Die Arten der Gattung Cuora, im Deutschen Scharnierschildkröten genannt, haben zwei Dinge gemeinsam: das namensgebende Scharnier, mit dem sie den Panzer komplett verschließen können – und ihre akute Bedrohungslage. Fast jede Art der Gattung wird von der Weltnaturschutzorganisation IUCN als „critically endangered“ eingestuft und damit als kurz vor dem Aussterben stehend. In Deutschland sind es vor allem die ZGAP und der Allwetterzoo Münster, die sich in einem gemeinsamen Projekt, dem Internationalen Zentrum für Schildkrötenschutz (IZS), das vor nunmehr 15 Jahren unter Mithilfe der REPTILIA ins Leben gerufen wurde, dem Schutz dieser Gattung widmen. Der Allwetterzoo arbeitet mit seinem Artenschutzprojekt „Angkor Centre for Conservation of Biodiversity“ in Kambodscha auch vor Ort für diese einzigartigen Schildkröten. von Philipp Wagner

Der Gattung Cuora werden derzeit 13 rezente Arten zugeordnet. Basal in der Gattung steht C. mccordi Ernst, 1988. In der Linie aller anderen Arten steht ein basales Clade aus C. picturata Lehr, Fritz & Obst, 1998, C. galbinifrons Bourret, 1939 und C. bourreti Obst & Reimann, 1994. Dem folgt wiederum eine einzelne Art, nämlich C. amboinensis (Daudin, 1802) basal zu den anderen Arten, die sich in die basal stehende C. mouhotii und die beiden Schwestergruppen C. yunnanensis (Boulenger, 1906) und C. flavomarginata (Gray, 1863) auf der einen Seite und C. pani Song, 1984, C. aurocapitata Luo & Zong, 1988, C. trifasciata (Bell, 1825), C. cyclornata Blanck, Mccord, Le Minh, 2006 und C. zhoui Zhao, Zhou & Ye, 1990 auf der anderen Seite aufteilen.

Wenn man den Begriff „tagaktive Geckos” hört, denkt man zuallererst an die Gattung Phelsuma, deren Vertreter aufgrund ihrer prachtvollen Färbung schon lange in der Terraristik höchst beliebt sind. Aber auch andere tagaktive Geckos sind den meisten Geckokennern ein Begriff, wie z. B. die teilweise winzigen Kugelfingergeckos aus der Gattung Sphaerodactylus, hübsch gezeichnete Geckos aus der Gattung Gonatodes – oder eben die zahlreichen Arten aus der Gattung Lygodactylus. Und die sind einen näheren Blick unbedingt wert! von Beate Rölll

Die tagaktiven Geckos der Gattung Lygodactylus sind auch unter dem Namen Zwergtaggeckos bekannt, obwohl die Bezeichnung „Zwerggecko”, speziell im Vergleich mit den Kugelfingergeckos, gar nicht unbedingt auf alle Arten zutrifft. Die kleinsten Arten haben eine Kopf-Rumpf-Länge von knapp 3 cm, die größten Arten erreichen stattliche 5 cm. Der Schwanz ist etwa so lang wie Kopf und Rumpf zusammen oder oft sogar etwas länger, sodass die Gesamtgröße der Tiere zwischen 6 und 10 cm liegt. Eine andere populäre Bezeichnung für die Gattung Lygodactylus lautet „Haftschwanzgeckos”. Das klingt nicht besonders gefällig, trifft aber zu. Denn alle Arten haben zusätzlich zu ihren Haftzehen ein Haftorgan unter der Schwanzspitze. Und das besteht – genau wie die Haftzehen – aus meist paarig angeordneten Haftschuppen. Ein netter Spitzname lautet kurz und knapp „Lygos”, eine Bezeichnung, die an das französische „les Lygodactyles” erinnert. Im Englischen heißen sie einfach „dwarf geckos “ (Zwerggeckos).

Moderne Zoos sollen die Besucher begeistern, unterhalten und sie gleichzeitig für den Schutz der Tiere und der natürlichen Lebensräume sensibilisieren. Zwei neu eröffnete zoologische Anlagen in der Schweiz haben erfreulicherweise versucht, dieses Ziel auch verstärkt mit Amphibien und Reptilien umzusetzen. Einer, der an der Entstehung dieser spektakulären Großanlagen beteiligt war, ist Oliver Fischer von der Firma X-Reptile, die Leuchtmittel für die Terraristik herstellt. In diesem Mehrteiler in REPTILIA hat er zunächst die neuen Anlagen Aquatis in Lausanne (REPTILIA Nr. 129 & 130) und das Savannenhaus im Walter Zoo Gossau (REPTILIA Nr. 131) vorgestellt, um jetzt auf die praktische Umsetzung moderner Terrarienbeleuchtung für Schauanlagen am Beispiel von Aquatis einzugehen. von Oliver Fischer

Auch als Terrarianer in den eigenen vier Wänden kann man sicher einige unserer Überlegungen bei der Bestückung der neuen Terrarienanlagen von Aquatis und anderen zoologischen Anlagen übernehmen.
Wie in meinem Grundlagenartikel zur Terrarienbeleuchtung in der REPTILIA Nr. 128 beschrieben (Fischer 2017), ist eine der meiner Meinung nach wichtigsten Erkenntnisse der letzten Jahre, dass Reptilien Licht und damit die Umwelt völlig anders sehen als wir Menschen. Was wir als ein helles, natürlich weißes Lampenlicht empfinden, wird in vielen Fällen von den Tieren ganz anders wahrgenommen. Dies liegt vor allem daran, dass ihre Sehzellen in der Netzhaut in anderen Bereich absorbieren und damit anders auf die Umwelt reagieren als bei uns Menschen.

Sie sind der Inbegriff von Echsen in Nordamerika. Selbst unbefangene Touristen begegnen ihnen fast zwangsweise beim Besuch der Nationalparks in den USA oder der Ruinenstätten in Mexiko. Aber auch in der Terraristik gehören die Kleinleguane aus der Familie Phrynosomatidae zu den Klassikern, ohne je den ganz großen Boom erlebt zu haben. Eine kleine Übersicht über eine höchst erfolgreiche Gruppe, die trotzdem immer etwas im Schatten steht. von Heiko Werning

Ganz gleich, ob man an einer kalifornischen Strandpromenade den Surfern zuschaut, durch die Canyons in Utah wandert oder die altehrwürdigen Ruinen von Teotihuacán bei Mexico City besucht: Sie sind immer da. Meist unbemerkt hocken Nordamerikanische Kleinleguane der Familie Phrynosomatidae auf Mauern, an Palmen oder auf Felsen und beobachten aufmerksam ihre Umgebung. Sie sind überwiegend recht klein und gut getarnt, farblich und in der Zeichnung ihrer meist braungrauen Umgebung bestens angepasst. So laufen sie häufig etwas unterhalb der Wahrnehmungsgrenze von Menschen. Dabei sind viele Arten echte Kulturfolger, die vom Menschen sogar profitiert haben, weil sie in seiner Nähe gut leben können. Zaunpfähle und Mauern sorgen für neue Habitate in strukturarmen Lebensräumen, Schutt und Ruinen für Versteckplätze, Vorräte und Abfälle für gute Futterquellen. Es ist wohl auch diese Anpassungsfähigkeit, die dafür sorgt, dass viele Kleinleguane sehr gute Terrarienpfleglinge abgeben. Doch auch in dieser Echsengruppe gibt es echte Spezialisten, und selbst die häufigsten Arten überraschen mit ausgeklügelten Strategien und packenden Verhaltensweisen. In jedem Fall lohnen sie eine nähere Betrachtung.

Bei Fröschen im Terrarium denken die meisten Terrarianer sicherlich zuerst an die knallbunt gefärbten Pfeilgiftfrösche. Das dicht bepflanzte Tropenterrarium für diese Amphibien gilt vielen als Inbegriff vollendeter Terraristik. Doch daneben gibt es noch eine Fülle weiterer spektakulärer Frösche, die ebenfalls hochinteressante Pfleglinge sind. Eine ganz besondere Gruppe soll Ihnen in dieser REPTILIA näher vorgestellt werden. Frösche, die in puncto Fortpflanzungsstrategien, Gestalt, Färbung, Größenunterschiede und Verhalten alle Register ziehen, die die Natur zu bieten hat: die Laubfrösche aus Süd- und Mittelamerika!

Bei kaum einer anderen Tiergruppe unterscheiden sich die Spezies so stark voneinander wie bei den neotropischen Laubfröschen. Jede Art ist auf eine bestimmte ökologische Nische spezialisiert. Von kleinen, nur wenige Zentimeter messenden Exemplaren bis hin zum skurrilen Riesenmakifrosch (Phyllomedusa bicolor) reicht die Palette. Von Explosionslaichern, die sich zu Tausenden auf einmal über temporären Tümpeln zusammenfinden, um dort gemeinsam zu laichen und so die Überlebenschance der Jungen zu erhöhen, bis hin zu Fröschen, die aus ihren Rückentaschen fertig entwickelte Jungtiere entlassen. Von Arten, die ganz und gar auf ihre Tarnung vertrauen und regelrecht mit der Umgebung verschmelzen, bis hin zu Spurrells Laubfrosch (Agalychnis spurrelli), der befähigt ist, im Gleitflug elegant von Baum zu Baum zu segeln und damit dem Tod sprichwörtlich das eine oder andere Mal von der Schippe springt. Auch in ihrem Aussehen lassen diese Frösche keine Wünsche offen: als Baumrinden- oder Flechtenimitat, mit orange-schwarz getigerten Flanken, leuchtend bunt gefärbt oder aber mit hörnerartigen Auswüchsen sind sie ein Spiegel für die Vielfalt der Natur. All dies und noch vieles mehr haben die neotropischen Laubfrösche zu bieten. Doch was sind neotropische Laubfrösche überhaupt?