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07.05.03

Wasseragamen und Segelechsen

Von: WERNING, Heiko

WERNING, Heiko (2002): Wasseragamen und Segelechsen. – Natur und Tier - Verlag, Münster; 127 S., Paperback, 118 Fotos, 6 Verbreitungskarten, 12 Grafiken; ISBN 3931587-58-4; € 19,80

Im Münsteraner NTV-Verlag geht man mitunter auch schon mal ein verlegerisches Risiko ein, so auch in der „Terrarienbibliothek“ genannten Reihe, wo relativ eng umgrenzte Tiergruppen (meist Reptilien) aus terrarienkundlicher Sicht monographisch dargestellt und in Buchform präsentiert werden. Diese Bände können natürlich Gruppen betreffen, die äußerst populäre Terrarientiere sind, wie etwa Phelsumen oder Anolis. Doch ein ganzes Buch über die wenigen wasserliebenden und wasserlebenden Agamen der Gattungen Physignathus, Lophognathus und Hydrosaurus zu verlegen, die sicherlich nicht alle die Renner unter den terraristischen Favoritenarten sind, beweist mutigen Optimismus. Um es vorwegzunehmen: Der Rezensent findet diesen Mut, den genannten Gattungen eine Monographie, noch dazu eine üppig farbig bebilderte, zu widmen, sehr lobenswert. Und wenn dann auch noch ein Autor zur Verfügung steht, der selbst über eine beeindruckende Erfahrung mit einem Teil der von ihm behandelten Arten verfügt, ergibt sich für das herpetologische Schrifttum eine gute Perspektive. Heiko WERNING erfüllt mit seinem Buch die Erwartungen. Auf der Basis seiner eigenen vielfältigen – und angesichts seiner eigenen Jugend verblüffend langjährigen – Erfahrungen und anhand seiner intensiven Einarbeitung in die relevante Fachliteratur hat er eine abgerundete Monographie über die hydrophilen Agamen vorlegen können. Einleitend klärt er zunächst Begriffe: was Wasseragamen sind (dass sie z. B. längst nicht alle eng ans Wasser gebunden sind), wie ihre systematischen und biogeographischen Beziehungen aussehen, welche konvergenten Nicht-Agamen ihnen warum ähneln, wie weit ihr Schwanz-Regenerationsvermögen reicht und was ihre natürlichen Feinde sind.

Dann geht es mit praktisch-terraristischen Dingen weiter, die die Voraussetzung für eine legale und erfolgreiche Haltung darstellen, und die er – wichtig genug – aus Sicht der eigenen praktischen Erfahrung kompetent vermitteln kann. Den Hauptteil des Buches bilden dann die Kapitel über die Gattungen und Arten selbst, wobei die beiden Physignathus-Arten, P. cocincinus und P. lesueurii, getrennt, die weniger populären Lophognathus-Arten aber gemeinsam behandelt werden; Letzteres gilt auch für die taxonomisch schwierigen Hydrosaurus-Arten. Die einzelnen Untergliederungspunkte dieser Kapitel zeigen zwar Übereinstimmungen, aber auch Unterschiede, die den jeweiligen Informationsständen oder auch Erfordernissen angepasst sind, die über die betreffenden Taxa bestehen. So gibt es einen Abschnitt „Gefährdung und Schutz“ nur für Hydrosaurus, weil er nur hier wirklich notwendig ist, das heißt, dass die Segelechsen, sei es auf den Philippinen oder auf den Molukken, erheblich stärker gefährdet sind als die Wasseragamen in Hinterindien und Australien. Bei Physignathus lesueurii ist es dagegen ein zusätzlicher Abschnitt über „Agama International“, jenes nordamerikanische Zuchtzentrum des niederländischen Sauro- und speziell Agamomanen Bert Langerwerf, der als der wohl proliferanteste Echsenzüchter weit und breit sicher zahlreiche freilebende Populationen entlasten hilft.

Ein Anhang gibt Informationen zu weiterführenden Zeitschriften und Gesellschaften sowie tiermedizinischen Untersuchungsstellen, ein Glossar erläutert Fachausdrücke. Das umfangreiche Literaturverzeichnis ist beeindruckend gut recherchiert und zeigt die über das Praktische weit hinausgehende Kompetenz des Verfassers. Diese äußert sich auch in der gelungenen Darstellung auch wissenschaftlich schwieriger Aspekte, wie z. B. der Taxonomie von Hydrosaurus. Insgesamt merkt man dem Buch natürlich an, dass sein Verfasser im Schreiben geübt ist. Seine bereits jahrelange Erfahrung als Redakteur von REPTILIA kam ihm natürlich auch hier zugute. Besonders loben möchte ich aber, dass das Layout dieses Buches (wie das der „Terrarienbibliothek“ insgesamt) bei aller Farbigkeit doch eher dem seriöseren Outfit der Reihe DRACO entspricht. Von daher finde ich diese Monographie über die drei hydrophilen Agamengenera auf ganzer Linie gelungen, inhaltlich-textlich ebenso wie bildlich-gestalterisch. Sie wird den Tieren sicher neue Liebhaberkreise erschließen, kann aber auch dem Fachmann zur schnellen Orientierung dienen.

Prof. Dr. Wolfgang Böhme Zoologisches Forschungsinstitut und Museum Alexander Koenig, Bonn

Publiziert in: DRACO, 4 (2), 14: 91



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