Mehrlinge aus einem Ei werden bei Chamäleons nur selten beobachtet. Aber immer wieder kursieren einzelne Berichte über Zwillingsschlupfe oder -geburten. Zeit, sie einmal zusammenzustellen – angereichert um eigene Beobachtungen. Erstmals können bei einem Chamäleon sogar Vierlinge dokumentiert werden. von Petr Necas, Sergii Prokopiev, Craig Durbin, Jürgen Van Overbeke & Christoph Roth

Seit ungefähr drei Jahrzehnten haben Chamäleons als Terrarientiere zunehmend Popularität erlangt, und zwei Arten werden inzwischen in großer Zahl gezüchtet, nämlich das Jemenchamäleon (Chamaeleo calyptratus) und das Pantherchamäleon (Furcifer pardalis). In jüngerer Zeit werden auch das Teppichchamäleon (Furcifer lateralis), das Riesenchamäleon (Furcifer oustaleti), Jacksons Dreihornchamäleon (Trioceros jacksonii) und Parsons Chamäleon (Calumma parsonii) zunehmend häufiger nachgezüchtet.

Goldbauchnatter, Buntnatter – die Namen für diese beiden kleinen Natter-Arten lassen schon ahnen, dass es sich um besonders attraktive Schlangen handelt. Und die Tatsache, dass diese Namen kaum fest für diese beiden Arten definiert sind, zeigt, dass beide in der Terraristik bislang nur wenig beachtet werden. Ein Fehler, denn es handelt sich um ebenso interessante wie hübsche Pfleglinge, die aufgrund ihrer geringen Größe gut halt- und handhabbar sind. Ein Nattern-Geheimtipp!. von Simone Karlowski

Liophis jaegeri und Lygophis anomalus zählen zu den klein bleibenden Schlangen der Unterfamilie Dipsadinae und damit zur großen Familie der Nattern (Colubridae). Beide Arten wechselten in der Vergangenheit mehrfach die wissenschaftlichen Namen. So ist Lygophis anomalus u. a. auch als Liophis anomalus bekannt, Liophis jaegeri auch unter Erythrolamprus jaegeri, worunter die Art sogar aktuell wieder von der Reptile Database geführt wird. Im Deutschen werden beide Arten als Goldbauchnattern bezeichnet, Liophis jaegeri genauer als Jägers Goldbauchnatter, Lygophis anomalus als Buntnatter (manchmal werden auch beide Arten als Buntnattern bezeichnet).

Segelechsen sind wahrhaftig außergewöhnliche Tiere! Es handelt sich nicht nur um die größten Agamen der Welt, dank ihrem riesigen Segel und dem markanten Schädel sind sie auch sonst eine auffällig bizarre Erscheinung. Trotzdem kennen nur wenige sie näher, viele Angaben in der Literatur oder im Internet sind verwirrend oder schlicht falsch. Im Terrarium wurden sie zwar immer wieder gehalten, doch letztlich haben sie sich kaum stärker etabliert. Dabei können Segelechsen farblich spektakulär sein, mit Unterschieden sowohl zwischen den Arten als auch den Individuen. Dasselbe gilt für ihr Verhalten. Ein Bericht über die Haltung verschiedener Hydrosaurus-Arten über 25 Jahre. von Oliver Fischer

Miguel de Cervantes (span. Schriftsteller, 1547–1616) schrieb im Vorwort zu seinem Roman Don Quijote: „Müßiger Leser! – Ohne Schwur magst du mir glauben, dass ich wünsche, dieses Buch, das Kind meines Geistes, wäre das Schönste, Lieblichste und Verständigste, das man sich nur vorstellen kann.“ Da war sicher eine Menge Ironie dabei. Wenn ich dies meinem Artikel über Segelechsen voranstellen würde, wäre das zwar auch zu hoch gegriffen – aber es gibt derart viel Falschinformationen zum Thema im Internet, dass es zumindest mein Ziel ist, ein bisschen Aufklärung über diese fantastischen Tiere zu betreiben – um ein bisschen zwischen „Dichtung und Wahrheit“ zu unterscheiden …

Boelens Python ist eine der seltensten und faszinierendsten Riesenschlangen, die in unseren Terrarien gehalten werden. Man braucht viel Platz, um diese außergewöhnlichen, aber auch außergewöhnlich attraktiven Schlangen zu halten. Die Jungtiere überraschen mit einer völlig anderen Färbung. von Markus Borer

Es gibt mehrere Gründe dafür, dass Simalia boeleni so selten in der Terraristik-Szene anzutreffen ist. Die Tiere stammen aus dem Hochland von Neuguinea und von der vorgelagerten Insel Goodenough. Die klimatischen Gegebenheiten ihres Lebensraums, die Hochlandregenwälder in Höhenlagen von 1.000–2.600 m, sind im Großraum-Terrarium nicht leicht umzusetzen. Auch die Größe der Schlange selbst und die deshalb benötigte Größe des Terrariums sind wichtige Faktoren, warum diese Art bislang nicht sehr weit in der Hobbyhaltung verbreitet ist. Der Export von Wildfangtieren aus Neuguinea ist inzwischen verboten. Zudem gibt es nur spärliche Informationen und Angaben zur Haltung und erfolgreichen Vermehrung dieses speziellen und außergewöhnlichen Pythons im Terrarium. Einer der wenigen detaillierteren Artikel wurde 2017 in der REPTILIA veröffentlicht (Heuberger & Heuberger 2017). Auch deshalb ist die REPTILIA der richtige Platz, meine Erfahrungen mit dieser besonderen Riesenschlange mit der interessierten Leserschaft zu teilen.

Der erst im Jahr 2008 beschriebene Federschwanzgecko ist ein seltener Gast in der Terraristik. Aber in den letzten 15 Jahren konnten erste Erfahrungen in der Terrarienpflege gesammelt werde, die hier zusammengefasst geschildert werden sollen. Auch die Nachzucht dieses spektakulären Geckos ist inzwischen gelungen. von Mirko Barts

Der Federschwanzgecko ist eine seltene Erscheinung in unseren Terrarien. Sein Lebensraum ist nach heutigem Kenntnisstand auf den Iona-Nationalpark (das größte Schutzgebiet des Landes) und die angrenzenden Gebiete im südwestlichen Angola beschränkt. Die nachtaktiven Tiere leben am Fuß großer Felsansammlungen und verbringen den Tag unter von Erosion abgesprengten Felsplatten, die wenig direkte Sonneneinstrahlung erhalten. Diese Tagesverstecke werden oft von vielen Geckos derselben Art genutzt.

Pachydactylus rugosus lebt im südwestlichen Afrika in Trockenflüssen. Lange Jahre war sein Mikrohabitat unbekannt und Tiere wurden nur zufällig gefunden. Außerdem ist er eine außergewöhnliche Geckoart: Sein skurriles Aussehen, die geringe Größe und seine Verhaltensweisen machen ihn zu einem besonders interessanten Terrarienbewohner. von Mirko Barts

Die Gattung Pachydactylus (Dickfingergeckos) besteht aus 57 Arten, die nahezu alle Habitate des südlichen Afrikas bevölkert haben. Die nördliche Verbreitung endet kurz vor dem Äquator. Während im Süden viele Arten sympatrisch, also im gleichen Biotop, vorkommen und die einzelnen Taxa direkt aneinander grenzende Ha­bitate besiedeln, dünnt sich die „Pachydactylus-Dichte“ gen Norden deutlich aus, und es werden nur noch besondere Lebensräume von einzelnen Taxa genutzt.

Der Afrikanische Fettschwanzgecko ist zwar in der Terraristik ein alter Bekannter, aber sein Stern geht dennoch gerade erst leuchtend auf: Morphenzüchter haben die Art für sich entdeckt und etliche attraktive Farbformen erzielt. Allmählich schwappt der Trend aus den USA und einigen europäischen Nationen auch in die deutschsprachigen Länder. von Manuel Diego (Manu_KP)

Bei Hemitheconyx caudicinctus han­delt es sich um einen mittelgroßen, bodenlebenden Gecko, der im Deutschen auch Afrikanischer Fettschwanzgecko oder Afrikanischer Krallengecko genannt wird. International ist er unter Liebhabern als „African fat-tailed gecko“ bekannt, was häufig mit AFT abgekürzt wird, beispielsweise in einschlägigen Foren oder sozialen Medien.
Wir haben es hier mit einem wundervollen und sehr interessanten Tier zu tun, das ein etwas schüchternes Verhalten zeigt. Ursprünglich stammt die Art aus Westafrika, genauer gesagt aus der Region zwischen Kamerun und Nigeria im Osten sowie Senegal im Westen. Dort bewohnen diese Geckos felsige oder mit Gesträuch bestandene Gebiete. Das Klima im Verbreitungsgebiet ist warm und trocken.

Die als chinesische Albino-Weichschildkröten kursierenden Tiere entstammen großen Farmzuchten in Ostasien und lassen sich keiner Art konkret zuordnen. Möglicherweise handelt es sich um eine inzwischen mehr oder weniger domestizierte Hybridform. Für die private Aquarienhaltung sind die charismatischen Tiere auf jeden Fall bestens geeignet – auch eine Empfehlung für Einsteiger! von Torsten Laicher und Florian Müncheberg

Die bei uns am häufigsten erhältliche Albino-Weichschildkröte stammt von asiatischen Schildkrötenfarmen, wo Weichschildkröten einer jahrtausendealten Tradition folgend (Gong et al. 2018) in geradezu unfassbaren Stückzahlen für den Lebensmittelmarkt gezüchtet werden (Stuckas et al. 2011). Im Handel werden diese Tiere als Albino-Form der Chinesischen Weichschildkröte (Pelodiscus sinensis) angeboten. Nun hat sich allerdings in den letzten Jahren durch DNA-Untersuchungen herausgestellt, dass es sich bei den ursprünglich als Chinesische Weichschildkröten bezeichneten Tieren in Wirklichkeit nicht um eine einzige Art, sondern um einen ganzen Artenkomplex aus mindestens fünf Spezies handelt (Stuckas et al. 2011; Farkas et al. 2019). Zudem kam es auf den asiatischen Schildkrötenfarmen zur Hybridisierung verschiedener Arten der Gattung Pelodiscus (Gong et al. 2018). Berücksichtigt man diese Erkenntnisse, muss im Fall unserer Albinos sicher ein dickes Fragezeichen hinter den Artnamen sinensis gesetzt werden.

Die auch bei uns einheimische Östliche Smaragdeidechse gehört zu den prächtigsten Echsen überhaupt. Vor allem Männchen in der Paarungszeit bestechen durch ihr kräftiges Grün und eine leuchtend blaue Kehle. Ihre natürlichen Vorkommen sind streng geschützt, aber zum Glück ist es heute kein Problem mehr, Terrariennachzuchten dieser charismatischen Reptilien zu erstehen. Eine Top-Empfehlung für das Freilandterrarium! von Claudia und Andreas Schäberle

Smaragdeidechsen werden schon seit langer Zeit in Terrarien und Freianlagen gehalten. Bereits 1895 wurden diese Eidechsen in Regensburg durch Wilhelm Geyer für 60 Pfennig gehandelt (Geyer 1895). Als einheimisches Reptil war die Haltung vor allem in den Anfängen der Terrarsitik weit verbreitet. Bis Ende der 1970er-Jahre war eine Entnahme aus der Natur in Deutschland legal. Das Bundesnaturschutzgesetz verbietet dies aber seit 1980 ausdrücklich. Es wäre aber auch überhaupt nicht erforderlich, Wildfänge zu pflegen, da es genügend Züchter dieser Art gibt. Mit ein wenig Geduld sind Jungtiere problemlos erhältlich.

Früher waren Arten der nordamerikanischen Gattung Nerodia auch in der europäischen Terraristik weit verbreitet und sehr beliebt. Leider hat sich das mittlerweile geändert, und Schwimmnattern, wie sie im Deutschen heißen, bilden hierzulande nur noch eine Randerscheinung. Das ist sehr schade, denn diese Schlangen geben pflegeleichte, beeindruckende Schautiere ab – so auch die Siegelring-Schwimmnatter. von Leo Spinner

Für einen Bewohner von New England an der US-Nordostküste wie mich gibt es direkt vor der Haustür den Großteil des Jahres nicht allzu viele „reptilische Lockungen“. Ich erinnere mich noch, wie ich meiner Kindheit in Cape Cod in Massachusetts während der lang anhaltenden Winter sehnsüchtig darauf wartete, dass es endlich Frühling werde und ich die ersten terraristisch spannenden Geschöpfe in die Finger bekäme. Dieser Teil des Kontinents hatte in der Beziehung nicht gerade viel zu bieten, aber von den Arten, die es gab, waren viele sehr pflegeleicht. Unter denjenigen, die besonders früh zum Vorschein kamen, waren Flecken-Querzahnmolch (Ambystoma maculatum), Tropfenschildkröte (Clemmys guttata), Zierschildkröte (Chrysemys picta), Strumpfbandnattern (Thamnophis) und die massige Siegelring-Schwimmnatter (Nerodia sipedon), die allesamt von Ende März bis Anfang April aus der Überwinterung erschienen.