Segelechsen sind wahrhaftig außergewöhnliche Tiere! Es handelt sich nicht nur um die größten Agamen der Welt, dank ihrem riesigen Segel und dem auffälligen Schädel sind sie auch sonst eine auffällig-bizzare Erscheinung. Trotzdem kennen nur wenige sie näher, viele Angaben in der Literatur oder im Internet sind verwirrend oder schlicht falsch. Im Terrarium wurden sie zwar immer wieder gehalten, doch letztlich haben sie sich kaum stärker etabliert. Dabei können Segelechsen farblich spektakulär sein, mit Unterschieden sowohl zwischen den Arten als auch den Individuen. Dasselbe gilt für ihr Verhalten. Ein Bericht über die Haltung verschiedener Hydrosaurus-Arten seit 25 Jahren.
Teil 1 (Nr. 143): Systematik, Biologie, Merkmale, Bestimmung; Teil 2 (Nr. 144): Zoohaltung, Erwerb, Zähmen, das Terrarium; Teil 3 (Nr. 145): Wasserteil, Einrichtung, Bepflanzung; Teil 4 (Nr. 146): Technik.
von Oliver Fischer

Ernährung
Es ist nicht leicht, den natürlichen Ernährungsgewohnheiten von Segelechsen auf den Grund zu gehen. Sie wurden hauptsächlich als Pflanzenfresser beschrieben (z. B. Kopstein 1924; Manthey & Schuster 1999; Taylor 1924), die u. a. sehr gerne Feigen nehmen (Gaulke 1989). Dies widerspricht in Teilen aber der Tatsache, dass Segelechsen auch als Lauerjäger agieren. Denn sie beobachten stets aufmerksam ihre Umgebung, und sobald sie von ihrem „Hochsitz“ aus ein Beutetier erspähen, stürzen sie sich von ihrem Ast oder Liegefelsen he­runter und jagen der Beute hinterher.
Auch die von mir gehaltenen Tiere lassen eine prächtige Schüssel an Blättern und Früchten sofort unbeachtet, wenn es irgendwo etwas Krabbelendes oder Kriechendes zu holen gibt. Meine zutraulichen Tiere von H. celebensis springen aufgeregt umgehend auf mich, wenn ich mit ihrem Lieblingsfutter, „Black Tiger“-Crevetten, in der Hand das Terrarium öffne. Segelechsen können sogar durchaus kannibalisch sein. So ist in einem philippinischen Youtube-Video zu sehen, wie ein adultes Tier seinen kleineren Artgenossen packt und frisst.

Anders als die Langnasen-Strauchnatter ist die Smaragdgrüne Strauchnatter in unseren Terrarien bislang sehr rar, es liegen kaum Erfahrungen vor. Dabei handelt es sich um eine attraktive, baumbewohnende Art mit einer etwas überraschenden Vorliebe für Wasser. Aufgrund der spärlichen Literatur soll an dieser Stelle über bisherige Erfahrungen mit dieser Art berichtet werden, wenn bislang auch keine Nachzucht gelungen ist – nicht zuletzt mangels Männchen. von Oliver Gius

Philodrays viridissima, die Smaragdgrüne Strauchnatter, ist mit Sicherheit eine der Schlangenarten, die mehr Aufmerksamkeit in der Terraristik verdient hätten. Ihr faszinierendes Äußeres sowie die gute Haltbarkeit sprächen eigentlich sehr für sie. Wieso sie dennoch eine so untergeordnete Rolle spielt und bisher kaum beachtet wurde, ist nur schwer nachvollziehbar. Dieser Bericht soll mehr Interesse für diese Art wecken, damit sie sich hoffentlich eines Tages wie vor ihr schon die Langnasen-Strauchnatter (Philodryas baroni) in der Schlangenhaltung etablieren kann.

Auch im Terrarium kann man immer noch spannende Beobachtungen an Leopardgeckos tätigen, und noch längst nicht alle Fragen sind geklärt. Gleichzeitig tun sich ganz neue Betätigungs- und Diskussionsfelder auf - nicht zuletzt durch die Massen an Farbzuchten. Einige Facetten zum vielleicht populärsten Terrarientier überhaupt. von Frank Krönke

Über die richtige Haltung von Leopardgeckos im Terrarium ist bereits viel und gut geschrieben worden (z. B. Seufer et al. 2005; Grießhammer & Köhler 2009; Henkel & Schmidt 2013; Duscha & Drewes 2015), weshalb ich an dieser Stelle nur auf die häufigsten Haltungsfehler hinweisen möchte:

  • Zu warme und trockene Terrarien, in denen die Tiere nicht (ausreichend) zwischen warm und kühler sowie zwischen trocken und (leicht) feucht wählen können. Leopardgeckos sind zwar sehr robust und tolerieren auch Fehler erstaunlich gut, doch geht es ja nicht darum, was die Tiere (gerade noch) aushalten, sondern wie die Optimalbedingungen aussehen!
  • Kalzium- und Vitaminmangel in der Ernährung, besonders bei Weibchen, die regelmäßig Gelege produzieren
  • Überfütterung führt zu trägen, wurstartigen Geckos und ist der Gesundheit und dem Wohlbefinden abträglich

Der Leopardgecko – gähn? Alles schon bekannt? Schon hundert Mal gelesen? Na, mal sehen! Dieser Klassiker ist immer noch eines der attraktivsten Terrarientiere und jedem Einsteiger wärmstens ans Herz zu legen. Aber auch „alten Hasen“ bietet er sicherlich noch manche Überraschung. Und dafür muss man nicht einmal auf die stetig wachsende Zahl an Farbmorphen schauen. Auch der gute, alte Natur-Leopardgecko vermag nach wie vor zu faszinieren! von Frank Krönke

Tiere, die in der Terraristik boomen, zeigen meist fünf charakteristische Eigenschaften:
1) Sie sind tendenziell ökologische Generalisten und daher meistens auch weit verbreitet, oder ihre Lebensansprüche treffen zufällig gut die häuslichen Haltungsbedingungen. Beides führt dazu, dass sie wenig empfindlich gegenüber Haltungsfehlern sind.
2) Sie sind häufig ansprechend gefärbt und gemustert, außerdem zeigen sie eine hohe Variabilität dieser Merkmale. Dementsprechend treten auch Farb- und Zeichnungsvarianten auf.
3) Sie sind unproblematisch in der Ernährung.
4) Sie sind leicht zu vermehren.
5) Sie zeigen ein „freundliches“, oft schon haustierartiges Wesen.

Tokehs gehören zu den klassischen Terrarientieren. Unter guten Terrarienbedingungen können sie sehr alt und zu einem echten Begleiter durchs Leben werden. Ein ganz besonderes Exemplar ist in diesem Sommer gestorben. von Ingo Kober

Am Morgen des 12. Juli 2020 fand ich den bereits von Landkrabben angefressenen Kadaver meines ältesten Tokehs (Gekko gecko) unter seinem angestammten Schlafplatz liegen. Nur ein verstorbener Gecko, so etwas kommt vor – aber in diesem Fall ist mir das doch einen kleinen Nachruf wert. Warum, wird bald klar: Dieser Gecko begleitete mich über einen langen Lebensabschnitt und sticht auch, was Langlebigkeit und Größe angeht, besonders hervor.

Nicht nur in den Tropen gibt es Amphibien mit spektakulären Lebensweisen. Auch vor unserer europäischen Haustür haben wir kuriose Arten. Die Geburtshelferkröten der Gattung Alytes sind dafür ein hervorragendes Beispiel. Die auf Mallorca heimische Art Alytes muletensis galt schon als ausgestorben. Ab jetzt helfen Terrarianer und Zoos gemeinsam im Projekt Citizen Conservation, sie zu erhalten. von Philipp Ginal

Die fünf Arten der Geburtshelferkröten – A. cisternasii, A. dickhilleni, A. maurus, A. muletensis und A. obstetricans (Letztere mit den vier Unterarten A. o. obstetricans, A. o. boscai, A. o. pertinax sowie A. o. almogavarii) – sind vor allem auf der Iberischen Halbinsel (A. cisternasii, A. dickhilleni, alle Unterarten außer der Nominatform von A. obstetricans) verbreitet. Lediglich das Verbreitungsgebiet von A. o. obstetricans erstreckt sich bis nach Deutschland. Alytes muletensis besiedelt dagegen als Inselendemit den Norden Mallorcas, während A. maurus der einzige Gattungsvertreter außerhalb Europas und in Marokko beheimatet ist.

Die Zucht von Farbformen bei Regenbogenboas steht noch ganz am Anfang. Bislang sind erst sehr wenige Morphen beschrieben worden, und bei einigen ist noch nicht überprüft, ob sie erblich sind. Unserem tschechischen Autor gelang es, gleich mehrere Regenbogenboas mit Farbmutationen aufzuziehen, und somit begann seine Spezialisierung auf die Zucht dieser wunderschönen Schlangen. von Jaroslav Gilar

Früher galten sie noch als Unterarten: Epicrates cenchria cenchria und E. c. maurus. Inzwischen hat sich aber herausgestellt, dass es sich bei der Brasilianischen oder Roten Regenbogenboa (Epicrates cenchria) und der Kolumbianischen oder Braunen Regenbogenboa (Epirates maurus) um eigenständige Arten handelt. Da ich beide Spezies und auch Hybriden zwischen beiden Arten pflege, musste ich die Bedingungen für die Zucht so auswählen, dass sie die Ansprüche beider Formen erfüllen. Die Tagestemperatur liegt bei ungefähr 29 °C, nachts gehen die Werte um etwa 2–3 Grad zurück. Die relative Luftfeuchtigkeit halte ich im Bereich von 75–80 %. Zwölf Stunden täglich sind Beleuchtung und Heizung eingeschaltet.

Die Gartenboa ist, wie der bekanntere Hundskopfschlinger, eine faszinierende baumbewohnende Riesenschlange mit breitem Farbspektrum. Unser Autor pflegt und züchtet diese Art seit über 30 Jahren. Die Bilanz einer Jahrzehnte währenden und bis heute nicht erloschenen Leidenschaft. von Volker Franz

Die Gartenboa wurde 1758 von Linnaeus als Corallus hortulanus beschrieben und durchlief einige nomenklatorische Änderungen in den letzten Jahrzehnten, von Boa enydris bis Corallus enydris, um nur einige zu nennen. Lange Zeit wurde sie dann wieder als Corallus hortulanus bezeichnet. Ein genauerer Blick auf die sprachlichen Gepflogenheiten von Linnaeus allerdings zeigte jüngst (Frétey 2019), dass die bisherige Lesart, das Artepitheton „hortulanus“ sei als Adjektiv zu verstehen und müsse daher im grammatischen Geschlecht an das zugehörige Nomen „Corallus“ angepasst, also mit männlicher Wortendung „-us“ verwendet werden, falsch ist. Vielmehr hatte Linnaeus bei seiner Benennung den Artnamen über seine Schreibweise ausdrücklich als Substantiv definiert, und des Erstbeschreibers Wille ist nach den Gesetzen der zoologischen Nomenklatur nun einmal sein Himmelreich. Der tatsächlich gültige Artname lautet daher Corallus hortulana. Diese Auffassung ist auch prompt z. B. von der renommierten „Reptile Database“ übernommen worden (Uetz et al. 2020).

Segelechsen sind wahrhaftig außergewöhnliche Tiere! Es handelt sich nicht nur um die größten Agamen der Welt, dank ihrem riesigen Segel und dem auffälligen Schädel sind sie auch sonst eine auffällig-bizzare Erscheinung. Trotzdem kennen nur wenige sie näher, viele Angaben in der Literatur oder im Internet sind verwirrend oder schlicht falsch. Im Terrarium wurden sie zwar immer wieder gehalten, doch letztlich haben sie sich kaum stärker etabliert. Dabei können Segelechsen farblich spektakulär sein, mit Unterschieden sowohl zwischen den Arten als auch den Individuen. Dasselbe gilt für ihr Verhalten. Ein Bericht über die Haltung verschiedener Hydrosaurus-Arten seit 25 Jahren. Teil 1 dieser Artikel-Reihe finden Sie in REPTILIA Nr. 143. von Oliver Fischer

In Teil 1 haben wir uns mit der Unterscheidung und dem natürlichen Vorkommen der aktuell fünf anerkannten Arten der Segelechsen (Gattung Hydrosaurus) befasst. Typische Philippinische Segelechsen, wie man sie vor 20 Jahren noch oft in europäischen Zoos wie z. B. Berlin und Dresden gesehen hat, sind heutzutage eine Rarität geworden. Schöne Exemplare von Hydrosaurus pustulatus sah ich Anfang 2020 im Zoo Barcelona, 1,2 Tiere, ein Weibchen wurde separat gehalten. Von den drei deutschen Zoos, die laut „Zootierliste“ H. pustulatus pflegen, hat offenbar inzwischen nur noch Hagenbeck Hamburg tatsächlich Tiere, wobei ich hier leider keine weiteren Informationen bekommen habe. Erfreulicherweise ist man mit einer Gruppe Jungtiere im sehenswerten „Haus des Meeres“ in Wien gestartet, ihre genaue Identität und damit auch ihre späteren Farben sind aber noch nicht klar. In den Niederlanden gelang 1983 in Rotterdam die offzielle europäische Erstnachzucht von H. pustulatus, in Artis in Amsterdam findet man aktuell 1,1 Tiere.

Herrlich gefärbt und gemustert ist sie, die Milchkrautwanze – eigentlich viel zu schön zum Verfüttern. Aber vielleicht kann man sich ja für beides entscheiden: ein kleines Schau­terrarium und eine gut florierende Futtertierzucht. von Kriton Kunz

Kaum eine ernst zu nehmende terraristische Veröffentlichung zu Echse, Frosch & Co, in der nicht darauf hingewiesen wird, wie wichtig es doch sei, seine Lieblinge möglichst vielseitig und abwechslungsreich zu füttern. In der Praxis beschränkt sich das Angebot dann jedoch oft auf die „üblichen Verdächtigen“, etwa Heuschrecken, Heimchen und Grillen.
Selbst wer nicht das ohnehin rar gewordene Wiesenplankton keschern möchte, das man wohl mittlerweile lieber ganz in der Natur lassen sollte, kann die Palette jedoch mit wenig Aufwand zumindest um einige leicht zu züchtende Kandidaten erweitern, von Asseln über Blattläuse bis hin zu Ofenfischchen. Manche Futtertiere sind darüber hinaus ihrerseits hochinteressant, etwa Asthmakäfer, oder hübsch anzusehen, beispielsweise Rosenkäfer – oder beides, wie im Fall der hier vorgestellten Milchkrautwanze, Oncopeltus fasciatus.