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Titelthema
Nordamerik. Kleinleguane
Reportage
Moderne Zooanlagen
Terrarienhaltung
Östliche Eidechsennatter
Reise
Südliches Afrika

Die Western Fence Lizard, der Westliche Zaunleguan, ist eine häufige Erscheinung in seinem Lebensraum. Er gilt als Kulturfolger, obwohl es eher der Mensch ist, der sich in seinem Lebensraum ausbreitet. Aber dieser Stachelleguan hat es hervorragend verstanden, die veränderten Bedin­gungen für sich zu nutzen – und profitiert sogar davon. Sein neuer Mitbewohner, REPTILIA-Layouter Mirko Barts, berichtet aus der Nachbarschaft. von Mirko Barts

Sceloporus occidentalis longipes ist ein kleiner nordamerikanischer Stachelleguan mit einer Kopf-Rumpf-Länge von maximal 8,7 cm. Stark gekielte Schuppen bedecken seinen Körper. Kräftige Gliedmaßen befähigen ihn, auf ziemlich allen Untergründen Halt zu finden und senkrecht emporzuklettern.

Neuanfang in Kalifornien
Im September 2014 zogen wir vom kalten Berlin in ein Haus in San Diego in Kalifornien, in der Nähe der Innenstadt. Das Wohngebiet liegt auf dem Gipfel eines kleinen Hügels. Dort stehen typische amerikanische Doppelhäuser mit kleinen Gärten. Unser damaliges Haus lag am Ende dieser Hausreihe und hat somit auf einer Seite direkten Kontakt zum benachbarten Canyon. Auch nach hinten hinaus geht es bergab. Die gesamte Wohnanlage wird von Gärtnern gepflegt und natürlich auch mit automatischen Sprinkleranlagen gewässert. Die andere Seite des Canyons wird der Natur überlassen, soweit man das in einem städtischen Gebiet überhaupt sagen kann. Wenige Yuccas, Eispflanzen (Carpobrotus sp. aus Südafrika) und kleinere Büsche wachsen dort.

Die kleinen Taubleguane aus den weißen Gipsdünen der berühmten White Sands in New Mexico sind ein Musterbeispiel für ökologische Anpassung. Während Holbrookia maculata überall sonst in ihrem Vebreitungsgebiet beigebraun ist, wirken die White-Sands-Tiere wie ausgebleicht. Im weißen Sand sind sie damit bestens getarnt und konn­ten diesen exklusiven Lebensraum für sich erschließen. Doch auch im Terrarium geben sie dankbare Pfleglinge ab. von Joschka Schulz und Jean-Louis Plazanet

Persönlich verbindet mich, den Erstautor, viel mit diesen besonderen Kleinleguanen. Ich war schon seit vielen Jahren von dieser Echse begeistert, seit ich das erste Mal ein Bild von ihr im Internet gesehen hatte. Ab diesem Zeitpunkt war es ein großer Traum, die „bleached lizards“, so ihr amerikanischer Name, einmal im Terrarium pflegen zu können.
Das größte Problem bestand darin, dass diese Echsen nie in europäischen Terrarien verbreitet waren. Man konnte sie sich also nur auf sehr umständlichem Weg offiziell aus den USA beschaffen.

Systematik
Die Gattung Holbrookia umfasst fünf Spezies, die zur Familie Phrynosomatidae gehören. Der Kleine Taubleguan, Holbrookia maculata, ist derzeit mit acht Unterarten beschrieben (siehe Reptile Database, Stand: Mai 2018). Je nach Literatur ist die Systematik aber recht undurchsichtig.  Nur eine Unterart ist weiß: Holbrookia maculata ruthveni. Der Bleiche Taubleguan wurde zu Ehren des Präsidenten der Universität von Michigan, Alexander Grant Ruthven (1882–1971), benannt. Die Erstbeschreibung erfolgte 1943 durch Smith.

Mal wieder ein kleiner nordamerikanischer Leguan, der aus dem heutigen Rampenlicht der Terraristik gestoßen wurde. Bei wenigen noch ein gefeierter Klassiker, wartet der Seitenfleckleguan heimlich und geduldig auf sein Comeback auf der großen Bühne. Denn die Beschäftigung mit den kleinen Kerl­chen lohnt unbedingt: Sie sind hübsch, zeigen ein interessantes Verhalten und sind aufgrund ihrer geringen Größe sehr gut im Zimmerterrarium zu halten. von Joschka Schulz

Ich selber pflegte schon vor vielen Jahren einen Seitenfleckleguan, er war sogar meine zweite Echse überhaupt. Damals als „Kumpel“ für meine Krötenechse eingesetzt, turnte „Gerda“, das Seitenfleckleguanweibchen, munter in meinem Terrarium umher. Heute sind Seitenfleckleguane kaum noch zu erhalten. Auf Messen sind die Tiere fast ganz verschwunden, und wenn Wildfänge angeboten werden, sind es meist nur adulte Männchen, die es aufgrund der geringen Lebenserwartung der Tiere leider selten lange im Terrarium machen. Daher entschied ich mich nach mehreren fehlgeschlagenen Anläufen zu einem privaten Import von vier Tieren mit bekanntem Fundort.

Sie sind der Inbegriff von Echsen in Nordamerika. Selbst unbefangene Touristen begegnen ihnen fast zwangsweise beim Besuch der Nationalparks in den USA oder der Ruinenstätten in Mexiko. Aber auch in der Terraristik gehören die Kleinleguane aus der Familie Phrynosomatidae zu den Klassikern, ohne je den ganz großen Boom erlebt zu haben. Eine kleine Übersicht über eine höchst erfolgreiche Gruppe, die trotzdem immer etwas im Schatten steht. von Heiko Werning

Ganz gleich, ob man an einer kalifornischen Strandpromenade den Surfern zuschaut, durch die Canyons in Utah wandert oder die altehrwürdigen Ruinen von Teotihuacán bei Mexico City besucht: Sie sind immer da. Meist unbemerkt hocken Nordamerikanische Kleinleguane der Familie Phrynosomatidae auf Mauern, an Palmen oder auf Felsen und beobachten aufmerksam ihre Umgebung. Sie sind überwiegend recht klein und gut getarnt, farblich und in der Zeichnung ihrer meist braungrauen Umgebung bestens angepasst. So laufen sie häufig etwas unterhalb der Wahrnehmungsgrenze von Menschen. Dabei sind viele Arten echte Kulturfolger, die vom Menschen sogar profitiert haben, weil sie in seiner Nähe gut leben können. Zaunpfähle und Mauern sorgen für neue Habitate in strukturarmen Lebensräumen, Schutt und Ruinen für Versteckplätze, Vorräte und Abfälle für gute Futterquellen. Es ist wohl auch diese Anpassungsfähigkeit, die dafür sorgt, dass viele Kleinleguane sehr gute Terrarienpfleglinge abgeben. Doch auch in dieser Echsengruppe gibt es echte Spezialisten, und selbst die häufigsten Arten überraschen mit ausgeklügelten Strategien und packenden Verhaltensweisen. In jedem Fall lohnen sie eine nähere Betrachtung.