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Die Schönheit des am südlichsten lebenden Pythons der Welt schlägt jeden Reptilienfreund sofort in ihren Bann. So auch unseren Autor, als er vor Jahrzehnten das erste Mal ein Foto dieser außergewöhnlichen Riesenschlange sah. Seither begleiten diese Tiere ihn. Langjährige Haltung und Nachzucht sind heute keine Zauberei mehr, es gilt aber einige Besonderheiten zu beachten. Text und Fotos von Volker Franz

Den ersten Kontakt mit dem Diamantpython hatte ich im jugendlichen Alter von etwa 17 Jahren, als ich diese wunderschöne Schlange auf einem Bild in einem Buch über Reptilien zum ersten Mal sah. Das abgebildete Exemplar war ungefähr 2 m lang, hing kopf­unter auf einem kleinen Baum und wurde von der Sonne angestrahlt. Seine gelben Punkte auf jeder Schuppe schimmerten und glitzerten wie Diamanten im Licht. Das Bild hatte die Beschreibung „Rautenschlange (Morelia argus) – eine pythonähnliche Riesenschlange Australiens“.
Ich war so sehr von diesem Tier fasziniert, dass es mir nicht aus dem Kopf ging. Es dauerte aber noch einige Zeit, bis ich im Alter von ungefähr 20 Jahren zu meiner ersten Rautenschlange kam. Hierbei handelte es sich um eine Nachzucht aus der Schweiz. Das Tier war erst einige Wochen alt, graubraun und hatte noch nichts mit der wunderschönen Schlange aus meinem Buch gemein. Die Aufzucht des Pythons bereitete keine Schwierigkeiten, aber selbst im Alter von drei Jahren – die Farben waren jetzt Braun mit Weiß und kontrastreicher – sah mein Tier immer noch nicht so aus wie der Rautenpython auf dem Foto meiner Jugend.

Pythons zählen schon immer zu den absoluten Lieblingen der Terrarianer. Völlig zu Recht! Verschiedenste Größen und Lebensweisen, spektakuläre Farben und Muster (natürlich oder herausgezüchtet), spannendes Verhalten – wer sich davon nicht faszinieren lässt, ist selber schuld. von Kriton Kunz

Menschen, die keine Schlangenfans sind, verbinden mit Pythons oft Grusel oder Angstgefühle. Würgeschlangen? Das klingt gefährlich, und im Geiste sehen sich solche Mitmenschen bereits in der tödlichen Umklammerung eines riesigen Monsters.
Wer dagegen Pythons schätzt und sie zu Hause pflegt, betrachtet sie in einem völlig anderen Licht: als herrliche, elegante, kraftvolle, ästhetische Tiere, archaisch und doch hoch entwickelt. Vor allem der Königspython, aber auch Netzpython, Dunkler Tigerpython, Kurschwanzpythons, Rautenpythons und selbst Grüne Baumpythons sind mittlerweile so sehr „Haustier“ geworden, dass bei ihnen in den meisten Fällen sogar die gezielte Zucht bestimmter Farb- und Zeichnungsformen im Fokus steht – also ganz ähnlich wie bei Goldfisch oder Kaninchen.

Wer an Pythons denkt, hat meist sehr kräftig gebaute, große Schlangen vor dem geistigen Auge. Südpythons bieten jedoch ein völlig anderes Bild: natternartig schlank und meist kleiner als eine ausgewachsene Kornnatter. Ihre geringe Größe, vor allem aber das interessante Verhalten und die Tatsache, dass Haltung und Nachzucht nicht schwierig sind, machen die faszinierenden Tiere zu bestens geeigneten Terrarienpfleglingen. von Volker Franz

Die Familie der Pythons (Pythonidae) umfasst derzeit acht Gattungen mit ca. 40 Arten und zahlreichen Unterarten. Eine dieser Gattungen sind die Südpythons (Antaresia) mit vier Arten: Fleckenpython (A. maculosa), Gefleckter Python (A. childreni), Stimson-Python (A. stimsoni stimsoni und A. s. orientalis) sowie Zwergpython (A. perthensis).
Südpythons zeichnen sich dadurch aus, dass ihre Labialgruben, in denen sich die Wärmesinneszellen befinden, von außen nicht sichtbar sind. Diese klein bleibenden Pythons erinnern im Aussehen an Nattern und erreichen eine durchschnittliche Größe von nur einem Meter.

Timorpythons werden trotz ihres attraktiven Äußeren, ihres spannenden Verhaltens und der überschaubaren Größe nur selten gehalten und vermehrt. Unser in Spanien lebender Autor konnte daher nicht auf allzu viele Erfahrungswerte zurückgreifen und tüftelte selbst so lange, bis der Erfolg ihn belohnte. von Joaquin Vidal Oliva (Joaquin Saida)

Der Timorpython (Malayopython timoriensis) stammt von den Kleinen Sundainseln. Er bewohnt Flores, Lomblen, Solor, Pantar, Adonara und möglicherweise auch Lombok, während Nachweise von Timor heute fraglich erscheinen. Weibchen dieser mittelgroßen Art erreichen um 200 cm Gesamtlänge.
Die nachtaktive Art bewohnt offene Wälder und dicht bewachsenes Grasland. In der Natur ernährt sie sich vor allem von ihrer Größe angemessenen Vögeln und Säugetieren, im Terrarium sind die Tiere gute Fresser.

Reptilien kümmern sich nach Eiablage oder Geburt großteils nicht weiter um ihren Nachwuchs. Pythons bilden hier eine der wenigen Ausnahmen. Wie weitreichend die Brutfürsorge beim Südlichen Felsenpython ist, haben Forscher aber erst jetzt herausgefunden. von Krion Kunz

Im Lauf der Evolution entwickelte Anpassungen beim Fortpflanzungsgeschehen können entscheidend zum Überleben einer Art beitragen, beispielsweise den geografischen Lebensraum erweitern, den die sie zu besiedeln vermag. So gilt das komplexe Brutpflegeverhalten von Vögeln und Säugetieren als eine der Ursachen für ihren großen Erfolg.
Bei den ektothermen, also von äußeren Wärmequellen abhängigen Reptilien dagegen ist Brutpflege die Aus­-
nahme. Beispiele für Arten mit hoch entwickeltem Brutpflegeverhalten sind die Krokodile sowie die australischen Stachelschwanzskinke der Gattung Egernia, bei denen die Jungen bis zum Eintritt der Geschlechtsreife – im Fall von E. stokesii fünf Jahre – in der Familiengruppe der Eltern bleiben.