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06.11.09

Faszinierende Taggeckos

Hallmann, Gerhard., Jens Krüger & Gerd Trautmann (2008): Faszinierende Taggeckos. – 2. vollständig überarbeitete und erweiterte Auflage; Natur und Tier - Verlag, Münster; 248 S., Hardcover; ISBN 3-931587-10-X, € 39,80

Gut zehn Jahre nach Erscheinen der ersten Auflage dieses Basiswerkes zum Thema Phelsumen gibt es endlich eine überarbeitete Neuauflage. Zwar darf man nicht, wie der Titel vermuten lässt, einen Rundumschlag zu allen Taggecko-Gattungen erwarten (denn außer der Gattung Phelsuma gibt es ja noch etliche weitere, hübsche tagaktive Geckos) – aber für Phelsumenliebhaber ist dies das unverzichtbare Grundlagenbuch. Der inoffiziell-offiziell gebräuchliche Zweittitel „Phelsumenbibel“ ist mir persönlich zwar ein wenig zu religiös gefärbt, wird der Bedeutung des Werkes aber auf jeden Fall gerecht. Alle anderen wichtigen, hilfreichen und empfehlenswerten Bücher über Phelsumen dienen mir persönlich immer als Ergänzung dieses Basiswerkes. Die Neuauflage enthält eine Reihe von Änderungen und Ergänzungen zur ersten Auflage, die sich auf neuere wissenschaftliche Erkenntnisse und auf mittlerweile geänderte rechtliche Bestimmungen beziehen. Auch Kleinigkeiten wurden gewissenhaft angepasst.

Die Widmung der drei Autoren, die schon aus der ersten Auflage stammt, lässt es anklingen: Ihren Familien widmen sie das Buch, die ihre „Besessenheit“ nun schon so lange ertragen. Diese Besessenheit hat ihnen viele Erfahrungen ermöglicht, an denen sie uns nun teilhaben lassen.

Für mich als Leserin ist bei jedwedem Buch ein gutes Lektorat ganz wichtig: Der Natur und Tier - Verlag ist da an erster Stelle bei der Terraristikliteratur zu nennen, die Bücher sind ganz allgemein sehr fehlerarm. Auch „Faszinierende Taggeckos“ bildet da keine Ausnahme und lässt sich flüssig lesen. Das Layout stammt vom Autor Gerd Trautmann, der als Fachmann auch die Gestaltung für die Zeitschrift der „Interessengruppe Phelsuma“ übernommen hat und in allen Fällen einen guten Job macht.

Alle drei Autoren profitieren von ihren eigenen umfangreichen Beobachtungen, die sie auf zahlreichen Reisen nach Madagaskar und in die anderen Lebensräume der Phelsumen machen konnten. Man merkt schnell und anschaulich, dass die drei wissen, wovon sie schreiben. Dabei wurden die allgemeinen Kapitel über Taxonomie, Anatomie, Verhalten und Haltung auf die jeweiligen Fachleute aufgeteilt und von ihnen detailliert abgehandelt.

Die Gattung Phelsuma unterliegt schon seit ihrer Erstbeschreibung einem ständigen Wandel sowie ständigen Umbenennungen und -strukturierungen. Jens Krüger ist der unangefochtene Taxonomiespezialist für diese Geckos, der hier eine gute Einsicht in ihre Systematik gewährt. Für den biologisch unversierten Leser vielleicht manchmal etwas kompliziert und auch nicht ganz so wichtig, gibt der Text dem Fortgeschrittenen aber doch einen guten Überblick über die zurzeit wichtigsten Theorien und Forschungsansätze bezüglich der Verwandtschaftsverhältnisse unserer Tiere. Das Kapitel über die Anatomie ist gut verständlich und stellt notwendiges Grundlagenwissen dar, das auch für jeden Hobby-Einsteiger interessant sein sollte.

Gerhard Hallmann gibt uns einen kurzen Querschnitt zu den Themen „Verhalten“ und „Lebensräume“. Sicher hätte er so viel zu berichten, dass man mehrere Bücher (ich würde mich für eventuelle Geschichtenbände sofort auf die Warteliste setzen lassen!) damit füllen könnte, doch er beschränkt sich auf das Wesentliche. Seine Darstellung der Gefährdung der natürlichen Lebensräume gibt zu denken und ruft hoffentlich immer mehr Taggecko-Freunde zur Unterstützung der Naturschutzorganisationen vor Ort auf. Kaum einer, der das Buch gelesen hat, wird künftig auf die Idee kommen, Wildfänge zu erwerben. Hallmann gibt im vielleicht anschaulichsten Kapitel alles an die Hand, was man für eine möglichst artgerechte Haltung der Tiere braucht: welches Terrarium, wie groß, wo aufgestellt, aus welchen Materialien, mit welcher Einrichtung und welcher Technik? Was tun bei Krankheiten, und wichtig: wie vorbeugen? Wie und was füttere ich? Wie funktioniert die Fortpflanzung, und was mache ich eigentlich mit den Gelegen, wenn es so weit ist? Das Bedürfnis der Tiere steht bei ihm immer im Vordergrund. Wir erhalten u. a. spannende Einblicke in seine Wintergarten-Phelsumenhaltung und in diverse Versuche, die er in seiner so langen Beschäftigung mit den Tieren gemacht hat.

Dieser erste Teil des Buches ist im Großen und Ganzen allgemein verständlich und für jedermann geeignet. Manche Themen können nur angerissen werden und müssen ggf. durch geeignete Literatur vertieft werden. Vor allem Anfänger erhalten hier wichtige Basisinformationen und werden umfassend mit der Gattung und ihrer Pflege vertraut gemacht. Doch auch für den langjährigen und erfahrenen Phelsumenpfleger bietet das Buch immer wieder Hilfe und Anregungen.

Was das Buch jedoch vor allem ausmacht, ist der umfangreiche Artenteil – für mich ein unverzichtbares Nachschlagewerk, wenn ich mir einen Überblick über Aussehen, Vorkommen und Haltungsbedingungen einer beliebigen (Unter-)Art der Gattung Phelsuma verschaffen möchte. Jedes einzelne Taxon wird hier genau vorgestellt: das Verbreitungsgebiet anhand einer Karte und klimatische Besonderheiten, die spezielle Lebensweise der Tiere, ihr Aussehen mit Foto sowie Haltungsempfehlungen und besondere Bemerkungen. Sofern eine Art in mehrere Unterarten gegliedert ist, werden diese tabellarisch anhand ihrer Kennzeichen unterschieden und auf einer Verbreitungskarte gemeinsam aufgeführt.

Es versteht sich von selbst, dass die ganze Gattung einem steten Wandel unterliegt, dass immer wieder neue Phelsumenarten entdeckt und beschrieben werden (z. B. Phelsuma vanheygeni, P. kely), dass sich ein Unterart- in einen Artstatus ändert (P. rosagularis, P. grandis), dass auch mal eine Art den Phelsumen aberkannt wird (Rhoptropella ocellata) und dass Namen angepasst werden (Phelsuma andamanense). Dieses Kapitel der Artbeschreibungen kann also nie abschließend sein. Schon im Stadium des Druckes dürften neue Arten vorliegen und müssten manche Artengruppen überarbeitet werden. Umso wichtiger, dass nun nach 10 Jahren alles erst einmal wieder auf einem aktuellen, für jeden Interessierten leicht einsehbaren Stand zusammengefasst ist.

Anfänger mag der Preis des Buches von fast vierzig Euro abschrecken, wenn man sich nicht sicher ist, ob man sich für das Hobby der Phelsumenhaltung entscheidet. Allerdings kommt man nach Kauf und Lektüre des Buches um diese hübschen Taggeckos kaum noch herum … Das Geld ist ganz sicher gut investiert.

Für die dritte Auflage wünsche ich mir dann noch einige Zeichnungen mehr, die die im Text erwähnten Schuppenanordnungen auch dem Laien verdeutlichen, die noch anschaulicher erklären, was man unter Lateralstreifen, Präanofemoralporen & Co. versteht.

Ulrike Anders

Publiziert in: REPTILIA, 76: 80–83



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