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23.01.13

Regenbogenboas

BELLOSA, Henry & Hans BISPLINGHOF (2012): Regenbogenboas – Das Kompendium. – Chimaira, Frankfurt/Main, 224 S., Hardcover, 222 Farbfotos und Abbildungen; ISBN 978-3-89973-487-4; 39,80 €.

 

„Die erste Monografie zu Epicratescenchria und Epicratesmaurus“ – ich mag kaum glauben, dass die offizielle Ankündigung für dieses schön aufgemachte Buch im stabilen Hardcover wirklich „passt“ und es noch kein Werk über die terraristisch ja durchaus bedeutsamen Regenbogenboas geben soll. Doch eine kurze Internet-Recherche belehrt mich eines Besseren.

Die beiden Riesenschlangenspezialisten Henry Bellosa& Hans Bisplinghof, Lesern vor allem als Buchautoren über die Riesenschlangen am oberen Ende der Größenskala, nämlich Anakondas und Tigerpythons, gut bekannt, befassen sich nun mit deren kleineren Verwandten, die vor allem wegen ihrer einzigartigen namensgebenden Körperzeichnung in der Terraristik beliebt sind. Dennoch werden Regenbogenboas vergleichsweise selten gehalten, vielleicht weil ihnen wegen angeblich häufig auftretender Hautprobleme der Ruf eines eher schwierigen Terrarienpfleglings anhaftet. Dass diese Einschätzung zum großen Teil aber offenbar auf Vorurteilen beruht, wird schon im Vorwort deutlich, das zu einer „Liebeserklärung an eine der schönsten Schlangenarten unserer Erde“ gerät und lediglich zwei, doch eher marginale Nachteile aufzuzählen weiß, die gegen eine Haltung sprechen: der starke Kotgeruch und die überwiegende Nachtaktivität.

Das erste Kapitel nach dem Vorwort und einem Geleitwort von Prof. Gilbert Matz befasst sich zunächst mit dem charakteristischen Merkmal der Regenbogenboas, dem faszinierenden, irisierenden Glanz ihrer Schuppen. Die physikalischen Grundlagen dieses Phänomens werden mithilfe von Fotos und Zeichnungen recht anschaulich erläutert. Die Überschrift „Die Regenbogenboas – zwei schillernde Arten“ dürfte den unbedarften Leser allerdings zunächst verwirren,da er sich vermutlich an nur eine Art mit mehreren Unterarten erinnert und auch im Vorwort immer nur von „der Regenbogenboa“ mit ihren Unterarten die Rede ist. Der Spezialist wiederum weiß vielleicht von der Revision des Epicrates-cenchria-Komplexes durch Passos& Fernandes (2008), in der unlängst mehrere Unterarten in den Rang eigener Arten erhoben wurden. In den folgenden, gut verständlichen Kapiteln zur neueren Systematik, Abstammung, Verwandtschaft und einem historischen Abriss begründen die beiden Autoren dann aber ausführlich und gut durch Literaturzitate belegt, warum zur Gattung Epicrates – neben den neun karibischen Schlankboa-Arten – ihrer Ansicht nach zwei Arten von Regenbogenboas gehören: die Braune oder Kolumbianische Regenbogenboa, E. maurus, mit drei Unterarten, sowie E. cenchria, die Gewöhnliche Regenbogenboa (die deutsche Bezeichnung „Rote Regenbogenboa“ sollte nur für die Nominatform, E. c. cenchria, Verwendung finden), mit derzeit acht Unterarten – wovon aber zwei, E. c. gaigeaeund E. c. hygrophilus, vielleicht nur als Farbvarianten der Nominatform zuzurechnen sind.

Im folgenden Abschnitt über Verbreitung, Lebensraum und Gefährdung haben mir besonders gut die beiden übersichtlichen Verbreitungskarten gefallen, die einmal die taxonomische Ansicht der Autoren widerspiegeln und daneben auch die abweichende Darstellung von Passos& Fernandes (2008) aufgreifen. Ein kleines Manko ist hier leider die Farbgebung der linken Karte, deren vier extrem ähnlichen Grüntöne sich kaum voneinander unterscheiden lassen, was eine Zuordnung der entsprechenden Unterarten erschwert.

Danach folgt das Herzstück des Buchs, in dem alle Arten und Unterarten der Regenbogenboa in Wort und Bild vorgestellt werden, wobei die einzelnen Kapitel je nach Wissensstand und terraristischer Bedeutung unterschiedlich groß ausfallen. Während die Rote Regenbogenboa also sehr ausführlich und mit vielen eigenen Daten zur Haltung und Nachzucht behandelt wird, fallen die entsprechenden Kapitel zu den in der Terraristik nahezu unbekannten Unterarten E. c. assisi,E. c. barbouri, E. c. hygrophilusund E. c. polylepis entsprechend kürzer aus. Dennoch ist es dem Verlag und den Autoren gelungen, von allen Formen auch Bildmaterial zu organisieren.

Die zweite Hälfte des Buchs wartet mit sehr guten, praxisorientierten Kapiteln auf, die ausführlich über Zucht und Aufzucht, Haltung sowie Terrarienbau und Einrichtung eines Regenwaldterrariums, mit Hauptaugenmerk auf die für Regenbogenboas notwendige hohe Luftfeuchtigkeit, informieren. Auch die beiden abschließenden „Gastbeiträge“ über Krankheiten von Frank Mutschmann und über Farb- und Zeichnungsmorphen von John R. Berry bieten einen aktuellen, fundierten Überblick über das jeweilige Themenfeld – Designermorphen spielen mittlerweile auch bei Regenbogenboas eine zunehmend größer werdende Rolle.

Hervorheben möchte ich neben den zahlreichen schönen Fotos teilweise seltener Varianten und den gelungenen Schnappschüssen (z. B. Fressvorgang in der Natur, Paarung und Absetzen der Jungtiere) auch die anschaulichen und – wie ich finde – sehr charmanten Zeichnungen, die z. B. Paarungsverhalten, Kopfporträts, Flankenzeichnungen unterschiedlicher Varianten oder die unterschiedlichen Rumpfquerschnitte einiger Boiden im direkten Vergleich zeigen.

Fazit: Dieses rundum gelungene Buch ist ein Muss für jeden Terrarienfreund, der sich mit der Haltung oder Zucht der prachtvollen Regenbogenboas befassen möchte. Die Faszination, die von diesen herrlichen Schlangen ausgeht, wird im Vorwort deutlich: „Allein der Anblick … im Lichte einfallender Sonnenstrahlen verzaubert, inspiriert und hebt die Laune.“

Axel Kwet

Publiziert in: REPTILIA, 18 (1): 90-92

Literatur

Passos, P. & R. Fernandes (2008): Revision of the Epicratescenchria complex (Serpentes: Boidae). – Herpetological Monographs 22 (1): 1–30.

 



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