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01.06.10

Anolis

Von: Fläschendräger, Axel & Leo Wijffels

Fläschendräger, Axel & Leo Wijffels (2009): Anolis. – 2. vollständig überarbeitete und stark erweiterte Auflage; Natur und Tier - Verlag, Münster; Hardcover, 319 S., 314 Farbfotos, 17 Grafiken; ISBN 978-3-86659-091-5; € 39,80

Nach vielen Jahren nun endlich und längst überfällig die Neuauflage der „Anolis-Bibel“. Dem Verlag sei Dank, hat sich die manchmal doch sehr praktische (für die Hosentasche) Lose-Blattsammlung der Erstauflage zu einem Hardcoverbuch entwickelt. Das, im ersten Moment, knallbunte Layout erfreut sofort das Auge des Althippies. Wow, Nostalgie der 70er.Kommt so etwas heute noch an? Ich habe das Buch dann am Arbeitsplatz, im Freundes- und Bekanntenkreis mal ausgelegt – siehe da, die Leute waren echt neugierig, was das wohl für Viecher sind. Also ist der Test schon mal bestanden. Doch nun ans Eingemachte, den Inhalt der Neuauflage. Als Erstes fallen die enorme Zunahme der Seitenzahl des Buches und die Anzahl der guten Farbskizzen im allgemeinen Teil auf. Als Normalterrarianer ohne Ahnung von Schuppenzählen und Ähnlichem habe ich mir dann die diversen Abschnitte des Buches vor Augen geführt.

Systematik: Das Thema, das den einfachen Terrarianer überhaupt nicht interessiert, aber doch dazugehört. Wichtig hier für uns besonders, dass alle Arten zur Gattung Anolis gezählt werden können und diese also ca. 364 Arten ausmacht. Ansonsten schreibt der Erstautor passend zum Schluss des Kapitels: „Anolis sind in systematischer Hinsicht auch heute noch, was sie schon immer waren: ein Problem.“ Und Terrarianer haben schon genug andere Probleme … Die folgenden Kapitel behandeln die geografische Verbreitung von Anolis sowie deren Lebensweise und Anpassung an die Umwelt. Hier werden ausführlich die einzelnen Ökotypen besprochen, wie Bodenanolis, Grasanolis, Stammanolis, Baumanolis, Wasseranolis etc. Das alles sind wichtige Aspekte zu deren Terrarienhaltung.

Das Kapitel „Sozialverhalten“ enthält neben Beschreibungen arttypischer Verhaltensweisen auch Hinweise zu einer möglichen Vergesellschaftung im Terrarium, da dies für viele Liebhaber mit Großterrarien eine durchaus wichtige Information ist. Anmerkung meinerseits: Trotzdem sollte man die Möglichkeit einer schnellen Trennung bei der gemeinsamen Haltung mehrerer Anolisarten immer im Auge behalten, wenn z. B. ernsthafte Revierkämpfe entstehen.

Mit den „Beobachtungen in den Heimatbiotopen“ der Tiere, die auf vielen Reisen der Autoren gemacht wurden, beginnt für mich eines der wohl interessantesten Kapitel des Buches. Hier erfolgen genaue Angaben zum Habitat der Tiere, wie Temperatur-/ Feuchtigkeitsmessungen und zur Botanik. Das Ganze wird durch eindrucksvolle Bilder untermalt und inspiriert zur möglichen Terrariengestaltung. Hinweise auf mögliche Probleme fehlen natürlich auch nicht. So wird eindrucksvoll die Wärmeempfindlichkeit von Anolis aequatorialis demonstriert, der kurz in die Hand genommen wurde und fast an dem Temperaturschock starb. Ebenso interessant: das kilometerweite Umherwandern von A. nitens chrysolepis zur Partnersuche. Ist bei dieser Art unter solchen Umständen eine dauerhafte Terrarienhaltung möglich? Ich kann dazu auf erfolgreiche eigene Versuche verweisen: Da eine Paarhaltung im Terrarium nicht realisierbar ist, wurden die Tiere in einem großräumigen Wohnzimmer zur Paarungsstimulation ausgesetzt. Das war natürlich enormer Stress für alle Beteiligten, führte aber dennoch zu einer erfolgreichen Nachzucht. Aber besser die Finger davon lassen und die Tiere im Heimatbiotop anschauen.

Das Kapitel „Terrarienhaltung“ ist im Buch ebenfalls erweitert und auf heutigen Stand gebracht. Wirklich? Im Allgemeinen ja, nur zum Themenkomplex Licht, Wärme und UV bin ich etwas anderer Meinung. Die T5-H0-Leuchtstofflampen finden ihre berechtigte Erwähnung und gehören zum Standard. Neben HQI usw. sollte m. E. unbedingt auch die mittlerweile etablierte Metalldampflampe „Bright Sun“ Erwähnung finden. Diese bietet Licht, Wärme und UV in einem. Leider ist sie durch die hohe Wärmeentwicklung nicht in allen Terrarienanlagen unterzubringen. Aber nebeneinander gereihte Terrarien bilden kein Problem. Das Verhalten der Tiere und deren Reproduktion zeigen die Vorteile dieser Lampengeneration. In Anlagen, in denen mehrere Terrarien übereinander stehen, kann man UV-Leuchtstofffunzeln nutzen … Die sollten dann aber nicht nur vier Stunden in Betrieb sein und jedes halbe Jahr erneuert werden. Glühlampen (da war doch was?) als Wärmequelle sind brauchbar, aber besser geeignet sind dann doch die Niedervolt-Halogen-Reflektorlampen. Dies ist meine persönliche Meinung zum Thema Licht und Wärme und ich hoffe, der Erstautor erschlägt mich nicht ... Ansonsten sind alle Angaben in dem Kapitel sehr nützlich und nachvollziehbar.

Noch eine Anmerkung zum Thema Erkrankungen und Prophylaxe: In dem Produkt „Herpetal-T-complete“ ist schon die entsprechende Menge Jod beigefügt, um einen Jodmangel zu verhindern. Einige Anolisfreunde haben das bei der Entwicklung berücksichtigt!

Genug gemöppert, jetzt zum Artenteil. Brillante Bilder und ausführliche Beschreibungen auf dem neusten Stand lassen jeden Liebhaber dieser Tiere ins Träumen geraten. Mehr brauche ich dazu auch nicht zu sagen und zu schreiben, dieser Teil des Buches spricht für sich selbst. Fazit: Den Autoren und dem Verlag ist ein tolles Werk gelungen. Ein Muss für alle Freunde dieser kleinen Leguane und die, die es noch werden wollen. Ich wünsche dem Buch eine weite Verbreitung!

Uwe Bartelt

Publiziert in: REPTILIA, 15 (1): 85–86

Hier können Sie diesen Titel bestellen: www.monasteria-buchhandlung.de



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