Zauneidechsen fühlen sich an Bahngleisen wohl

26. September 2025

Als in Deutschland streng geschützte Art sind Zauneidechsen auf den Erhalt ihrer Lebensräume angewiesen – gerade angesichts rückläufiger Bestände. Sie finden an Bahnstrecken teils ideale Lebensbedingungen, wie eine neue Studie des Museums für Naturkunde Berlin zeigt, deren Ziel es war herauszufinden, wie Zauneidechsen ihre Lebensräume an Bahnstrecken genau nutzen. Dafür statteten die Forscherinnen und Forscher knapp 80 Zauneidechsen an einer Bahnstrecke südlich von Frankfurt (Oder) mit kleinen Sendern aus und beobachteten sie während verschiedener Jahreszeiten in ihrem Lebensraum. „Es war gar nicht so einfach, eine Besenderungsmethode für Zauneidechsen zu finden, bei der die Tiere sich weiter ohne Einschränkung bewegen können“, berichtet Alina Janssen vom Museum für Naturkunde Berlin. „Die Sender dürfen zum Beispiel nicht über die Zauneidechse hinausragen, da sich die Tiere dann leicht damit in der dichten Vegetation verfangen.“ Schließlich wurde eine Methode gefunden, bei der der Sender vorsichtig am Schwanz befestigt werden kann und dann für bis zu drei Wochen den Aufenthaltsort der Eidechse verrät, bevor er von alleine abfällt.

Filigran: Besenderung einer Zauneidechse Foto: A. Janssen

„Die Aktionsräume der Zauneidechse waren im Vergleich zu Studien aus anderen Lebensräumen sehr klein. Manche Eidechsen bewegten sich wirklich nur wenige Meter entlang des Bahndamms“, berichtet Mark-Oliver Rödel, Kurator für Herpetologie am Museum für Naturkunde Berlin. „Das zeigt, dass Zauneidechsen an Bahnstrecken sehr gute Bedingungen vorfinden, da sie auf kleinem Raum alles haben, was sie über das Jahr hinweg benötigen: genügend Insekten als Nahrungsgrundlage, Versteck- und Schlafplätze, Orte zum Sonnen und Möglichkeiten für die Eiablage. Sie können also Energie sparen und müssen sich nicht über weite Strecken bewegen. Dadurch sind sie auch weniger Gefahren durch Fressfeinde ausgesetzt.“ Im Sommer, wenn der Bahnschotter sich durch die Sonneneinstrahlung stark erwärmt, nutzen Zauneidechsen ihn bevorzugt als Schlafplatz, da die Steine nachts am längsten die Wärme halten.

Männliche Zauneidechse in Prachtfärbung Foto: A. Janssen

Für die Zauneidechse ist der sorgsame Umgang mit den verbleibenden Populationen von besonderer Bedeutung. Die genaue Kenntnis der Bewegungsmuster der Zauneidechsen kann nun dabei helfen, Schutzmaßnahmen bei Bauprojekten der Bahn noch besser zu planen.

Literatur
Janssen, A. , M. Staab & M.-O. Rödel (2025): Home ranges of Sand Lizards, Lacerta agilis (Squamata: Sauria: Lacertidae), along railway tracks. – Salamandra 61(2): 240–255.

Dr. Gesine Steiner, Museum für Naturkunde Berlin

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