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27.09.10

Leopardgeckos

Von: Henkel, Friedrich Wilhelm & Wolfgang Schmidt

Henkel, Friedrich Wilhelm & Wolfgang Schmidt (2009): Leopardgeckos. – Natur und Tier - Verlag, Münster; 156 S., Softcover; ISBN 9878-2-86659-089-2; € 19,80

Dass Leopardgeckos zu den populärsten im Terrarium gepflegten Reptilien zählen, ist sicherlich nichts Neues. Natürlich besitzt trotzdem nicht jeder Terrarianer auch gleich Leopardgeckos. Obwohl ich mir schon vor 30 Jahren die ersten Kriechtiere anschaffte, bin ich erst vor einigen Jahren eher zufällig auf Leopardgeckos richtig aufmerksam geworden – heute bedaure ich, dass dies nicht schon viel früher geschah. Denn diese Geckos sind nicht nur schön anzuschauen, sondern bieten dem Pfleger auch ein breites Spektrum interessanter Verhaltensweisen, lassen sich recht einfach pflegen und können ein hohes Alter erreichen, wenn man ihre Ansprüche an den künstlichen Lebensraum berücksichtigt. Dass sie heute nicht mehr aus der Terraristik wegzudenken sind, belegen allein die vielen Angebote und die Zahl der Liebhaber, die sich schwerpunktmäßig mit diesen Echsen beschäftigen. Auf vielen Börsen sind sie neben Kornnattern und Bartagamen die häufigsten Reptilien. Insgesamt also ein Boom, der nicht enden will.

Was liegt daher näher, als diese wunderschönen Geckos nachzuzüchten und an Interessierte weiterzugeben? Nicht nur aus Naturschutzgründen, um die Wildbestände zu schonen, sondern auch, um Anfängern den Einstieg leichter zu machen – was bei Nachzuchten im Vergleich zu Wildfängen natürlich der Fall ist.

Das Autorenduo HENKEL & SCHMIDT hat es sich wieder mal zur Aufgabe gemacht, mit dieser völlig neu überarbeiteten Auflage sein umfangreiches Wissen über Leopardgeckos an den Interessierten zu vermitteln. Das ist nicht nur für Anfänger interessant, sondern auch für „alte Hasen“. Denn wie in der Terraristik und Herpetologie üblich, finden wir auch bei der Gattung Eublepharis stets noch Neues. Wie viel Mühe dahinter steckt und mit wie viel Zeitaufwand recherchiert wurde, zeigt allein die Anzahl der Menschen, die dieses Buchprojekt mit ihren Informationen unterstützten (im Vorwort nachzulesen). So kam eine Fülle von Bildmaterial internationaler Autoren zusammen, das man in dieser Form nur in diesem Band wieder findet. Die fast 200 Fotos sind durchweg von sehr guter Qualität. Vor allem die Biotopaufnahmen machen für mich das Buch zu einem echten Hingucker. Alle Arten und deren Unterarten werden hier gezeigt – darunter auch selten zu sehende Vertreter, wie etwa das sehr schöne Foto von E. turcmenicus von Mario Herz aus dem Habitat belegt. Hochinteressant ist auch E. angramainyu, eine Art aus dem Westen Asiens, die sogar die östliche Türkei erreicht. Diese wunderschönen Tiere mit ihrem massigen Kopf haben erfreulicherweise ebenfalls mittlerweile Einzug in die Terraristik erlangt. Man muss jedoch noch tief in die Tasche greifen, will man sich Nachzuchten dieser Raritäten anschaffen. Bleibt also zu hoffen, dass sich auch diese Arten bei uns erfolgreich etablieren. Erstmals bewundern kann man eine „neue“ Leopardgecko-Art, die noch auf ihren Namen wartet. Erst in jüngster Zeit gelang der spektakuläre Fund. Im zentralen Indien wurde im Jahr 2005 dieser Gecko gefunden, der zunächst E. macularius zugeschrieben wurde. Hier kann man erste Erkenntnisse über die neue Art nachlesen, und Abbildungen fehlen natürlich auch nicht. Die Verbreitungskarten sind deutlich und bieten eine schöne Übersicht, wenngleich sich hier auch ein Fehler eingeschlichen hat: So wurden auf S. 16 die mittlere und die untere Karte vertauscht. Denn E. macularius fuscus besiedelt das Gebiet in West-Indien, während die neue Art Eublepharis sp., wie schon erwähnt, ihre Heimat in Zentral-Indien hat.

Was wäre ein Leopardgeckobuch ohne Farbzuchten? Die Anzahl der verschiedenen Zuchtformen ist riesig, und ich bin mir nicht sicher, ob überhaupt jemand weiß, wie viele davon es gibt. Für mich persönlich sehen einige schon recht plastisch aus, und ich bin ohnehin ein Fan der Naturformen des Leopardgeckos. Wer sich jedoch mit dem Thema Farbzuchten befasst oder befassen möchte, ist in diesem Buch ebenfalls an der richtigen Stelle. Es gibt nämlich gleich ein ganzes Kapitel darüber. In dieser Besprechung auch nur annähernd darauf einzugehen, würde den Umfang sprengen, denn mit immerhin 30 Seiten ist dieses aktuelle Thema reichlich behandelt.

Wie variabel das Aussehen der Leopardgeckos ist, zeigt schon allein das Titelbild. Nicht ohne Grund haben sich Verlag und Autoren zu dieser ungewöhnlichen Gestaltung entschlossen. Außen wie innen langweilt dieses Buch ganz sicher nicht. Und übrigens, der Preis des kleineren Vorgängerwerkes ist erhalten geblieben. Und das bei einer Fülle von neuen Informationen und einem größeren Umfang, der die alte Auflage locker in den Schatten stellt.

Und dann wäre da noch das Kapitel über Krankheiten. Ein Schwerpunktthema, das in der Terraristik immer mehr auf Interesse stößt. Für manchen Buchautor ist es nicht immer einfach, darüber zu berichten.

Da ist es besser, gleich einen Tierarzt mit ins Boot zu holen, der diesen fachlichen Part übernimmt. Genau das haben die Autoren dann auch gemacht: Kornelis BIRON ist Veterinär, der sich neben anderen Exoten hauptsächlich mit Reptilien beschäftigt. Er hat in diesem Buch die wichtigsten Gesundheitsthemen rund um Leopardgeckos zusammengetragen und daraus ein fünftes Kapitel geschaffen. Wie ernst Krankheiten zu nehmen sind und was man prophylaktisch unternehmen kann, damit sie erst gar nicht auftreten, kann man hier ausführlich erfahren. Über Quarantäne, Hygiene (sie ist auch für den Pfleger sehr wichtig), Kotuntersuchungen, Vitamin- und Mineralstoffgaben, Zwangsernährung, Arzneimittel und Anatomie wird man hier aufgeklärt. Die „eigentlichen Krankheiten“ sind nach „Schwierigkeitsgrad“ und Infektiosität aufgelistet. So kann leicht adäquat gehandelt werden, der Fortgeschrittene wie auch der Anfänger kann sich nach dem Schema richten und weiß dann auch, ab wann z. B. ein reptilienkundiger Tierarzt aufzusuchen ist oder ob es sich um eine ansteckende Erkrankung handelt, die in Ausnahmefällen sogar auch mal für den Besitzer gefährlich werden kann.

Zum Schluss sei gesagt, dass es dem Buch eigentlich an nichts fehlt. Vielleicht kommt man eines Tages auf ein weiteres Thema zu sprechen, nämlich die Freilandhaltung, die in unseren Breitengraden für so wärmeliebende Reptilien ja noch die Ausnahme darstellt. Aber das ist eine andere Baustelle, über die sicherlich in Zukunft mehr zu erfahren sein wird. Das Buch wird zu Recht eine große Leserschaft bekommen, da bin ich mir sicher.

Martin Dieckmann

 

Publiziert in: REPTILIA, Nr. 83, 85–86.



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