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„Frosch leuchtet im Dunkeln”, „Chamäleons mit Disco-Effekt“ oder auch „Geckos leuchten unter UV-Licht neongrün“ – in letzter Zeit überschlugen sich geradezu die Meldungen über die Entdeckung fluoreszierender Reptilien- und Amphibienarten. Bis vor wenigen Jahren war das Phänomen der Biofluoreszenz fast ausschließlich von marinen Organismen bekannt. Nun zeigt sich, dass es viel weiter verbreitet ist als angenommen. von David Prötzel

Zahlreiche Korallen und Schwämme erscheinen unter Blaulicht gelb oder auch rot, was dank neuer LED-Technik in Aquarien eindrucksvoll in Szene gesetzt werden kann. Kürzlich wurde Fluoreszenz sogar bei über 180 Knochenfischarten (Sparks et al. 2014) und zwei Haiarten nachgewiesen. Im Rahmen dieser Untersuchungen wurde auch die Fähigkeit, zu fluoreszieren, des Panzers einer Schildkröte, der Echten Karettschildkröte (Eretmochelys imbricata), entdeckt.

Die Terrarienabteilung im Aquarium des Kölner Zoos gehört zu den größten und artenreichsten Amphibien- und Reptilien-Schauanlagen in Deutschland. 2021 wurde diese wegweisende Einrichtung 50 Jahre alt. Sie steht für Umweltbildung, Artenschutz und hat dabei stets auch Kooperationen mit Partnern vor Ort, Behörden und privat (Citizen Conservation) aufgebaut. Kurator Thomas Ziegler und seine Mitarbeiter Anna Rauhaus und Christian Niggemann haben in der vergangenen REPTILIA-Ausgabe (Nr. 152, Dezember 2021) bereits die Geschichte und die Schau vorgestellt sowie einen Blick hinter die Kulissen geworfen. Im abschließenden vierten Teil berichten sie von ihren Artenschutzprojekten und geben einen vollständigen tabellarischen Überblick über die gepflegten Arten. von Thomas Ziegler, Anna Rauhaus & Christian Niggemann

Beschlagnahmungen
Kann man, wie im dritten Teil dieser Artikel-Reihe beschrieben, beschlagnahmte Körperteile bedrohter Arten oder daraus hergestellte Produkte nur noch identifizieren und danach, bei fehlenden Unterlagen über den rechtmäßigen Erwerb, aus dem Verkehr und den Käufer bzw. Verkäufer zur Verantwortung ziehen, so ist das bei lebenden Tieren anders. Hier muss schneller gehandelt werden. Die Artzugehörigkeit muss identifiziert und die Tiere selbst müssen aufgefangen und nicht selten erst wieder gesund gepflegt werden, bevor sie dauerhaft übernommen oder an eine passende Haltung weitervermittelt werden können. Im besten Fall können Tiere so nicht nur als Individuen gerettet werden, sondern auch durch ein darauf aufbauendes Erhaltungszuchtprogramm dem Artenschutz dienen. Hier sind insbesondere genetische Analysen extrem hilfreich, und zwar nicht nur bei der Identifizierung beschlagnahmter Arten – in den seltensten Fällen liegen ja (verlässliche) Informationen zu Art bzw. Herkunft vor –, sondern auch bei der Zuordnung zu genetischen Linien bzw. Regionen im Herkunftsgebiet. Und dieses Wissen ist eine Grundvoraussetzung für ein Erhaltungszuchtprogramm bzw. für spätere Rückführungen der Tiere bzw. ihrer Nachzuchten, wenn es sich nicht gerade um Mikroendemiten handelt, die ohnehin nur von einer Stelle bekannt sind.

´Die Großen Antillen, zu denen auch die Dominikanische Republik zählt, sind in den letzten beiden Jahrzehnten zunehmend in den Fokus von Biologen und Geologen gerückt. Sie haben eine ungewöhnliche und einzigartige Entstehungsgeschichte zu bieten – und damit auch die Glattkopfleguane der Gattung Leiocephalus. von Elmar Mai

Die Großen Antillen sind die einzigen Pazifikinseln, die heute im Atlantik liegen. Aber wie soll das gehen? Um das zu verstehen, muss man die Erdgeschichte etwa 70 Millionen Jahre zurückdrehen.
Im ausgehenden Mesozoikum waren die beiden Großkontinente Gondwana und Laurasia schon weitgehend in die heute bekannten Kontinente zerbrochen. Zu jener Zeit gab es an einer Schwachstelle in der Erdkruste vor der Küste von Ecuador einen gigantischen und lang andauernden untermeerischen Vulkanausbruch, der die Grundlage für die karibische Platte legte. Weil Südamerika aber infolge der Kontinentaldrift stetig nach Westen wandert, kam die karibische Platte in der ausgehenden Kreidezeit in Bedrängnis. Von Osten her drückte der Kontinent, im Westen hielt der Pazifikboden dagegen, und im Süden lag die Nazca-Platte. Die karibische Platte hatte also nur die Möglichkeit, entweder unter Südamerika abzutauchen oder nach Norden auszuweichen.