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23.01.13

Rotaugen-Laubfrösche

EISENBERG, Tobias & Jörg KAESLING (2012): Rotaugen-Laubfrösche. Die Gattungen Agalychnis und Cruziohyla. – Natur und Tier - Verlag, Münster, 191 Seiten, Hardcover; ISBN 978-3-86659-199-8; € 39,80.

 

Der Natur und Tier - Verlag präsentiert sich mit diesem Buch in einem etwas geänderten Outfit. Die Laubfroschgattungen Agalychnis und Cruziohyla werden von zwei aktiven und erfahrenen Haltern und Züchter dieser Gattungen vorgestellt. Die beiden Autoren haben ihre Kenntnisse in diesem Buch zusammengefasst und mit vielen Veröffentlichungen der vergangenen Jahre abgerundet. Das Buch setzt sich aus folgenden Kapiteln zusammen: Allgemeines (Taxonomie und Synonymie, Schutzstatus, Tarnung und Färbung), Pflege (Terrarium und Einrichtung, Vergesellschaftung, Gift, Futter, Beobachten, Fortpflanzung, Erwerb, Transport, Quarantäne), Gesundheit (Erkrankungen und Missbildungen), Artenporträts, Ausblick, Anhang.

Das Kapitel „Taxonomie und Synonymie“ ist für diese Froschgattungen bedeutsam, kam es in den vergangenen Jahren doch zu deutlichen Änderungen. Besonders wichtig ist dies für den Schutzstatus. Die Gattung Agalychnis wurde zu der Zeit, als sie die wenigsten Arten enthielt, auf den Anhang II des Washingtoner Abkommens gestellt; dies ist für die Haltung dieser Tiere von Bedeutung. Etwas kompliziert wird es durch die neuere taxonomische Einteilung, wonach 14 Arten zur Gattung gehören und aktuell nur die wenigsten unter Schutz stehen. Die Autoren haben dies gut dargestellt, und wer aufmerksam liest, wird die Zusammenhänge nachvollziehen können.

Die einzelnen Kapitel sind sehr gut bearbeitet worden, die Vielzahl neuerer Literatur wurde verarbeitet und ist im umfangreichen Literaturverzeichnis angegeben. Da Tobias Eisenberg auch Veterinär ist, bot es sich an, eine Übersicht über die Erkrankungen und Hinweise zur deren Verhinderung bzw. Vorgehensweise zur Besserung anzugeben. Diese Kapitel sind verständlich geschrieben und nicht mit unnötig vielen Fachbegriffen versehen worden. Besonders gut gefällt mir das Kapitel mit den Artporträts, denn hier werden alle Arten, die aktuell zu den beiden Gattungen gerechnet werden, aufgeführt und gut beschrieben. Außerdem werden die Arten in Bildern gezeigt. Viele dieser Frösche sind (noch) nicht in Terrarien vertreten.

Die Feststellung, dass Froschenthusiasten keine Tierverbraucher sind, liegt den Autoren besonders am Herzen. Das müsste auch einem Haltungsgegner beim Lesen der Lektüre klar werden. Man bemerkt schnell, dass die Autoren mit den Tieren sehr verbunden sind und nicht nur ihre Freizeit, sondern auch ihren Urlaub investieren, um mehr über ihre Pfleglinge zu erfahren. An vielen Stellen werden Freilandbeobachtungen in die Beschreibungen eingearbeitet und erweitern die Informationen für den Leser. Mir gefällt es ganz besonders, dass hier ein Sachverhalt klar dargestellt wird: Laubfrösche benötigen Frischluft und keine konstant gesättigte Atmosphäre. Es gibt immer wieder Halter dieser Frösche, die genau hier falsch liegen. Sie waren selbst nie in den Tropen und glauben immer noch, was ihnen ihre Erdkundelehrer erzählten – das Märchen von der immer hohen Luftfeuchtigkeit in den Tropen und dem täglichen Regenfall bei Highnoon.

Ganz bedeutsam sind auch die Empfehlungen zur Quarantäne, um mit neuen Fröschen keine Krankheiten einzuschleppen. Auch hier erweist es sich als günstig, wenn ein Veterinär Autor ist. Es ist wünschenswert, dass nicht nur Halter von Laubfröschen das Buch und gerade dieses Kapitel lesen.

Beide Autoren organisieren Erhaltungszuchten, die ein größeres Verständnis über die betreffenden Arten (Agalychnis lemur und A. moreletii) und auch die Zusammenarbeit von Privatpersonen mit Zoos und Aquarien fördern sollen. Ohne ihren Einsatz wären beide Arten vielleicht bereits aus unseren Terrarien verschwunden. Es wäre schön, wenn weitere Terrarianer an diesen Zuchten teilnehmen, nachdem sie das Buch gelesen haben.

Fehler sind in diesem Buch nur sehr schwer auszumachen. Ich fand nur einen: „Ausschüttung des Schilddrüsenhormons Thyroxin aus der Hirnanhangsdrüse…“. Dieser Fehler ist unwesentlich und zeigt mehr, dass ich das Buch tatsächlich gelesen habe – es wird Zeit, dass Sie es auch tun!

Das Buch kann ich uneingeschränkt und wie bereits gesagt nicht nur Haltern dieser Frösche empfehlen.

Peter Janzen

Publiziert in: REPTILIA, 17 (6): 82-83

 



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