von Holger Vetter

Ein recht großes Verbreitungsgebiet in Vorderasien (Irak, Iran, Israel, Jordanien, Libanon, Syrien, asiatische Türkei, Westjordanland; vom Menschen wurde sie zudem offenbar an verschiedenen Stellen in Ägypten angesiedelt) besiedelt Testudo graeca terrestris Forsskål, 1775. Ihr Name bedeutet im Lateinischen schlicht „auf dem Lande lebend“ und bezieht sich darauf, dass diese Unterart im Unterschied zu den anderen von Peter Forsskål in seinem Werk erwähnten Schildkröten eine landlebende Lebensweise führt. Sie wurde ursprünglich aus der syrischen Stadt Aleppo, dem Libanongebirge und irrtümlich aus den Städten al-Luhayya in Jemen und Kairo in Ägypten beschrieben. Mehrere der ursprünglich als eigenständige Arten oder Unterarten aus Vorderasien beschriebenen Landschildkrötenformen werden aktuell dieser Unterart als Synonyme zugeordnet:
Peter Forsskål selbst publizierte in einem weiteren Werk eine Bezeichnung, bei der es sich aufgrund der unzureichenden Beschreibung wieder um ein „nomen nudum“ handelt, was sie als wissenschaftlichen Namen nicht verfügbar macht: Testudo zolhafa Forsskål in Gray, 1830. Wo die damit bezeichnete Form genau beheimatet sein sollte, wird aus der Beschreibung nicht klar, doch ist anhand der Route der Arabien-Expedition, an der Forsskål teilgenommen hatte, ersichtlich, dass sie aus dem Verbreitungsgebiet von Testudo graeca terrestris stammen muss. Der Name wurde in abgewandelter Schreibweise von der arabischen Bezeichnung „zohalfa“ für „Schildkröte“ abgeleitet.

von Andreas S. Hennig

Zweifelsohne sind Schildkröten die Sympathieträger unter den Reptilien. Weitaus schwerer haben es Echsen oder gar Schlangen. Aber selbst unter den Schildkröten gibt es Unterschiede – aus unserer rein subjektiven Sicht: Landschildkröten sind unschlagbar die Favoriten. Sie faszinieren nicht nur eingefleischte Terrarianer, sondern auch jene Personen, die sich nicht über den „Heimtier-Status“ hinaus mit Tieren beschäftigen oder sogar rein gar nichts mit Tierhaltung am Hut haben.

von Heiko Werning

Die USA sind das Land mit der größten Artenvielfalt an Schildkröten weltweit. Und nirgendwo ist es einfacher, sie als Naturfreund auch zu genießen. Perfekte touristische Infrastruktur, zahlreiche Schutzgebiete, die die großartige Natur für Besucher erschließen, und zudem die oft überraschende Individuendichte vieler Arten machen das Land zu einem Traumziel für Schildkrötenfreunde. Kommen Sie mit auf eine Reise von Küste zu Küste durch den Süden der USA!

von Eric Egerer

Meeresschildkröten verbringen den allergrößten Teil ihres Lebens im Meer und sind daran hervorragend angepasst. Nur zur Eiablage genau an dem Sandstrand, an dem sie selbst ausgeschlüpft sind, kriechen die Weibchen in der Nacht ans Land und kehren noch vor Tagesbeginn wieder ins Wasser zurück. Und dieses Ereignis findet nicht einmal jedes Jahr statt! Die Männchen vollziehen die Paarung im Wasser und kommen überhaupt nie an Land. Nur direkt nach dem Ausschlüpfen sind die kleinen Schildkröten ganz kurz außerhalb des Wassers, aber sie eilen sofort zum Meer, da gerade dieser Moment einer der gefährlichsten im ganzen, bis zu 80 Jahre dauernden Meeresschildkrötenleben ist, da unzählige Räuber nur auf sie gewartet haben.

von Derek Dunlop

Man kann sich kaum vorstellen, wie es ist, wenn Tausende von Meeresschildkröten auf einmal an den Strand kriechen, um dort Eier zu legen. Die meisten Menschen sind schon glücklich, wenn sie einmal eine einzige Schildkröte beobachten, die zur Eiablage an Land geht. Aber auf dem kleinen Strandabschnitt vor Ostional in Costa Rica kommen regelmäßig Hunderttausende von Oliv-Bastardschildkröten (Lepidochelys olivacea) zusammen und bilden das, was im Spanischen die „Arribada“ genannt wird – die Ankunft! Die Arribada in Ostional ist eine der größten Meeresschildkrötenanlandungen weltweit.

von Kriton Kunz

Uralt ist die Überfamilie der Meeresschildkröten (Chelonioidea). Das ursprünglichste Fossil eines Vorfahren der heutigen Arten hat mindestens 120 Millionen Jahre auf dem Panzer – erst im Jahr 2015 beschrieben Wissenschaftler vom Senckenberg Forschungsinstitut in Frankfurt diese Spezies als Desmatochelys padillai. Zum Vergleich: Die fleischfressenden Schreckensechsen der Gattung Tyrannosaurus lebten vor „nur“ 68–66 Millionen Jahren.

von Marie Lambropoulos

Es ist halb fünf Uhr morgens. Zeit für die Morgenpatrouille. Studenten der Universität Wien gehen gemeinsam mit Mitarbeitern und Volontären der türkischen Pamukkale-Universität auf Spurensuche am Strand von Fethiye. Nach ein paar Metern wird gestoppt. Die Spur einer adulten Schildkröte zieht sich über den Strand, am höchsten Punkt ist sie unterbrochen. Man kann eine Mulde und eine Erhöhung erkennen. Hier hat die Schildkröte ihr Nest angelegt. Die Spur wird vermessen, das Nest markiert. Weiter geht’s. Einige Stunden später ist die morgendliche Strandarbeit zu Ende. Zeit, um auszuruhen. Ab Einbruch der Dunkelheit geht es weiter, im Schichtbetrieb wechseln sich die Studenten ab, um den insgesamt etwa 10 km langen Strand entlangzuwandern. Der Strand gliedert sich in drei verschieden lange Abschnitte mit unterschiedlichen Herausforderungen – ein Abschnitt ist touristisch stark genutzt und erfordert besondere Aufmerksamkeit, um den Reptilien eine möglichst ungestörte Atmosphäre zum Nisten zu bieten.

von der Aktionsgemeinschaft Artenschutz (AGA) e.V.

In den Sommerferien zieht es viele Reisende ans Meer und dessen Strände – das Gleiche gilt für Meeresschildkröten. Mit unseren Sommerferien beginnt bei ihnen die Brutsaison und damit die Eiablage sowie der Schlupf der Schildkrötenbabys, oft genau an den Stränden, die auch bei Urlaubern beliebt sind. Doch werden ein paar einfache Regeln beachtet, ist eine friedliche Koexistenz möglich.

von Markus Lohmann und Sandra Hülsmann

Im letzten Frühjahr hat es unsere kleine Familie als letzte Station einer fünfmonatigen Reise nach Malaysia verschlagen, nachdem wir einige Zeit in Australien, Thailand und Myanmar verbracht hatten. Der Reisegrund, ein Sabbatjahr, näherte sich dem Ende, und zum Schluss der Reise ist es uns endlich gelungen, einen Ort zu finden, an dem wir als Familie auf unkomplizierte Art und Weise ein kleines Volontariat machen konnten. Nach all dem wundervollen Getier, das wir vor allem in Australien bestaunen durften, hatten wir das Bedürfnis, etwas zurückzugeben.
So lag es nahe, dem Tipp einer Freundin nachzukommen und auf einer Trauminsel im südchinesischen Meer Schildkröten zu retten. Vom alt-hippieesken Inselchen Ko Phayam in Thailand ging es per Bus nach Phuket, von dort über Kuala Lumpur und Melaka nach Mersing in Malaysia, einem kleinen Hafenstädtchen im Südosten des Landes.