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05.02.08

Amphibien und Reptilien des griechischen Festlandes

Von: Benny Trapp

Trapp, B. (2007): Amphibien und Reptilien des griechischen Festlandes. – Natur und Tier - Verlag, Münster, 279 Seiten, ca. 350 Farbfotos, Softcover, ISBN: 978-3-86659-022-9, 24,80 €.

Eine Besprechung dieses Feldführers von Benny Trapp zu schreiben, fiel mir doch relativ schwer. Normalerweise suche und finde ich ein paar Fehler, die zu bemängeln sind, um dann die positiven Seiten eines Buches herauszustellen. Und nach längerer Suche könnte ich diesmal eigentlich direkt zu meinem durchweg positiven Eindruck des Buches kommen, denn gefunden habe ich nur ein paar Kleinigkeiten, die ich anders machen würde, die also eher als „Geschmackssache“ abzuhandeln sind. Trotzdem möchte ich sie den Lesern und dem Autor nicht vorenthalten.
Was mir doch einen kleinen „Schock“ versetzt hat, ist das in meinen Augen übergroße Porträt des Verfassers des Vorwortes, Prof. Dr. Wolfgang Böhme. Der Hauptdarsteller des Buches aber sollte neben den Amphibien und Reptilien eindeutig der Autor sein, der dadurch jedoch etwas zu kurz kommt. Schwer zu lesen und leider auch leicht zu überlesen ist die seitliche Artbeschriftung. Dies ist zwar neu und spart wahrscheinlich auch Platz, leider werden aber dadurch die ansonsten hervorragenden Beschriftungen etwas unübersichtlich, weil sowohl Trivialnamen in drei Sprachen als auch der wissenschaftlicher Name genannt sind. Zudem hätten dem Führer neben der sehr ausführlich beschriebenen Verbreitung auch wenigstens grobe Verbreitungskarten gut zu Gesicht gestanden und ihn perfektioniert.
Ich persönlich finde es schade, dass ausgerechnet mein Lieblingsfoto auf einer Doppelseite (Seite 114/155) abgebildet ist: Ein wundervoll gefärbter Hemidactylus turcicus auf einer im satten Blau strahlenden Holztüre, leider aber durch die Seitenteilung nur „halb“ zu genießen.
Aus verschiedenen Gründen ist das vorliegende Buch aber der sicherlich zurzeit beste Feldführer eines europäischen Landes. Er besticht und beeindruckt durch die teils schönen, aber meist herausragenden Fotos, obwohl einige etwas gestellt wirken. Vielleicht liegt dies aber daran, dass Benny Trapp mit seinen Aufnahmen genau meinen Geschmack trifft. Viel zu oft werden sonst Tiere mit schwarzem oder sehr verschwommenem Hintergrund dargestellt, wohingegen der Autor gerne den Lebensraum der Art im Hintergrund des Bildes mit einbezieht. Jede Art ist mehrfach abgebildet und vor allem auch mit Verhaltensweisen (Paarung, Dominanzverhalten, Nahrungsaufnahme) dargestellt. Ergänzt werden die Fotos von schematischen Zeichnungen, beispielsweise einem Vergleich der Schildkrötenpanzer oder verschiedener Schleichen der Familie Anguidae. Die einzelnen Artkapitel sind komplett und enthalten neben der Beschreibung Angaben zu Verbreitung, Lebensraum, Fortpflanzung, Ernährung und Verhalten sowie vor allem auch ein Unterkapitel mit Tipps zu Beobachtungsmöglichkeiten – etwas, worauf in anderen herpetologischen Feldführen sonst nur sehr mangelhaft eingegangen wird, das aber beispielsweise in ornithologischen Führern schon lange Tradition hat.
Neben den „tierischen“ Abbildungen verzichtet der Autor dankenswerterweise nicht darauf, auch den Lebensraum der Art abzubilden. Auch dies ist m. E. sonst ein Mangel in den Feldführern vieler Autoren. Hier dagegen verhelfen diese Fotos, teils mit der betreffenden Art im Vordergrund, dem Buch zu einem Gewinn an Komplexität.
Gerade wegen der jüngsten, diskussionswürdigen Veränderungen in der Systematik der Amphibien habe ich diese Artkapitel aufmerksam durchgesehen und kann dem Autor nur gratulieren. Es wird nicht offen angesprochen, aber man merkt, dass sich der Autor Gedanken zu dem Thema gemacht hat und weder einfach die alten Namen beibehält, noch unreflektiert alle neue Namen übernimmt. Somit findet sich in dem Buch eine Mischung aus den sicherlich richtigen Änderungen durch Frost et al. (2006) und den „alten“, aber nicht überholten Namen, die die eher kritischen Bereiche der genannten Arbeit widerspiegeln.
Abgerundet wird das Buch durch die einleitenden Kapitel, die neben den „üblichen Verdächtigen“ wie „Naturschutz“, „Wie finde ich Amphibien und Reptilien?“, „Feinde“ oder „Giftwirkung“ vor allem auch Tipps zur Naturfotografie enthalten.
Damit sei das Buch besonders Griechenlandreisenden, aber auch all jenen ans Herz gelegt, die sich allgemein für europäische Amphibien und Reptilien interessieren. Wer zudem noch seine Freizeit an die Naturfotografie verloren hat, dem können die zahlreichen Abbildungen als Anregung für eigene Bilder dienen.
Philipp Wagner

 

Literatur
Frost, D.R., T. Grant, J. Faivovich, R.H. Bain, A. Haas, C.F.B. Haddad, R.O. de Sa, A. Channing, M. Wilkinson, S.C. Donnellan, C.J. Raxworthy, J.A. Campbell, B.L. Blotto,  P. Moler, R.C. Drewes, R.A: Nussbaum, J.D. Lynch, D.M. Green & W. C. Wheeler (2006): The amphibian tree of life. – Bulletin of the AMNH 297: 1–370.

Publiziert in: REPTILIA, 69: 94–95



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