Tokehs gehören zu den klassischen Terrarientieren. Unter guten Terrarienbedingungen können sie sehr alt und zu einem echten Begleiter durchs Leben werden. Ein ganz besonderes Exemplar ist in diesem Sommer gestorben. von Ingo Kober

Am Morgen des 12. Juli 2020 fand ich den bereits von Landkrabben angefressenen Kadaver meines ältesten Tokehs (Gekko gecko) unter seinem angestammten Schlafplatz liegen. Nur ein verstorbener Gecko, so etwas kommt vor – aber in diesem Fall ist mir das doch einen kleinen Nachruf wert. Warum, wird bald klar: Dieser Gecko begleitete mich über einen langen Lebensabschnitt und sticht auch, was Langlebigkeit und Größe angeht, besonders hervor.

Nicht nur in den Tropen gibt es Amphibien mit spektakulären Lebensweisen. Auch vor unserer europäischen Haustür haben wir kuriose Arten. Die Geburtshelferkröten der Gattung Alytes sind dafür ein hervorragendes Beispiel. Die auf Mallorca heimische Art Alytes muletensis galt schon als ausgestorben. Ab jetzt helfen Terrarianer und Zoos gemeinsam im Projekt Citizen Conservation, sie zu erhalten. von Philipp Ginal

Die fünf Arten der Geburtshelferkröten – A. cisternasii, A. dickhilleni, A. maurus, A. muletensis und A. obstetricans (Letztere mit den vier Unterarten A. o. obstetricans, A. o. boscai, A. o. pertinax sowie A. o. almogavarii) – sind vor allem auf der Iberischen Halbinsel (A. cisternasii, A. dickhilleni, alle Unterarten außer der Nominatform von A. obstetricans) verbreitet. Lediglich das Verbreitungsgebiet von A. o. obstetricans erstreckt sich bis nach Deutschland. Alytes muletensis besiedelt dagegen als Inselendemit den Norden Mallorcas, während A. maurus der einzige Gattungsvertreter außerhalb Europas und in Marokko beheimatet ist.

Die Zucht von Farbformen bei Regenbogenboas steht noch ganz am Anfang. Bislang sind erst sehr wenige Morphen beschrieben worden, und bei einigen ist noch nicht überprüft, ob sie erblich sind. Unserem tschechischen Autor gelang es, gleich mehrere Regenbogenboas mit Farbmutationen aufzuziehen, und somit begann seine Spezialisierung auf die Zucht dieser wunderschönen Schlangen. von Jaroslav Gilar

Früher galten sie noch als Unterarten: Epicrates cenchria cenchria und E. c. maurus. Inzwischen hat sich aber herausgestellt, dass es sich bei der Brasilianischen oder Roten Regenbogenboa (Epicrates cenchria) und der Kolumbianischen oder Braunen Regenbogenboa (Epirates maurus) um eigenständige Arten handelt. Da ich beide Spezies und auch Hybriden zwischen beiden Arten pflege, musste ich die Bedingungen für die Zucht so auswählen, dass sie die Ansprüche beider Formen erfüllen. Die Tagestemperatur liegt bei ungefähr 29 °C, nachts gehen die Werte um etwa 2–3 Grad zurück. Die relative Luftfeuchtigkeit halte ich im Bereich von 75–80 %. Zwölf Stunden täglich sind Beleuchtung und Heizung eingeschaltet.

Die Gartenboa ist, wie der bekanntere Hundskopfschlinger, eine faszinierende baumbewohnende Riesenschlange mit breitem Farbspektrum. Unser Autor pflegt und züchtet diese Art seit über 30 Jahren. Die Bilanz einer Jahrzehnte währenden und bis heute nicht erloschenen Leidenschaft. von Volker Franz

Die Gartenboa wurde 1758 von Linnaeus als Corallus hortulanus beschrieben und durchlief einige nomenklatorische Änderungen in den letzten Jahrzehnten, von Boa enydris bis Corallus enydris, um nur einige zu nennen. Lange Zeit wurde sie dann wieder als Corallus hortulanus bezeichnet. Ein genauerer Blick auf die sprachlichen Gepflogenheiten von Linnaeus allerdings zeigte jüngst (Frétey 2019), dass die bisherige Lesart, das Artepitheton „hortulanus“ sei als Adjektiv zu verstehen und müsse daher im grammatischen Geschlecht an das zugehörige Nomen „Corallus“ angepasst, also mit männlicher Wortendung „-us“ verwendet werden, falsch ist. Vielmehr hatte Linnaeus bei seiner Benennung den Artnamen über seine Schreibweise ausdrücklich als Substantiv definiert, und des Erstbeschreibers Wille ist nach den Gesetzen der zoologischen Nomenklatur nun einmal sein Himmelreich. Der tatsächlich gültige Artname lautet daher Corallus hortulana. Diese Auffassung ist auch prompt z. B. von der renommierten „Reptile Database“ übernommen worden (Uetz et al. 2020).

Segelechsen sind wahrhaftig außergewöhnliche Tiere! Es handelt sich nicht nur um die größten Agamen der Welt, dank ihrem riesigen Segel und dem auffälligen Schädel sind sie auch sonst eine auffällig-bizzare Erscheinung. Trotzdem kennen nur wenige sie näher, viele Angaben in der Literatur oder im Internet sind verwirrend oder schlicht falsch. Im Terrarium wurden sie zwar immer wieder gehalten, doch letztlich haben sie sich kaum stärker etabliert. Dabei können Segelechsen farblich spektakulär sein, mit Unterschieden sowohl zwischen den Arten als auch den Individuen. Dasselbe gilt für ihr Verhalten. Ein Bericht über die Haltung verschiedener Hydrosaurus-Arten seit 25 Jahren. Teil 1 dieser Artikel-Reihe finden Sie in REPTILIA Nr. 143. von Oliver Fischer

In Teil 1 haben wir uns mit der Unterscheidung und dem natürlichen Vorkommen der aktuell fünf anerkannten Arten der Segelechsen (Gattung Hydrosaurus) befasst. Typische Philippinische Segelechsen, wie man sie vor 20 Jahren noch oft in europäischen Zoos wie z. B. Berlin und Dresden gesehen hat, sind heutzutage eine Rarität geworden. Schöne Exemplare von Hydrosaurus pustulatus sah ich Anfang 2020 im Zoo Barcelona, 1,2 Tiere, ein Weibchen wurde separat gehalten. Von den drei deutschen Zoos, die laut „Zootierliste“ H. pustulatus pflegen, hat offenbar inzwischen nur noch Hagenbeck Hamburg tatsächlich Tiere, wobei ich hier leider keine weiteren Informationen bekommen habe. Erfreulicherweise ist man mit einer Gruppe Jungtiere im sehenswerten „Haus des Meeres“ in Wien gestartet, ihre genaue Identität und damit auch ihre späteren Farben sind aber noch nicht klar. In den Niederlanden gelang 1983 in Rotterdam die offzielle europäische Erstnachzucht von H. pustulatus, in Artis in Amsterdam findet man aktuell 1,1 Tiere.

Herrlich gefärbt und gemustert ist sie, die Milchkrautwanze – eigentlich viel zu schön zum Verfüttern. Aber vielleicht kann man sich ja für beides entscheiden: ein kleines Schau­terrarium und eine gut florierende Futtertierzucht. von Kriton Kunz

Kaum eine ernst zu nehmende terraristische Veröffentlichung zu Echse, Frosch & Co, in der nicht darauf hingewiesen wird, wie wichtig es doch sei, seine Lieblinge möglichst vielseitig und abwechslungsreich zu füttern. In der Praxis beschränkt sich das Angebot dann jedoch oft auf die „üblichen Verdächtigen“, etwa Heuschrecken, Heimchen und Grillen.
Selbst wer nicht das ohnehin rar gewordene Wiesenplankton keschern möchte, das man wohl mittlerweile lieber ganz in der Natur lassen sollte, kann die Palette jedoch mit wenig Aufwand zumindest um einige leicht zu züchtende Kandidaten erweitern, von Asseln über Blattläuse bis hin zu Ofenfischchen. Manche Futtertiere sind darüber hinaus ihrerseits hochinteressant, etwa Asthmakäfer, oder hübsch anzusehen, beispielsweise Rosenkäfer – oder beides, wie im Fall der hier vorgestellten Milchkrautwanze, Oncopeltus fasciatus.

Die hübsche Tigernatter ist das ostasiatische Pendant zu unserer heimischen Ringelnatter. Auch diese Schlange lebt gerne in der Nähe von Wasser. Im Terrarium wird sie bislang relativ selten gehalten, obwohl sie eine attraktive, leicht zu pflegende und nicht zu groß werdende Natter ist. Auch ihre Nachzucht kann gelingen, sofern man den Tieren eine passende Winterpause gönnt. Allerdings Vorsicht, es handelt sich um eine giftige Art! von Andreas Walter

Die in der terraristischen Literatur bislang noch sehr wenig beachteten Tigernattern (Rhabdophis tigrinus) stammen aus Ostasien. Die Art lebt vorwiegend in den südlichen und östlichen Regionen Chinas, auf der koreanischen Halbinsel, in Vietnam, Japan und den russischen Gebieten Chabarowsk und Primorski. Sie gilt als häufigste Schlange Japans. Die Nattern, die auch Yamakagashi-Schlangen genannt werden,  bevorzugen feuchte Biotope, vor allem Überschwemmungswiesen, Reisfelder und grasbewachsene Ufer von Gewässern. Der Biotop der Tigernattern erstreckt sich bis in Höhen von 1.500 m. Die Art wurde erstmals 1826 von dem deutschen Zoologen Heinrich Boyer beschrieben. Sie zählt zur Familie Colubridae und gehört zu den bodenbewohnenden Nattern. Die Ähnlichkeit zu den Wassernattern der Gattung Natrix ist recht groß, weswegen die Art lange in die Gattung Natrix gestellt und somit als Natrix tigrina geführt wurde. Diese Ansicht konnte sich aber nicht durchsetzen, inzwischen ist der Status in der Gattung Rhabdophis gefestigt.

Während Rhinoclemmys pulcherrima manni regelmäßig importiert und häufig gehalten wird, ist die Nominatform der Pracht-Erdschildkröte nur selten bei uns in menschlicher Obhut zu finden. Dabei sind die kleinen landbewohnenden Schildkröten ebenso gut zu halten und zeigen eine besonders attraktive Zeichnung. von Cedric Godart

Im März 2018 hatte ich das Glück, ein adultes Pärchen der Guerrero-Prachterdschildkröte von einem Importeur zu erhalten, der die Tiere erst kurz zuvor aus Mexiko nach Europa gebracht hatte. Ich bin sicherlich kein Freund von Wildfängen, jedoch war es schon seit Jahren ein Traum, diese schön gefärbten und damals in Europa nicht erhältlichen Erdschildkröten zu meinem Bestand zählen zu dürfen. Leider gibt es in Europa so gut wie keine Züchter dieser seltenen Unterart, und somit dient das angebotene Zuchtpaar als wichtiger Grundstein für die Erhaltung im europäischen Hobby. Zu meiner Freude verlief die Umgewöhnung zur Terrarienhaltung recht schnell und problemlos, und so wurde ich sehr bald mit den ersten Eiern und Nachzuchten belohnt.

Mehrlinge aus einem Ei werden bei Chamäleons nur selten beobachtet. Aber immer wieder kursieren einzelne Berichte über Zwillingsschlupfe oder -geburten. Zeit, sie einmal zusammenzustellen – angereichert um eigene Beobachtungen. Erstmals können bei einem Chamäleon sogar Vierlinge dokumentiert werden. von Petr Necas, Sergii Prokopiev, Craig Durbin, Jürgen Van Overbeke & Christoph Roth

Seit ungefähr drei Jahrzehnten haben Chamäleons als Terrarientiere zunehmend Popularität erlangt, und zwei Arten werden inzwischen in großer Zahl gezüchtet, nämlich das Jemenchamäleon (Chamaeleo calyptratus) und das Pantherchamäleon (Furcifer pardalis). In jüngerer Zeit werden auch das Teppichchamäleon (Furcifer lateralis), das Riesenchamäleon (Furcifer oustaleti), Jacksons Dreihornchamäleon (Trioceros jacksonii) und Parsons Chamäleon (Calumma parsonii) zunehmend häufiger nachgezüchtet.

Goldbauchnatter, Buntnatter – die Namen für diese beiden kleinen Natter-Arten lassen schon ahnen, dass es sich um besonders attraktive Schlangen handelt. Und die Tatsache, dass diese Namen kaum fest für diese beiden Arten definiert sind, zeigt, dass beide in der Terraristik bislang nur wenig beachtet werden. Ein Fehler, denn es handelt sich um ebenso interessante wie hübsche Pfleglinge, die aufgrund ihrer geringen Größe gut halt- und handhabbar sind. Ein Nattern-Geheimtipp!. von Simone Karlowski

Liophis jaegeri und Lygophis anomalus zählen zu den klein bleibenden Schlangen der Unterfamilie Dipsadinae und damit zur großen Familie der Nattern (Colubridae). Beide Arten wechselten in der Vergangenheit mehrfach die wissenschaftlichen Namen. So ist Lygophis anomalus u. a. auch als Liophis anomalus bekannt, Liophis jaegeri auch unter Erythrolamprus jaegeri, worunter die Art sogar aktuell wieder von der Reptile Database geführt wird. Im Deutschen werden beide Arten als Goldbauchnattern bezeichnet, Liophis jaegeri genauer als Jägers Goldbauchnatter, Lygophis anomalus als Buntnatter (manchmal werden auch beide Arten als Buntnattern bezeichnet).