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23.01.13

Königspython-Atlas

BROGHAMMER, Stefan (2012): Python regius – Atlas der Farbmorphen, Pflege und Zucht. – Natur und Tier - Verlag, Münster; Hardcover, 356 S., 1.135 Abb.; ISBN 9783866592094; € 59,-

Es ist kaum 30 Jahre her, da galten die erfolgreiche Haltung und gelungene Nachzucht des Königspythonsin unseren Terrarien schon als ein besonderer Erfolg. Heute zählt diese attraktive, handliche Riesenschlange nicht nur zu den am häufigsten in Menschenhand vermehrten Schlangen, sie ist durch eine große Vielfalt an Farb- und Zeichnungsvarianten ein fester Bestandteil eines separaten Zweiges der Terraristik, der wirklichen Züchtung von Reptilien, geworden. Dem heutigen Wissensstand mit dengut zu erfüllenden Ansprüchen an seine Haltung sowie seine von Natur aus große Variabilität im Aussehen ist es zu danken, dass der Königspython zum beliebten und begehrten Terrarientier geworden ist.

Der Rezensent muss aber wohl aufgeben, den aus dem englischen Sprachgebrauch übernommenen und unkorrekt verwendeten Terminus „Morphe“ für einen die Färbung verwendeten Begriff zu kritisieren. „Variante“, „Version“, „Spielart“, „Typ“, „Nuance“ wären doch wohl besser. In anderem Zusammenhangallerdingsschreibt auch der Autor von einergewissen Eigendynamik und einer „Umgangssprache in der ‚Szene‘, die wissenschaftlich und biologisch betrachtet sicher nicht immer ganz korrektist.“ Recht hat er. Morphologie wird aber – hoffentlich – immer die Wissenschaft vom Bau und von der Gestalt der Tiere (Formenlehre) und ihrer Organe (Organlehre) bleiben und nicht von der Verteilung der Färbung eines Individuums.

Zurück zum neuen Werk: Sein Autor gilt nicht nur in Deutschland als einer der besten Kenner des Königspythons. Seit nunmehr 25 Jahren Terrarianer, ist er auch Tierhändler und importiert seit etlichen Jahren neue Farbvarianten des Königspythons direkt aus dessen Verbreitungsgebiet. Dadurch kennt er auch die afrikanische Heimat seiner bevorzugten Reptilienart und deren natürlichen Lebensraum. Seinen Bemühungen um den Königspython ist es mit zu verdanken, dass die Dominanz der US-amerikanischen Schlangenzüchter hinsichtlich der Designervarianten dieser Art ins Wanken geraten ist. Der Autor ist bemüht, mit seinem aktuellen Werk über den Königspython wichtige Informationen an den Leser weiterzugeben.

Im ersten, allgemeinen Teil des Buches stehen neben Biologie, Lebensraum und Lebensweise dieser Tiere die Beziehungen des Menschen im Verbreitungsgebiet (Ghana, Togo, Benin) zu den Pythons im Vordergrund. Ranching-Programme, in deren Rahmen von professionellen Fängern trächtige Weibchen gesammelt, bis zur Eiablage gehältert und anschließend wieder ausgesetzt werden, deren Boom und ihr sich abzeichnender Niedergang, haben enorme Exportzahlen ermöglicht.

Im zweiten Hauptabschnitt sind Haltung, Vermehrung und Zucht des Königspythons thematisiert. Er soll dem Terrarianer den Weg zur erfolgreichenUnterbringung, Fütterung und Vermehrung aufzeigen und zur Vermeidung und Behandlung von Erkrankungen beitragen. Die Darlegungen des Autors zeugen von dessen umfangreichen Erfahrungen mit diesen Tieren; dabei kann er durchaus den Aussagen anderer Autoren in deren Publikationen widersprechen.

Etwas verworren ist leider die Schilderung des Fortpflanzungsgeschehens beim Schlangenweibchen. In den Eierstöcken (Ovarien) sind von Geburt an alle Follikel angelegt. Bei jedem Zyklus reifen einige Follikel (Follikulogenese), sie platzen (Eisprung, Ovulation) und entlassen je eine reife Eizelle (Oozyte). Diese befruchtungsfähigen Eizellen wandern im Eileiter (Ovidukt) schwanzwärts(kaudal) und werden hier von je einem Spermium befruchtet. Die befruchteten Eizellen (Zygoten) beginnen sich zu entwickeln (Embryogenese) und wandern durch den Eihälter. Die Eischalen sind schließlich fertigausgebildet; die Eier werden abgesetzt. Bei der weiteren Bebrütung (Inkubation) entwickeln sich die Feten bis zum Schlupf der Jungschlangen.

Mehr als drei Viertel des gewichtigen Werkes nimmt schließlichder Atlas der Farbvarianten ein. Einführend wird über das Namenswirrwarr der Zuchtvarianten und den „Insider-Jargon“ diskutiert. Kurze grundlegende Bemerkungen zur Genetik folgen.

Viele Farb- und Zeichnungsvarianten des Königspythons wurden sporadisch der Natur entnommen oder stammen aus Ranchingprojekten. Ihre genetische „Konstruktion“ ist natürlich zunächst nicht bekannt. Und ob ein besonders apartes Exemplar seinen Phänotyp auch vererbt, sei dahingestellt.Andere Varianten sind durch gezielte Anpaarungen entstanden. Der Autor gibt zu, dass die Erfolge auf dem Gebiet der Vermehrung des Königspythons in engem Zusammenhang mit den kommerziellen Interessen professioneller und privater Züchter zu sehen sind. Es wird versucht, ihre genetisch fixierten Eigenschaften in ein Ordnungssystem zu bringen. Dazu wurden die Tiere in dem ausgezeichnet illustrierten Atlas in 14 rezessiven Varianten, 42 dominanten und codominanten Varianten, drei geprüften, noch nicht weiterentwickelten sowie acht ungeprüften oder nicht genetisch bedingtenTypen aufgelistet. Dazu kommen bei den meisten Varianten Listen mit Hunderten von „Untervarianten“ einschließlich Angaben zur Erstzüchtung mit Jahr und Namen des Züchters. Die riesige Zahl an Fotos der bedeutendsten Nuancen hilft bei der Identifizierung. Der Laie auf diesem Spezialgebiet wird aber oft nicht einmal damit alle Varianten, von den erwähnten „Untervarianten“ ganz zu schweigen, auseinander halten können.

Dem Autor ist zu danken, dass mit dem vorliegenden Werk eine – zumindest am Tage der Abgabe des Manuskriptes – aktuelle Zusammenstellung der Farb- und Zeichnungsvarianten dieser Riesenschlange aufgrund einer enormen Fleißarbeit bei denunterschiedlichen Varianten und den beeindruckenden Abbildungen gelungen ist. Das Werk ist als unverzichtbares Standardwerk für jeden Züchter und Interessenten an Farb- und Zeichnungsvarianten des Königspythonssehr zu empfehlen!

Dieter Schmidt

Publiziert in: REPTILIA, 18 (1): 86



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