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Amerikanische Erdschildkröten
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Aus der Gattung Rhinoclemmys ist in der Terraristik vor allem die Pracht-Erdschildkröte (R. pulcherrima) etabliert. Die Amerikanischen Erdschildkröten umfassen jedoch noch etliche weitere, teils hochattraktive Arten – mit Kolumbien als einem Hotspot ihrer Diversität, wie unser dort heimischer Autor zu berichten weiß. von Jorge Cañas-Orozco

In der Mythologie des Hinduismus ruht die Erde auf vier Elefanten, die von einer Schildkröte getragen werden. Ganz ähnlich verhält es sich in der Tradition einiger Stämme der nordamerikanischen Ureinwohner, nur dass der Planet hier direkt auf dem Panzer des Reptils ruht. Die japanische Mythologie wiederum gibt nicht der Erde, sondern dem Paradies der Unsterblichen einen Platz auf der Schildkröte. Ähnliche Geschichten entstanden im Lauf der Zeiten rund um den Globus.

Sie sind die Erdferkel unter den Schildkröten – und gleichzeitig perfekte Terrarientiere für Freunde terrestrisch lebender Schildkröten, die keine Freilandanlagen besitzen. Dabei haben Amerikanische Erdschildkröten der Gattung Rhinoclemmys bisher leider zu wenig Aufmerksamkeit in der Terraristik erhalten. Weil sie zu häufig und zu billig angeboten werden – oder gar nicht. von Stephan Ettmar

Erdschildkröten der Neuen Welt werden taxonomisch in der Gattung Rhinoclemmys zusammengefasst. Sie gehören stammesgeschichtlich zu den Altwelt-Sumpfschildkröten (Geoemydidae), die ihren Verbreitungsschwerpunkt sonst eigentlich in Südostasien haben. Innerhalb dieser Familie werden sie jedoch als eigene Subfamilie angesehen, die nicht näher mit den in der Alten Welt vorkommenden Arten verwandt ist. Sie bilden also sozusagen das Gegenstück zu den Europäischen Sumpfschildkröten (Emys sp.), welche die einzigen Vertreter der Neuweltlichen Sumpfschildkröten (Emydidae) in der Alten Welt sind.

Während Rhinoclemmys pulcherrima manni regelmäßig importiert und häufig gehalten wird, ist die Nominatform der Pracht-Erdschildkröte nur selten bei uns in menschlicher Obhut zu finden. Dabei sind die kleinen landbewohnenden Schildkröten ebenso gut zu halten und zeigen eine besonders attraktive Zeichnung. von Cedric Godart

Im März 2018 hatte ich das Glück, ein adultes Pärchen der Guerrero-Prachterdschildkröte von einem Importeur zu erhalten, der die Tiere erst kurz zuvor aus Mexiko nach Europa gebracht hatte. Ich bin sicherlich kein Freund von Wildfängen, jedoch war es schon seit Jahren ein Traum, diese schön gefärbten und damals in Europa nicht erhältlichen Erdschildkröten zu meinem Bestand zählen zu dürfen. Leider gibt es in Europa so gut wie keine Züchter dieser seltenen Unterart, und somit dient das angebotene Zuchtpaar als wichtiger Grundstein für die Erhaltung im europäischen Hobby. Zu meiner Freude verlief die Umgewöhnung zur Terrarienhaltung recht schnell und problemlos, und so wurde ich sehr bald mit den ersten Eiern und Nachzuchten belohnt.