Erhaltungszuchten für bedrohte Tierarten in Zusammenarbeit von privaten Terrarianern und Zoos – das ist das Ziel von Citizen Conservation. Auch die Chinesische Rotbauchunke wird in dem Programm betreut, obwohl sie gar nicht gefährdet ist. Warum? Dafür gibt es gleich drei sehr gute Gründe. von Heiko Werning

Im Jahr 2008 wurde das Projekt Citizen Conservation (CC) von unserem gemeinnützigen Berliner Verein Frogs & Friends, einer Art PR-Agentur für Amphibien, gestartet. Mit dem Verband der Zoologischen Gärten (VdZ) und der Deutschen Gesellschaft für Herpetologie und Terrarienkunde (DGHT) haben wir zwei schlagkräftige Träger gefunden, die bereit waren, mit uns zusammen in einer fünfjährigen Pilotphase zu testen, ob unsere Ideen in der Praxis funktionieren. Schon jetzt kann man sagen: Ja, es klappt. Und deshalb wird CC auch über die Pilotphase hinaus verlängert und agiert ab jetzt als gemeinnützige Citizen Conservation Foundation gGmbH.

Sie zählen wohl zu den interessantesten Froschlurchen überhaupt: die Unken der Familie Bombinatoridae. In der Terraristik besonders bekannt ist ihre farbenfrohste Vertreterin, die Chinesische Rotbauchunke. Auch unsere einheimischen Rotbauch- und Gelbbauchunken gehören zu den sehr bekannten Arten, obwohl ihre Bestände in der Natur zumindest bei uns stark bedroht sind. Die wenigen weiteren Unken-Arten sind weniger prominent, bergen aber sicherlich für die Zukunft noch terraristisches Potenzial. Ein Überblick über eine außergewöhnliche Gattung. von Leandro Bergmann

Eine eigene Familie
Unken sind 4–9 cm große Froschlurche mit semiaquatischer Lebensweise, also halb im Wasser lebend. Besonders auffällig und charmant sind ihre einzigartigen, herzförmigen Pupillen. Sie zählen zu den urtümlichen Anuren (Froschlurchen).
Die meisten Menschen würden Unken als Kröten einordnen. Ein Grund dafür ist ihr Aussehen. Die warzige Haut ist auch ein Merkmal der Kröten. Aber auch die Fortbewegung ist recht ähnlich. Ihr abgeflachter Körperbau unterscheidet sie aber recht gut von diesen.
Eine Eigenheit der Unken ist ihre Art, Rufe zu erzeugen. Während alle anderen Froschlurche rufen, indem sie Luft in ihre Lungen aufnehmen und diese dann beim Ausatmen über die Stimmbänder leiten und durch die Schall­blasen verstärken, machen es Unken genau andersherum: Sie erzeugen ihre Rufe beim Einatmen, zur Verstärkung dient die Lunge selbst, was rufenden Unken ein etwas an einen Blasebalg erinnerndes Aussehen gibt, bei dem die Luft die Körperseiten aufpumpt und dann wieder entweicht. Zur weiteren Verstärkung verfügen einzig Rotbauchunken (Bombina bombina) noch über innere Schallblasen im Kehlbereich.

Die asiatischen Vogelspinnen der Unterfamilie Ornithoctoninae werden umgangssprachlich gerne als Erdtiger bezeichnet. Dieser Namen spielt auf ihre vermeintlich erdbewohnende Lebensweise an. Anfangs, in den 1980er- und 1990er-Jahren, waren nur einige wenige Ornithoctoninae in der europäischen Terrarienhaltung vertreten, die tatsächlich fast ausschließlich bodenbewohnend waren. Seit den 2000er-Jahren gelangten aber stetig neue Arten in die Terraristik, die teils spektakuläre Färbungen und durchaus unterschiedliche Lebensweisen aufwiesen. Seither ist ihre Terrarienhaltung nicht mehr nur den Spezialisten vorbehalten, sondern viele Ornithoctoninae werden heute von weniger spezialisierten Vogelspinnenhaltern gleichermaßen begehrt. von Tobias Hauke

Ich möchte in diesem Artikel die in der Terrarienhaltung vertretene Vielfalt der Vogelspinnen der Unterfamilie Ornithoctoninae vorstellen und anhand dreier ausgewählter Arten insbesondere deren unterschiedliche Lebensweisen näher in den Fokus rücken.

Von Anfang an spielen Spinnen in der Terraristik mit – anfangs eher eine Nebenrolle, mittlerweile eine tragende Hauptrolle. Die Schwerpunkte mögen sich immer einmal wieder verschieben, aber die Faszination bleibt bestehen! von Kriton Kunz

Noch bis vor einigen Jahrzehnten gelangten Vogelspinnen nur sporadisch auf die Listen und in die Becken der Händler, von anderen Spinnen ganz zu schweigen. Liebhaber mussten die Tiere schon selbst von Reisen mitbringen oder viel Geduld bewahren, um Exemplare zu ergattern, insbesondere solche seltener Arten. Wie die Haltung vor allem von Vogelspinnen, aber auch anderer Spinnen dann rasant Fahrt aufnahm, ist unglaublich – davon zeugt allein schon die Tatsache, dass eigene Spinnenbörsen ins Leben gerufen wurden, auf denen Liebhaber ihre Nachzuchten anbieten.
Unzählige Arten der verschiedensten Verwandtschaftsgruppen wurden im Lauf der Zeit privat oder kommerziell importiert, erfolgreich gehalten, nachgezüchtet und im Hobby verteilt. In einigen Fällen gehen sämtliche weltweit in der Terraristik vorhandenen Individuen einer Art auf ein einziges trächtig eingeführtes Weibchen oder einige wenige Exemplare zurück, ohne dass es zu schwerwiegenden Inzuchterscheinungen gekommen wäre. Für dieses Hobby ist es also zumindest in vielen Fällen keineswegs nötig, große Mengen der Natur zu entnehmen, sondern ein paar gesammelte Tiere reichen völlig aus.

Ob im Terrarium zu Hause oder bei Reisen unterwegs – wohl jeder ambitioniertere Fotograf unter den Terrarianern würde gerne mal fluoreszierende Skorpione so ablichten, wie man sie nachts bei Exkusionen mit der UV-Lampe sieht. Benny Trapp ist professioneller Naturfotograf. Im Gespräch mit REPTILIA-Redakteur Heiko Werning verrät er, wie man mit einer normalen digitalen Spiegelreflexkamera eindrucksvolle Bilder von „Leuchtskorpionen“ hinbekommt. von Heiko Werning

REPTILIA: Wohl jeder Terrarianer ist fasziniert von den Bildern nachts fluoreszierender Amphibien und Reptilien. Am bekanntesten und besonders auffällig ist dieser Effekt ja bei Skorpionen. Was gibt es zu beachten, wenn man solche Bilder auch einmal schießen möchte, zum Beispiel, wenn man im Urlaub in Süd­europa oder anderswo unterwegs ist?

Der Palmatogecko (Pachydactylus rangei) ist an sich schon ein einzigartiger Gecko. Neben seinen charakteristischen Augen und der nahezu transparenten Haut besitzt er als einzige Geckoart „Schwimmhäute“ zwischen den Zehen aller vier Füße, die ihm auch den Namen „Schwimmfußgecko“ eingebracht haben. Nun kommt eine weitere bemerkenswerte Eigenart hinzu. von David Prötzel

Die „Schwimmhäute“ des Palmatogeckos sind eine Anpassung an sein Leben in den Sanddünen der Namib-Wüste. Sie ermöglichen ihm, auf besonders effiziente Art im lockeren Sand zu graben (Russell & Bauer 1990). Ihr besonderes Erscheinungsbild und das aktive Verhalten machen den Pal­matogecko zu einem interessanten Terrarienbewohner. Versuchshalber leuchtete ich meine Tiere im Terrarium mit einer UV-Lampe an – und sie strahlten fast schon grell zurück. Um die Augen und entlang der Flanken zeigen die Geckos eine starke neongrüne Fluoreszenz.

Biologische Entdeckungen kann man mittlerweile nicht nur in der Natur machen, sondern auch beim Surfen im Internet – die Zeiten ändern sich! So stießen unser Autor und seine Kollegen von der Zoologischen Staatssammlung München bei einer Fotocommunity auf ein Bild von Paul Bertner, das die kleine, unscheinbar gefärbte madagassische Chamäleonart Calumma gastrotaenia unter zusätzlicher UV-Beleuchtung zeigte. Das eigentlich einheitlich grün gefärbte Tier hatte nun blaue Punkte hinter dem Auge, die die Forscher in dieser Form noch nie gesehen hatten – der Auftakt zu einer aufregenden Entdeckung! von David Prötzel

Von dem überraschenden Internetfoto neugierig geworden, beleuchteten wir die in Alkohol gelagerten Chamäleons der Zoologischen Staatssammlung München und entdeckten tatsächlich bei vielen Arten fluoreszierende Muster im Kopfbereich. Erdchamäleons der Gattung Brookesia fluoreszieren sogar entlang des ganzen Körpers. Der Effekt ist nicht mehr sichtbar bei Exemplaren, die länger als 20 Jahre gelagert waren, und natürlich am eindrucksvollsten bei lebenden Tieren. So konnte ich auch bei meinem zu Hause gepflegten Pantherchamäleonmännchen einen beeindruckenden fluoreszierenden „Kranz“ am Kopf erkennen.

„Frosch leuchtet im Dunkeln”, „Chamäleons mit Disco-Effekt“ oder auch „Geckos leuchten unter UV-Licht neongrün“ – in letzter Zeit überschlugen sich geradezu die Meldungen über die Entdeckung fluoreszierender Reptilien- und Amphibienarten. Bis vor wenigen Jahren war das Phänomen der Biofluoreszenz fast ausschließlich von marinen Organismen bekannt. Nun zeigt sich, dass es viel weiter verbreitet ist als angenommen. von David Prötzel

Zahlreiche Korallen und Schwämme erscheinen unter Blaulicht gelb oder auch rot, was dank neuer LED-Technik in Aquarien eindrucksvoll in Szene gesetzt werden kann. Kürzlich wurde Fluoreszenz sogar bei über 180 Knochenfischarten (Sparks et al. 2014) und zwei Haiarten nachgewiesen. Im Rahmen dieser Untersuchungen wurde auch die Fähigkeit, zu fluoreszieren, des Panzers einer Schildkröte, der Echten Karettschildkröte (Eretmochelys imbricata), entdeckt.

Spätestens seit Corona ist uns der eigene Garten mit seinem Erholungswert und als Oase der Ruhe wichtiger denn je. Und da gibt es eben Standardgärten und es gibt Gärten der Superlative! Einen solchen hat sich der Amphibienfan Bernhard Pellkofer erschaffen. Gekrönt hat er ihn mit dem Bau eines Schwimmteichs – in dem nicht nur seine Besitzer, sondern auch reichlich Molche herumschwimmen, nebst anderen Tieren und Pflanzen. von Agnes Wilms & Bernhard Pellkofer

Der Schwimmteich von Bernhard Pellkofer erfüllt einen Doppelnutzen. Er wurde nicht nur für sportliche Aktivitäten und zur Abkühlung im Sommer angelegt, er birgt auch einige herpetologische Schätze.

Die Terrarienabteilung im Aquarium des Kölner Zoos gehört zu den größten und artenreichsten Amphibien- und Reptilien-Schauanlagen in Deutschland. 2021 wurde diese wegweisende Einrichtung 50 Jahre alt. Sie steht für Umweltbildung, Artenschutz und hat dabei stets auch Kooperationen mit Partnern vor Ort, Behörden und privat (Citizen Conservation) aufgebaut. Kurator Thomas Ziegler und seine Mitarbeiter Anna Rauhaus und Christian Niggemann haben in der vergangenen REPTILIA-Ausgabe (Nr. 152, Dezember 2021) bereits die Geschichte und die Schau vorgestellt sowie einen Blick hinter die Kulissen geworfen. Im abschließenden vierten Teil berichten sie von ihren Artenschutzprojekten und geben einen vollständigen tabellarischen Überblick über die gepflegten Arten. von Thomas Ziegler, Anna Rauhaus & Christian Niggemann

Beschlagnahmungen
Kann man, wie im dritten Teil dieser Artikel-Reihe beschrieben, beschlagnahmte Körperteile bedrohter Arten oder daraus hergestellte Produkte nur noch identifizieren und danach, bei fehlenden Unterlagen über den rechtmäßigen Erwerb, aus dem Verkehr und den Käufer bzw. Verkäufer zur Verantwortung ziehen, so ist das bei lebenden Tieren anders. Hier muss schneller gehandelt werden. Die Artzugehörigkeit muss identifiziert und die Tiere selbst müssen aufgefangen und nicht selten erst wieder gesund gepflegt werden, bevor sie dauerhaft übernommen oder an eine passende Haltung weitervermittelt werden können. Im besten Fall können Tiere so nicht nur als Individuen gerettet werden, sondern auch durch ein darauf aufbauendes Erhaltungszuchtprogramm dem Artenschutz dienen. Hier sind insbesondere genetische Analysen extrem hilfreich, und zwar nicht nur bei der Identifizierung beschlagnahmter Arten – in den seltensten Fällen liegen ja (verlässliche) Informationen zu Art bzw. Herkunft vor –, sondern auch bei der Zuordnung zu genetischen Linien bzw. Regionen im Herkunftsgebiet. Und dieses Wissen ist eine Grundvoraussetzung für ein Erhaltungszuchtprogramm bzw. für spätere Rückführungen der Tiere bzw. ihrer Nachzuchten, wenn es sich nicht gerade um Mikroendemiten handelt, die ohnehin nur von einer Stelle bekannt sind.