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16.02.06

Die Strumpfbandnatter Thamnophis sirtalis

Von: Hallmen, Martin

Hallmen, Martin (2004): Die Strumpfbandnatter Thamnophis sirtalis. – Art für Art. Natur und Tier - Verlag, Münster; 64 S., 43 Farbfotos; ISBN 3-937285-36-9; 9,80 €

Die 2004 gestartete Buchreihe „Art für Art“ des Natur und Tier - Verlages hat das Ziel, in kurzweiliger Form Terrarientiere vorzustellen und grundlegende Informationen zur Haltung zu geben. Der Autor des vorliegenden Bandes, Martin Hallmen – erfahrener Züchter diverser Thamnophis-Arten und u. a. langjähriger Redakteur der Zeitschrift „The Garter Snake“ der EGSA – stellt hier fachkundig die Art T. sirtalis vor. Vorab: Das Buch ist sehr gut geeignet, wesentliche Informationen zur Gewöhnlichen Strumpfbandnatter schnell zu erhalten und Haltungsfehler vermeiden zu helfen.

Im Einzelnen: Das 61-seitige Buch ist in 18 Kapitel unterteilt, die jeweils 2–6 Seiten lang sind. Die Bebilderung ist farbenreich, die Unterartbestimmung der Bilder auf Seite 19, 39 und 46 wäre noch wünschenswert. Die aus der Reihe bekannten Info­kästen liefern wichtige Tipps und Tricks zur Haltung sowie wissenschaftliche Erkenntnisse in verständlicher Form. Nachdem T. sirtalis als „Klassiker der Terraristik“ vorgestellt wurde, folgt ein Porträt (Herkunft, Aussehen, Lebenserwartung, Evolution). Allerdings bringen nicht alle Wassernattern lebendige Junge zur Welt, wie auf Seite 6 beschrieben. Gelungen sind der tabellarische Überblick über die 30 Arten der Gattung (S. 9) sowie die grafische Darstellung aller zwölf Unterarten der gewöhnlichen Strumpfbandnatter (S. 15). Bei der Erwähnung von T. s. tetrataenia als „schönste Schlange der Welt“ spürt man die Faszination, die Hallmen seit Jahren für diese Tiere empfindet.

Nach den grundlegenden Kapiteln „Verbreitung und Lebensraum“ sowie „Lebensweise“ folgen praktische Haltungsinformationen. Nach einem Fragekatalog zur Anschaffung werden als Bezugsquellen v. a. private Züchter, aber auch Zoofachhandlungen genannt. Insbesondere bei Letzterem und auf Börsen ist m. E. sehr kritisch zu hinterfragen, ob es sich tatsächlich um Nachzuchten handelt, da keine Nachweispflicht besteht. Quarantäne wird für neu erworbene oder kranke Tiere dringend empfohlen; das Becken sollte aber auch in einem separaten Zimmer stehen (Kapitel „Kauf, Transport und Quarantäne“). Das notwendige Temperaturgefälle im Terrarium ist sehr gut skizziert, es fehlen allerdings Informationen zur Feuchtigkeit, ebenso der Hinweis, das Terrarium nicht direkt in die Sonne zu stellen. Im Kapitel „Ernährung“ wird das Futterspektrum von T. sirtalis dargestellt, wobei erwähnenswert wäre, dass Thamnophis nicht erwürgt, sondern Beute lebend verschluckt. Der Hinweis auf Fütterungsboxen zur Vermeidung der Aufnahme von Bodengrund und zur besseren Kontrolle fehlt; das Foto dazu (S. 30f.) ist nicht vorbildhaft. Der Bezug zum Artenschutz wird bei der nicht empfohlenen Verfütterung von Amphibien deutlich. Es sollte klar werden, dass eine Fütterung mit lebenden Fischen aus Zoohandlungen wegen der Medikamentenbelastung gefährlich ist. Im Kapitel „Gesundheit“ werden strukturiert drei Kernbereiche der Gesundheitsfürsorge dargelegt. Hallmen macht klar, ausschließlich reptilienkundige Tierärzte zu konsultieren! Die Nutzung von Internetforen (hier: www.egsa.de) bei Haltungsfragen wäre zu nennen. Im Kapitel „Vermehrung“ werden Geschlechtsbestimmung, Überwinterung, Paarung, Trächtigkeit und Geburt ausführlich beschrieben. Die „Soft-Überwinterung“, die mögliche Trennung der Männchen von trächtigen Weibchen und das Bereitstellen von Ablageboxen mit feuchtem Sphagnum-Moos wären erwähnenswert.

Das Kapitel „Aufzucht der Jungtiere“ beschreibt detailliert Grundbedürfnisse (Behältnis, Klima, Fütterung), allerdings erscheint mir ein „Spinnenwürfel“ von 20 x 20 cm für 15 Jungtiere (S. 45) für das erste halbe Jahr (S. 47) etwas zu eng. Der Hinweis auf zweiseitige Durchlüftung „Drosophila-dichter“ Falltürterrarien wäre wichtig. Den Rat im Kapitel „Vergesellschaftung“, Thamnophis nicht mit Echsen gemeinsam zu pflegen, würde ich auf Emys orbicularis ausweiten, ebenso auf Pantherophis guttatus. Das Werk schließt ab mit zwei Kapiteln über „Farbformen“ und „Freilandhaltung“. Über letzteres Thema hat der Autor ein eigenes Buch verfasst.

Schluss: Eine kurzweilige und preiswerte Monographie zur Gewöhnlichen Strumpfbandnatter, die nach der Lektüre gar nicht so „gewöhnlich“ erscheint. Ich empfehle das Buch trotz der hier gemachten Ergänzungen jedem Einsteiger in die Thamnophis-Haltung wärmstens und möchte es auch als erfahrener Halter nicht in meinem Fachbuchbestand missen!

Thomas Klesius

Publiziert in: DRACO, 7 (1), 25: 116–117



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