Ausgerechnet in Wüstengebieten leben einige der buntesten Echsen überhaupt. Und einige der merkwürdigsten noch dazu. Besonders erfolgreich konnten sich in den Trockengebieten der Alten Welt Agamen durchsetzen. Doch der Klimawandel droht diese Erfolgsgeschichte zu beenden. von Philipp Wagner

Es gibt zahlreiche Wüsten. Reine Sandwüsten, Steinwüsten, Ge­röllwüsten, ja sogar Eiswüsten. Ihnen allen gemein ist, dass viele Menschen sie in der Regel eher als trostlos, öde, einheitlich, ja manche sogar als langweilig empfinden. Und dennoch kommen in ihnen die schönsten und spannendsten Echsen vor, die wir kennen! Gut, das mag übertrieben klingen und ist es vielleicht auch – aber ich beschäftige mich jetzt seit gut 15 Jahren mit den „Wüstenagamen“, und das mag mein Bild nun einmal etwas verfälschen.

Panzerechsen üben seit jeher eine besondere Faszination auf uns Menschen aus. Sie sind Vorbild für viele Drachen- und Ungeheuergestalten. Kein Wunder, denn sie zählen zu den größten und gefährlichsten Tieren der Erde. Sie erreichen Längen von sechs Metern und mehr und können mit ihren Kiefern einen Druck von ein bis zwei Tonnen ausüben – das reicht spielend, um den Schädel jedes Landsäugetiers zu zertrümmern. Aber über dieser geballten Kraft wird leicht vergessen, zu welch feinen Sinnesleistungen Krokodile in der Lage sind. von Monika Allerstorfer

Krokodile als amphi­bisch lebende Beu­tegreifer sind in hohem Maße an ihre besondere Lebensweise angepasst und waren trotz der recht konstant erscheinenden Gestalt während ihrer über 200 Millionen Jahre dauernden Entwicklungsgeschichte beachtlichen Veränderungen unterworfen. Die ersten Reptilien erschienen vor rund 300 Millionen Jahren auf der Erde. Im Erdmittelalter, dem Mesozoikum, vor etwa 222 Millionen Jahren, traten dann die Krokodile auf den Plan und hatten bald ihren Höhepunkt in der Entwicklung.

Wo anfangen und wo aufhören beim Thema „skurrile Frösche“, wenn sich diese Tiere doch an Absonderlichkeiten geradezu überbieten? Ein Streifzug durch eine Welt bizarrer Frosch-Gestalten. von Kriton Kunz

„Skurrile Frösche“, das ist eigentlich ein Pleonasmus, also so etwas wie „nasser Regen“ oder eine „runde Kugel“. Denn wer Froschlurche liebt und sich näher mit ihnen beschäftigt, wird überall auf Eigenschaften, Fähigkeiten und Merkmale stoßen, die uns skurril vorkommen. Das fängt bei der Metamorphose an, der vollständigen Umwandlung von einer Kaulquappe in einen Frosch, die wahlweise auch noch beispielsweise direkt im Ei oder in der Rückenhaut der Mutter stattfinden kann, und hört bei Arten auf, die mit den Hinterbeinen Flaggensignale geben.

Ihre Schuppenhaut schützt Schlangen nicht nur vor äußeren Umwelteinflüssen, sondern hat noch viele weitere Funktionen – von der Tarnung über die Warnung bis hin zur Fortbewegung. Ein Blick auf ein besonders vielseitiges Organ. von Oiver Gius

Eine Gemeinsamkeit, die alle Schlangen verbindet, ist das völlige Fehlen von Gliedmaßen, einmal abgesehen von den Rudimenten, wie sie beispielsweise bei Roll- und Blindschlangen sowie bei Pythons in Form von Resten des Beckengürtels und teils auch kurzer Aftersporne zu finden sind.
Umso bemerkenswerter erscheint es dem Menschen zunächst, dass Schlangen sich so effektiv und elegant bewegen können. Schlangen klettern durch die höchsten Bäume und gleiten dabei teilweise äußerst geschickt durch das Geäst. Andere leben in Trockengebieten und können sich zügig im Sand eingraben. Wieder andere bevorzugen den Lebensraum Wasser, schwimmen, tauchen und gehen in diesem Element erfolgreich auf Beutefang.

Eine Echsenfamilie im Schatten: Selbst gestandene Terrarianer wissen oft kaum mehr über Schleichen, als dass sie die einheimische Blindschleiche und den großen Scheltopusik kennen. Terraristisch wurden Schleichen lange weitgehend ignoriert. Erst in den letzten Jahren erwachte das Interesse allmählich, nicht zuletzt aufgrund der faszinierenden Baumschleichen der Gattung Abronia. Höchste Zeit, einen Überblick über diese teils stark bedrohten, teils spektakulär gefärbten, teils völlig überraschenden, fast immer aber komplett verkannten Echsen zu geben. von Christian Langner

Die Angehörigen der kleinen Echsenfamilie der Schleichen boten immer schon Anlass für Verwirrungen. So ist der bei uns bekannteste Vertreter, die heimische Blindschleiche, selbstverständlich nicht blind. Eine Tatsache, die unserer vorbelasteten Leserschaft natürlich bekannt ist, beim Normalbürger allerdings immer noch für Missverständnisse, Vorurteile und Halbwissen sorgt. Dabei bezieht sich der Name Blindschleiche gar nicht auf die Sehfähigkeit, sondern leitet sich im Wortursprung vom mittelhochdeutschen „Plintslicho“ ab, was so viel heißt wie „glänzende Schleiche“ (Völkel & Alfermann 2007) – eine Anspielung auf die glatte und glänzende Oberfläche der Blindschleichenhaut

Riedfrösche sind die Charakterfrösche Afrikas südlich der Sahara. Die Winzlinge begeistern mit bunten Farben und einer eindrucksvollen Vielfalt. von Beat Akeret

Es ist mitten in der Nacht und dunkel „wie im Innern einer Kuh“. Ich stehe alleine mitten auf der Straße. Kein Mond, keine Sterne, keine Lichter von umliegenden Dörfern oder Fahrzeugen durchdringen die Dunkelheit. Der Lärm ist ohrenbetäubend, schrill, nahe der Schmerzgrenze. Tausendfach schallen hohe, scharfe Triller aus allen Richtungen aus dem hohen Gras. Doch zu sehen ist nichts. Kein Mensch, kein Tier. Das einzige Zeichen von Leben ist der fast unerträgliche Lärm. Wer oder was nur kann ein solch nächtliches Akustik-Inferno veranstalten? Vögel? Insekten? Oder doch irgendein von Menschenhand geschaffenes Gerät?

Die Arten der Gattung Cuora, im Deutschen Scharnierschildkröten genannt, haben zwei Dinge gemeinsam: das namensgebende Scharnier, mit dem sie den Panzer komplett verschließen können – und ihre akute Bedrohungslage. Fast jede Art der Gattung wird von der Weltnaturschutzorganisation IUCN als „critically endangered“ eingestuft und damit als kurz vor dem Aussterben stehend. In Deutschland sind es vor allem die ZGAP und der Allwetterzoo Münster, die sich in einem gemeinsamen Projekt, dem Internationalen Zentrum für Schildkrötenschutz (IZS), das vor nunmehr 15 Jahren unter Mithilfe der REPTILIA ins Leben gerufen wurde, dem Schutz dieser Gattung widmen. Der Allwetterzoo arbeitet mit seinem Artenschutzprojekt „Angkor Centre for Conservation of Biodiversity“ in Kambodscha auch vor Ort für diese einzigartigen Schildkröten. von Philipp Wagner

Der Gattung Cuora werden derzeit 13 rezente Arten zugeordnet. Basal in der Gattung steht C. mccordi Ernst, 1988. In der Linie aller anderen Arten steht ein basales Clade aus C. picturata Lehr, Fritz & Obst, 1998, C. galbinifrons Bourret, 1939 und C. bourreti Obst & Reimann, 1994. Dem folgt wiederum eine einzelne Art, nämlich C. amboinensis (Daudin, 1802) basal zu den anderen Arten, die sich in die basal stehende C. mouhotii und die beiden Schwestergruppen C. yunnanensis (Boulenger, 1906) und C. flavomarginata (Gray, 1863) auf der einen Seite und C. pani Song, 1984, C. aurocapitata Luo & Zong, 1988, C. trifasciata (Bell, 1825), C. cyclornata Blanck, Mccord, Le Minh, 2006 und C. zhoui Zhao, Zhou & Ye, 1990 auf der anderen Seite aufteilen.

Wenn man den Begriff „tagaktive Geckos” hört, denkt man zuallererst an die Gattung Phelsuma, deren Vertreter aufgrund ihrer prachtvollen Färbung schon lange in der Terraristik höchst beliebt sind. Aber auch andere tagaktive Geckos sind den meisten Geckokennern ein Begriff, wie z. B. die teilweise winzigen Kugelfingergeckos aus der Gattung Sphaerodactylus, hübsch gezeichnete Geckos aus der Gattung Gonatodes – oder eben die zahlreichen Arten aus der Gattung Lygodactylus. Und die sind einen näheren Blick unbedingt wert! von Beate Rölll

Die tagaktiven Geckos der Gattung Lygodactylus sind auch unter dem Namen Zwergtaggeckos bekannt, obwohl die Bezeichnung „Zwerggecko”, speziell im Vergleich mit den Kugelfingergeckos, gar nicht unbedingt auf alle Arten zutrifft. Die kleinsten Arten haben eine Kopf-Rumpf-Länge von knapp 3 cm, die größten Arten erreichen stattliche 5 cm. Der Schwanz ist etwa so lang wie Kopf und Rumpf zusammen oder oft sogar etwas länger, sodass die Gesamtgröße der Tiere zwischen 6 und 10 cm liegt. Eine andere populäre Bezeichnung für die Gattung Lygodactylus lautet „Haftschwanzgeckos”. Das klingt nicht besonders gefällig, trifft aber zu. Denn alle Arten haben zusätzlich zu ihren Haftzehen ein Haftorgan unter der Schwanzspitze. Und das besteht – genau wie die Haftzehen – aus meist paarig angeordneten Haftschuppen. Ein netter Spitzname lautet kurz und knapp „Lygos”, eine Bezeichnung, die an das französische „les Lygodactyles” erinnert. Im Englischen heißen sie einfach „dwarf geckos “ (Zwerggeckos).

Moderne Zoos sollen die Besucher begeistern, unterhalten und sie gleichzeitig für den Schutz der Tiere und der natürlichen Lebensräume sensibilisieren. Zwei neu eröffnete zoologische Anlagen in der Schweiz haben erfreulicherweise versucht, dieses Ziel auch verstärkt mit Amphibien und Reptilien umzusetzen. Einer, der an der Entstehung dieser spektakulären Großanlagen beteiligt war, ist Oliver Fischer von der Firma X-Reptile, die Leuchtmittel für die Terraristik herstellt. In diesem Mehrteiler in REPTILIA hat er zunächst die neuen Anlagen Aquatis in Lausanne (REPTILIA Nr. 129 & 130) und das Savannenhaus im Walter Zoo Gossau (REPTILIA Nr. 131) vorgestellt, um jetzt auf die praktische Umsetzung moderner Terrarienbeleuchtung für Schauanlagen am Beispiel von Aquatis einzugehen. von Oliver Fischer

Auch als Terrarianer in den eigenen vier Wänden kann man sicher einige unserer Überlegungen bei der Bestückung der neuen Terrarienanlagen von Aquatis und anderen zoologischen Anlagen übernehmen.
Wie in meinem Grundlagenartikel zur Terrarienbeleuchtung in der REPTILIA Nr. 128 beschrieben (Fischer 2017), ist eine der meiner Meinung nach wichtigsten Erkenntnisse der letzten Jahre, dass Reptilien Licht und damit die Umwelt völlig anders sehen als wir Menschen. Was wir als ein helles, natürlich weißes Lampenlicht empfinden, wird in vielen Fällen von den Tieren ganz anders wahrgenommen. Dies liegt vor allem daran, dass ihre Sehzellen in der Netzhaut in anderen Bereich absorbieren und damit anders auf die Umwelt reagieren als bei uns Menschen.

Sie sind der Inbegriff von Echsen in Nordamerika. Selbst unbefangene Touristen begegnen ihnen fast zwangsweise beim Besuch der Nationalparks in den USA oder der Ruinenstätten in Mexiko. Aber auch in der Terraristik gehören die Kleinleguane aus der Familie Phrynosomatidae zu den Klassikern, ohne je den ganz großen Boom erlebt zu haben. Eine kleine Übersicht über eine höchst erfolgreiche Gruppe, die trotzdem immer etwas im Schatten steht. von Heiko Werning

Ganz gleich, ob man an einer kalifornischen Strandpromenade den Surfern zuschaut, durch die Canyons in Utah wandert oder die altehrwürdigen Ruinen von Teotihuacán bei Mexico City besucht: Sie sind immer da. Meist unbemerkt hocken Nordamerikanische Kleinleguane der Familie Phrynosomatidae auf Mauern, an Palmen oder auf Felsen und beobachten aufmerksam ihre Umgebung. Sie sind überwiegend recht klein und gut getarnt, farblich und in der Zeichnung ihrer meist braungrauen Umgebung bestens angepasst. So laufen sie häufig etwas unterhalb der Wahrnehmungsgrenze von Menschen. Dabei sind viele Arten echte Kulturfolger, die vom Menschen sogar profitiert haben, weil sie in seiner Nähe gut leben können. Zaunpfähle und Mauern sorgen für neue Habitate in strukturarmen Lebensräumen, Schutt und Ruinen für Versteckplätze, Vorräte und Abfälle für gute Futterquellen. Es ist wohl auch diese Anpassungsfähigkeit, die dafür sorgt, dass viele Kleinleguane sehr gute Terrarienpfleglinge abgeben. Doch auch in dieser Echsengruppe gibt es echte Spezialisten, und selbst die häufigsten Arten überraschen mit ausgeklügelten Strategien und packenden Verhaltensweisen. In jedem Fall lohnen sie eine nähere Betrachtung.