von Ralf Czybulinski

Am 28. Mai 2016 wurde sie einfach in einem Karton vor die Tür der Schildkrötenauffangstation Dorsten abgelegt – die kleine Tunesische Landschildkröte „Beule“. So taufte sie später meine Frau, als sie das Tier ein paar Wochen später im Quarantänebecken der Station zum ersten Mal sah. Die quirlige kleine Landschildkröte eroberte sofort ihr Herz und ich wusste: Ich muss mal wieder ein neues Gehege bauen, aber nicht wie all die Jahre zuvor für Köhlerschildkröten, Chelonoidis carbonarius. Nein, diesmal musste es ein Gehege für eine Testudo graeca nabeulensis sein.
Für den Anfang bekam sie allerdings erst ein Terrarium mit 200 x 60 cm Grundfläche – für die kalte Jahreszeit. Doch natürlich war klar, dass die Schildkröte in den warmen Monaten ein Freilandterrarium bekommen sollte, das zusätzlich mit einem hellen und warmen Schutzhaus ausgestattet werden musste.

von Mario Herz

Erste Nachzuchterfolge bei Europäischen Landschildkröten glückten bereits Ende der 1950er-Jahre (Zoo Dresden 1958, 1959; mdl. Mittlg. Rieck [Berlin]). Weitere Zuchtberichte gab es in den darauffolgenden Jahren u. a. von Stemmler-Gyger (1963), Rück (1965), Kirsche (1967), Löffler (1973), Heimann (1987a, b, 1988) und Berndt (1988). Die Vermehrung von Reptilien scheiterte in den frühen 1930er- bis 1960er-Jahren oftmals an den ungenügenden Inkubationsbedingungen (Klingelhöffer 1931).

Die zu jener Zeit verfügbare Fachliteratur beschäftigte sich überwiegend mit der erfolgreichen Haltung. Obst & Meusel (1968) beschrieben die Nachzucht gar als das bisher heikelste Kapitel der Schildkrötenpflege. Schildkröten galten im Allgemeinen bis Anfang der 1970er-Jahre als schwer zu vermehren (u. a. Sachsse 2000). Rudloff (1990) wies darauf hin, dass lediglich 8 % der damals 220 Schildkrötenarten in menschlicher Obhut vermehrt wurden.

Erfreulicherweise hat sich die Sachlage inzwischen gravierend zum Positiven geändert. Seit einigen Jahrzehnten sind wir in der Lage, Schildkrötenarten für die Heimtierhaltung zu erhalten und über Generationen hinweg nachzuzüchten (z. B. Kirsche 1984; Heimann 1992, 2000, 2016).

von Andreas S. Hennig

Zweifelsohne sind Schildkröten die Sympathieträger unter den Reptilien. Weitaus schwerer haben es Echsen oder gar Schlangen. Aber selbst unter den Schildkröten gibt es Unterschiede – aus unserer rein subjektiven Sicht: Landschildkröten sind unschlagbar die Favoriten. Sie faszinieren nicht nur eingefleischte Terrarianer, sondern auch jene Personen, die sich nicht über den „Heimtier-Status“ hinaus mit Tieren beschäftigen oder sogar rein gar nichts mit Tierhaltung am Hut haben.

von Michael Richter

Die Steppenschildkröte (Testudo horsfieldii), auch bekannt als Vierzehen-Landschildkröte oder Russische Landschildkröte, ist eine eher unscheinbare europäische Landschildkrötenart. Ihr Panzer ist blassgelb bis leicht oliv gefärbt und weist nur eine verwaschene, schwarze Fleckenzeichnung auf.
Obgleich sie in der Vergangenheit noch in größeren Stückzahlen importiert wurde, ist sie nicht so häufig in den Liebhaberbeständen zu finden wie die allseits bekannte und beliebtere Griechische Landschildkröte, Testudo hermanni. Letztere entspricht doch mehr dem klassischen und weit verbreiteten Bild einer Schildkröte.