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Boas zählen zu den Evergreens der Terraristik. Heute gelingt sogar die Nachzucht solcher Spezies, die sich bis vor einiger Zeit nicht einmal langfristig halten ließen. Auch die Erhaltungszucht bedrohter Arten und Unterarten gewinnt an Bedeutung. von Kriton Kunz

Boa constrictor ist wohl der einzige wissenschaftliche Name einer Schlange überhaupt, der selbst Laien ein Begriff ist. Er steht im Mainstream schon immer stellvertretend für Exotik, Gefahr aus dem Hinterhalt, eine „Würgeschlange“ mit gewaltiger Kraft – ein sehr schräges Bild dieser Art und ihrer Boa-Verwandtschaft, das sich da im öffentlichen Bewusstsein etabliert hat.

Die Gartenboa ist, wie der bekanntere Hundskopfschlinger, eine faszinierende baumbewohnende Riesenschlange mit breitem Farbspektrum. Unser Autor pflegt und züchtet diese Art seit über 30 Jahren. Die Bilanz einer Jahrzehnte währenden und bis heute nicht erloschenen Leidenschaft. von Volker Franz

Die Gartenboa wurde 1758 von Linnaeus als Corallus hortulanus beschrieben und durchlief einige nomenklatorische Änderungen in den letzten Jahrzehnten, von Boa enydris bis Corallus enydris, um nur einige zu nennen. Lange Zeit wurde sie dann wieder als Corallus hortulanus bezeichnet. Ein genauerer Blick auf die sprachlichen Gepflogenheiten von Linnaeus allerdings zeigte jüngst (Frétey 2019), dass die bisherige Lesart, das Artepitheton „hortulanus“ sei als Adjektiv zu verstehen und müsse daher im grammatischen Geschlecht an das zugehörige Nomen „Corallus“ angepasst, also mit männlicher Wortendung „-us“ verwendet werden, falsch ist. Vielmehr hatte Linnaeus bei seiner Benennung den Artnamen über seine Schreibweise ausdrücklich als Substantiv definiert, und des Erstbeschreibers Wille ist nach den Gesetzen der zoologischen Nomenklatur nun einmal sein Himmelreich. Der tatsächlich gültige Artname lautet daher Corallus hortulana. Diese Auffassung ist auch prompt z. B. von der renommierten „Reptile Database“ übernommen worden (Uetz et al. 2020).

Die Zucht von Farbformen bei Regenbogenboas steht noch ganz am Anfang. Bislang sind erst sehr wenige Morphen beschrieben worden, und bei einigen ist noch nicht überprüft, ob sie erblich sind. Unserem tschechischen Autor gelang es, gleich mehrere Regenbogenboas mit Farbmutationen aufzuziehen, und somit begann seine Spezialisierung auf die Zucht dieser wunderschönen Schlangen. von Jaroslav Gilar

Früher galten sie noch als Unterarten: Epicrates cenchria cenchria und E. c. maurus. Inzwischen hat sich aber herausgestellt, dass es sich bei der Brasilianischen oder Roten Regenbogenboa (Epicrates cenchria) und der Kolumbianischen oder Braunen Regenbogenboa (Epirates maurus) um eigenständige Arten handelt. Da ich beide Spezies und auch Hybriden zwischen beiden Arten pflege, musste ich die Bedingungen für die Zucht so auswählen, dass sie die Ansprüche beider Formen erfüllen. Die Tagestemperatur liegt bei ungefähr 29 °C, nachts gehen die Werte um etwa 2–3 Grad zurück. Die relative Luftfeuchtigkeit halte ich im Bereich von 75–80 %. Zwölf Stunden täglich sind Beleuchtung und Heizung eingeschaltet.