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Titelthema
Das südliche Frankreich
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Land der Perleidechsen
Neue Arten
Neu beschriebene Amphibien
Zucht
Wüstenkrötenechsen

Die Mittelmeerküste östlich der Rhone ist das größte Sorgenkind des französischen Naturschutzes, ein von Industrie, Spekulation, Bauwut, Tourismus und Verschmutzung bis zum Kollaps gestresstes Ökosystem. Initiativen dagegen stoßen meist noch auf Ablehnung, da finanzielle Interessen im Vordergrund stehen. Doch Umweltschützer finden immer mehr Anhänger. Und es gibt wahrlich Gründe genug, diese einmalige Landschaft und ihre Bewohner zu erhalten. von Martin Dieckmann

Seit den 1990er-Jahren bestehen gesetzliche Grundlagen zum Erhalt von Frankreichs Küsten. Für den zumindest punktuellen Schutz der einst reichen Tier- und Pflanzenwelt des Mittelmeers gründete man bereits 1963 den Nationalpark Port Cros, der diese urtümliche Hyèrische Insel mit ihrem Küstensockel umfasst.
Von Italien kommend, bietet die Côte nur wenige Naturerlebnisse. Der Autoverkehr beherrscht das Bild. Dann wird die Straße schmaler und umkurvt den Esterel, ein vor 300 Mio. Jahren durch vulkanische Tätigkeit entstandenes Porphyrmassiv mit dem Gipfel Mont Vinaigre (618 m). Zwischen Fréjus und Hyères ist die Küste außerordentlich reizvoll. Der Südabhang des Mauren-Massivs ist mit wunderschönen Buchten, zerklüfteten Felsen, großen Sandstränden und einer oft geradezu atemberaubenden Aussicht gesegnet.

Die Hyères-Inseln
Die Hyères-Inseln sind für jeden, der naturnahe Inselromantik und Stille sucht, ein lohnendes Ausflugsziel. Der Archipel war einst mit dem Mauren-Massiv verbunden und liegt rund 30 km von Giens entfernt. Porquerolles ist mit einer Länge von 7 km und 1.250 ha die größte der drei Hauptinseln. Mit ihren weiten Buchten und langen Sandstränden erschien sie geradezu ideal, um in ein „Urlaubs­paradies“ verwandelt zu werden. Glücklicherweise schob der Staat dem bereits 1972 einen Riegel vor und stellte die ganze Insel unter Aufsicht des Nationalparks Port-Cros.
Mehrere Wanderwege umrunden und durchqueren die Insel. Es gibt immer was zu sehen, vor allem die zerklüftete Steilküste zur Meerseite bietet viele Fotomotive. Die Artenzahl der Herpetofauna hält sich allerdings in Grenzen. An einem sonnigen Tag konnten nur Mauereidechsen (Podarcis muralis merremius) gefunden werden. Nachgewiesen ist zumindest noch die Treppennatter (Rhinechis scalaris), und die Perleidechse (Timon lepidus) wurde neben dem Mauergecko (Tarentola mauritanica) auch schon gesichtet.
Port-Cros ist etwa halb so groß, ragt jedoch höher aus dem Meer: Der Nationalpark erstreckt sich neben dem Landteil auch über rund 1.200 ha Meer. Außer dem ehemaligen Fischerdorf am Hafen ist die Insel unbesiedelt. Ein Pflanzenlehrpfad wurde an der Küste angelegt, ein historischer Weg führt an alten Bastionen und Forts vorbei, an dessen Wänden und Mauern sich gut Podarcis muralis beobachten lassen, die größer sind und anders als auf dem Festland gefärbt. Sie stehen sicherlich für eine Population, die vielleicht schon seit Jahrtausenden isoliert lebt. Der auf der Insel heimische nacht- und dämmerungsaktive Europäische Blattfingergecko (Euleptes europaea) und der Sardische Scheibenzüngler (Discoglossus sardus) kommen auf dem französischen Festland nicht vor. Wohl auf dem ganzen Archipel verbreitet ist der Europäische Halbfingergecko (Hemidactylus turcicus), der sich vor allem in Küstennähe aufhält...

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Das Hinterland des südlichen Frankreichs wird nicht so oft von Touristen aufgesucht wie das Küstengebiet. Doch findet man hier noch urtümliche Flusslandschaften, eindrucksvolle Schluchten und eine vielfältige Pflanzen- und Tierwelt, die einen besonderen Reiz ausüben. von Martin Dieckmann

Es gibt viel zu sehen im südfranzösischen Hinterland, und es ist unmöglich, auch nur ansatzweise alles Sehenswerte für den Naturfreund aufzuzeigen. Ich beschränke mich daher auf einige Gebiete, in denen ich selbst Wanderungen unternommen habe. Aber zuerst möchte ich kurz auf die Waldbrände zu sprechen kommen, mit denen man immer wieder konfrontiert wird. Gerade das Hinterland leidet darunter besonders, im Sommer können die Feuer ganze Landstriche in Schutt und Asche legen. Im Mauren- und Esterel-Massiv sind gefährdete Gebiete bei Mistral oder großer Trockenheit gesperrt. Es muss nicht unbedingt gezielte Brandstiftung sein, schon ein glimmender Zigarettenstummel oder eine Glasscherbe können eine Katastrophe auslösen und jahrhundertealte Baumbestände vernichten. Das gilt natürlich auch oder sogar vor allem für die Inseln. Das Rauchverbot außerhalb des Dorfes auf Port-Cros ist also keine Schikane.

Naturpark Luberon
Der Regionale Naturpark Luberon ist nicht nur eine interessante Fossillagerstätte. Farbenprächtige Ockerbrüche, Lavendelfelder, Zedernwälder, malerische Dörfer und geheimnisvolle Bories (aus Steinmauern errichtete Hütten) sind nur einige Höhepunkte dieser Region. Die wunderschöne Gegend gehört zu den exklusivsten Zweithausregionen der Provence. Ein Drittel der steuerzahlenden Grundbesitzer sind Deutsche, Belgier und Schweizer (Schnieper & Schnieper 1998). Der Regionalpark ist für Pflanzenliebhaber eine Fundgrube.
Ungefähr 1.500 höhere Pflanzen­arten wurden registriert, darunter zahlreiche mediterrane Arten und Raritäten. Die Vielfalt ist den Höhendifferenzen, dem unterschiedlichen Mikroklima sowie der noch häufig extensiv betriebenen Landwirtschaft zu verdanken. So wurden auf dem Luberon zahlreiche Orchideenarten gezählt, darunter Schönheiten wie Bertolonis Ragwurz oder Purpur-Knabenkraut..

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