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Tagaktive Zwerggeckos
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Conraus Taggeckos
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Nord-Italien

Der Blaue Zwergtaggecko, Lygodactylus williamsi, ist nicht der einzige hochattraktive Vertreter seiner Gattung. In den letzten Jahren ist sein ebenso leuchtend gefärbter Verwandter L. conraui in den Handel gekommen, offenbar als Ersatz für die inzwischen geschützten blauen Verwandten. Droht mit dieser Art nun wieder die Gefahr der Gefährdung durch den Handel? Zum Glück wohl nicht. Ein Blick in die Verbreitungsgebiete – und in die Terrarien. von Beate Röll

Als farbenprächtigster Vertreter der Gattung Lygodactylus gilt der Türkisblaue Zwergtaggecko (L. willamsi). Aber eigentlich steht ihm Conraus Zwergtaggecko (L. conraui) in Sachen Erscheinungsbild in nichts nach: Männchen haben einen bläulich grünen Rücken, einen leuchtend gelben Kopf und gelben Schwanz. Die Weibchen sind ebenfalls grün, aber in der Regel nicht so leuchtend gefärbt wie die Männchen, sondern etwas dunkler.
Lygodactylus conraui ist beträchtlich kleiner als L. williamsi; er hat nur eine Kopf-Rumpf-Länge von 2,7 bis 3 cm bei einer Gesamtlänge von ca. 6 cm und gehört damit nicht nur zu den kleinsten Lygodactylus-Arten, sondern auch zu den kleinsten Gecko-Arten Afrikas.

Der Türkisblaue Zwergtaggecko wurde plötzlich zum Shootingstar der Terraristik. Leider drohten die Massenimporte, die Art mit dem sehr kleinen Verbreitungsgebiet ernsthaft zu gefährden. Inzwischen ist sie streng geschützt – aber noch keineswegs gerettet, denn die Lebens­raumzerstörung geht weiter. Umso wichtiger ist es nun, die Terrarienpopulation zu erhalten. Für die Weitergabe von Nachzuchten braucht man nun aber eine Genehmigung, und für diese müssen die Tiere eindeutig wiedererkennbar sein. Zum Glück ist das durchaus möglich, wie unsere Autorin herausgefunden hat. von Beate Röll

Der Türkisblaue Zwergtaggecko ist der farbenprächtigste Vertreter der Gattung Lygodactylus. Er wurde 1952 von Arthur Loveridge als „turquoise-blue gecko” beschrieben: auf einer einzigen Seite und anhand eines einzigen männlichen Exemplars. Lange Jahre blieb diese Art aus Tansania der Öffentlichkeit mehr oder weniger unbekannt, bis im Jahre 2002 in einem Feldführer über ostafrikanische Reptilien Fotos zu finden waren: ein türkisblaues Männchen und ein bronzefarben-grünliches Weibchen (Spawls et al. 2002). Wenige Jahre später tauchte die Art in der Terraristik auf, hier oft als Himmelblauer Zwergtaggecko bezeichnet. Offenbar wurden ungefähr seit 2006 Tiere in größerer Anzahl aus Tansania exportiert.

Wenn man den Begriff „tagaktive Geckos” hört, denkt man zuallererst an die Gattung Phelsuma, deren Vertreter aufgrund ihrer prachtvollen Färbung schon lange in der Terraristik höchst beliebt sind. Aber auch andere tagaktive Geckos sind den meisten Geckokennern ein Begriff, wie z. B. die teilweise winzigen Kugelfingergeckos aus der Gattung Sphaerodactylus, hübsch gezeichnete Geckos aus der Gattung Gonatodes – oder eben die zahlreichen Arten aus der Gattung Lygodactylus. Und die sind einen näheren Blick unbedingt wert! von Beate Rölll

Die tagaktiven Geckos der Gattung Lygodactylus sind auch unter dem Namen Zwergtaggeckos bekannt, obwohl die Bezeichnung „Zwerggecko”, speziell im Vergleich mit den Kugelfingergeckos, gar nicht unbedingt auf alle Arten zutrifft. Die kleinsten Arten haben eine Kopf-Rumpf-Länge von knapp 3 cm, die größten Arten erreichen stattliche 5 cm. Der Schwanz ist etwa so lang wie Kopf und Rumpf zusammen oder oft sogar etwas länger, sodass die Gesamtgröße der Tiere zwischen 6 und 10 cm liegt. Eine andere populäre Bezeichnung für die Gattung Lygodactylus lautet „Haftschwanzgeckos”. Das klingt nicht besonders gefällig, trifft aber zu. Denn alle Arten haben zusätzlich zu ihren Haftzehen ein Haftorgan unter der Schwanzspitze. Und das besteht – genau wie die Haftzehen – aus meist paarig angeordneten Haftschuppen. Ein netter Spitzname lautet kurz und knapp „Lygos”, eine Bezeichnung, die an das französische „les Lygodactyles” erinnert. Im Englischen heißen sie einfach „dwarf geckos “ (Zwerggeckos).