, bis heute sind die USA für viele ein Sehnsuchts­ort geblieben. Noch dazu einer, der für Reptilien- und Amphibienfreunde allerhand zu bieten hat. REPTILIA-Redakteur Heiko Werning hat sich den alten Traum von der Durchquerung des Kontinents von Ozean zu Ozean erfüllt. Nicht am Stück, sondern über Jahre, in vielen einzelnen Reisen. Unsere in loser Reihenfolge erscheinende Serie „Der Große Treck“ verfolgt die Route von Ost nach West.
von Heiko Werning

Man kann in diesen Tagen natürlich keinen Artikel über Reisen in die USA beginnen, ohne auf die aktuelle Situation Bezug zu nehmen. Dabei ist es fast schon bizarr: Denn mein ganz persönliches Corona-Jahr begann genau dort, wo Teil 6 dieser Reihe aufhörte und dieser siebte, viel zu lang verschobene Text nun anfangen soll: in der Big-Bend-Region im tiefen Westen von Texas.

Thailand bietet mit seinem tropischen Klima ideale Lebensbedingungen für eine Vielzahl an Reptilien und Amphibien. Unsere Autoren besuchten den Süden Thailands vom 9. September bis 20. September 2016 und vom 6. Juli bis 9. Juli 2018 und konnten eine ganze Reihe an Vertretern der Herpetofauna beobachten. von Kai Kolodziej und Chantal Cenker

Bei unseren zwei Aufenthalten im Süden Thailands besuchten wir u. a. das Gebiet um die Stadt Trang. Hier konnten wir die Malaiische Gruben­otter (Calloselasma rhodostoma) in großer Stückzahl finden. In dem Stück Regenwald, in dem wir unterwegs waren, war die Art tagsüber fast nicht aufzufinden, nachts allerdings war die Menge sehr beeindruckend. Wir konnten in einer Nacht zehn Exem­plare nachweisen!

Am Anfang standen der Urlaubsbericht eines Onkels – und ein REPTILIA-Artikel. Der Beginn einer tropischen Leidenschaft. West-Malaysia ist ein faszinierendes Urlaubsziel für Terrarianer, die sich auch für Kultur und eine multikulturelle Gesellschaft begeistern können: vom Stadtpark in der Metropole mit originellem Enten-Ersatz bis zur weitgehend naturbelassenen Insel. von Christian Lorenz

Bei einem Besuch bei meinem Onkel zeigte er mir Bilder aus seinem letzten Urlaub auf Pulau Tioman. Pulau Tioman? Das hatte ich doch schon einmal gelesen! Zu Hause kram­te ich in meiner REPTILIA-Sammlung und fand das gesuchte Heft: „Perle im Südchinesischen Meer“ lautete der Untertitel des Zweiteilers von W. Grossmann und F. Tillack. Und so begann mit der Lektüre dieses REPTILIA-Artikels meine Urlaubsplanung. Es sollte eine Mischung aus Kultur, Tierbeobachtungen, Strand und City werden.

Wenn man als botanisch Interessierter zu einer Reise nach Südafrika aufbricht, hat man erst mal keine Reptilien auf dem Schirm. Wer jedoch ohne Scheuklappen unterwegs ist, wird schnell gewahr, dass es dort nicht nur eine große Pflanzenvielfalt gibt, sondern auch jede Menge Reptilien. Und plötzlich ertappt man sich dabei, doch etwas genauer hinzuschauen ... Die Geschichte eines „Fehltritts“. von Elmar Mai

Es war eine organisierte Reise Ende August/Anfang September, also im südafrikanischen Frühling. Sie führte uns im äußersten Westen Südafrikas an der Atlantikküste entlang, vom Kap der Guten Hoffnung hoch bis fast an die Grenze Namibias. Die großen Lebensräume im Osten wie den Krüger-Nationalpark, die Savannen des Binnenlandes und die tropischen Gebiete an der Südküste am Indischen Ozean haben wir – geografisch nicht ganz korrekt gesprochen – links liegen gelassen und somit nur einen sehr schmalen Streifen des Landes kennen gelernt.

Ohne Zweifel ist der – zumeist nasse und kalte – Oktober nicht gerade der lieblichste Monat bei uns in Deutschland. Welch verlockende Vorstellung, diesen Zeitabschnitt des Jahres in einem warmen, weit entfernten Südseeparadies zu verbringen ... Zumindest in Gedanken können Sie als REPTILIA-Leser nun schon mal losfliegen – nach Hawaii! Und dabei schauen, ob die Inselgruppe auch in herpetologischer Hinsicht einen Besuch wert ist. von Nicolas von Lettow-Vorbeck

Meine Frau und ich hatten das Privileg, dem deutschen Oktober entkommen zu können, denn unsere Hochzeitsreise führte uns ins weit entfernte Hawaii. Vor dem Südseetraum steht allerdings eine ausgedehnte Flugreise. Wir hüpfen mit einer kleinen Propellermaschine von Hannover nach Kopenhagen – von dort geht es in knapp 11 Stunden Flug nach San Francisco. Nach kurzem Aufenthalt und aufwendigen Einreiseformalitäten (Ganzkörper­untersuchung meiner Frau inklusive) besteigen wir schließlich eine Boeing 757 nach Hawaii. Gute fünf Stunden zeigt der Blick durchs Flugzeugfenster nur den endlosen Pazifik – dann kommt endlich der Archipel in Sicht.

Die Kykladen inmitten der Ägäis sind zweifellos eines der herpetologisch interessantesten Gebiete Griechenlands. Sie bieten einen Lebensraum für eine sehr spezielle und großteils endemische Herpetofauna. Während Naxos die größte Kykladeninsel ist, sticht Santorini sie in Sachen Bekanntheitsgrad lässig aus. Grund genug, diese beiden Inseln einmal zu besuchen. Und so ging es im September los auf Reptiliensuche. von Andre Schmid

Die Tatsache, dass Santorini touristisch äußerst hoch im Kurs steht, bringt den Vorteil mit sich, dass die Insel via Direktflug schnell und einfach erreichbar ist. Nachdem wir auf Santorini gelandet waren, zeigte sich gleich das volle Ausmaß des Tourismus. Auf dem Weg zu unserem Hotel staute es sich aufgrund der Massen an Touristen auf Quads, Rollern und Mietautos an allen Ecken und Enden, und so verdreifachte sich die Fahrtzeit. Glücklicherweise hatten wir ein Appartement am Rand von Fira angemietet, was ein ständiges Autofahren überflüssig machte, da herpetologisch interessante Gebiete direkt dahinter zu finden waren. So machte ich mich nach dem Einchecken und dem ersten Abendessen direkt auf den Weg, bewaffnet mit einer Taschenlampe, um die angrenzenden Wiesen nach Katzennattern (Telescopus fallax) abzusuchen. Es dauerte nicht lange, bis ich die erste abgestreifte Haut dieser Schlangen in einer Steinmauer entdeckte. Leider blieb die weitere Suche trotzdem erfolglos.

Es war ein lang gehegter Traum: einmal Madagaskar zu bereisen, um die spektakuläre Tierwelt des Inselkontinents in freier Wildbahn zu beobachten. Hauptziel für unseren als Riesenschlangenexperte bekannten Autor waren die Madagaskarboas. Zwei Acrantophis-Arten und zwei Unterarten von Sanzinia mada­gascariensis leben auf dem Inselkontinent. von Markus Borer

Die Planung unserer Reise fing schon mehr als 2,5 Jahre vorher an. Der Trip wurde im Vorfeld speziell auf unsere Wünsche durch „Priori-Reisen Madagaskarhaus-Basel“ zusammengestellt und durchgeführt. Dazu gehörten Hin- und Retourflug nach/von Madagaskar und insgesamt 11 Inlandflüge für unsere verschiedenen geplanten Exkursionen. Im Programm eingeschlossen waren 14 Privat- und Nationalparks mit Park-Guide, die meistens schon im Vorfeld ausgesucht worden waren. Das Kriterium für unsere Nationalpark-Guides war einfach: Sie sollten auf die Schlangenwelt Madagaskar spezialisiert sein.