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Mein allerletzter Tag in Brasilien
23. Dezember 2009 08:26 Uhr - von 

Axel Kwet

Unser Redakteur Dr. Axel Kwet ist momentan wieder auf einer herpetologischen Forschungsreise durch Süd-Brasilien. Für die Blogs von reptilia.de und Deutscher Welle schreibt er regelmäßig über seine Erlebnisse:

Porto Alegre

Zum Abschluss verbringen Koni und ich noch einen halben Tag an der UFRGS, also an der staatlichen Uni von Porto Alegre.

Wie zu Beginn meiner Reise treffe ich Marcio und die vielen netten Studenten und Studentinnen, wie Patrick, Luis, Carol, Simone usw. Wir diskutieren und klären Fragen, neue Probleme tauchen auf und zahlreiche Ansatzpunkte ergeben sich für eine zukünftige Zusammenarbeit. Der Kreis schließt sich, und abends gehen wir zum Abschied alle gemeinsam noch mal richtig brasilianisch Churrasco-Essen. Auch Camila ist dabei und die „Sammlungsmanagerin“ Glaucia von der PUC-Universität, mit der ich zu meiner Anfangszeit vor 15 Jahren sehr viel zusammengearbeitet habe.

Dann bringe ich Koni zum Flughafen, und wir verabschieden uns nach zwei wirklich tollen und erfolgreichen Wochen im Feld. Koni erwarten nun noch weitere Abenteuer in Südamerika, mich bald Frost und Eis in Deutschland.

Aber erst habe ich ja noch einen weiteren, einen allerletzten Tag in Brasilien. Den verbringe ich mit meinen Kooperationspartnern an den beiden großen Universitäten UFRGS und PUC in Porto Alegre – und ansonsten nochmal mit etwas Bürokratie ("Brazil" lässt wieder grüßen …): Denn mein sog. CPF ist abgelaufen. Das ist schlecht. Das CPF (Cadastro de Pessoas Físicas) ist ein kleines Kärtchen mit einer Art Steuernummer und im Land mittlerweile wichtiger als ein Pass oder Personalausweis – ohne diese Nummer geht wenig, wenn man sich im Land nicht nur als Tourist bewegen möchte. Es gelingt mir aber tatsächlich, mit Hilfe von Marcio und einer "Steuernachzahlung" in Höhe von 5,50 Reais (das sind nicht mal 2 Euro!) mein CPF zu erneuern, ufff!

Ich gebe außerdem den weißen Kombi zurück, der uns in den vergangenen 4,5 Wochen ein so treuer Begleiter war – oder sagen wir lieber: fast, denn einen groben Aussetzer gab´s ja doch mal...



Doch insgesamt haben wir auch über 5500 km zurückgelegt (!), das ist kein Pappenstiel für die alte "Blechkiste" auf so manch übler Piste. Hoffentlich schauen die Leute bei der PUC nicht so genau ins Fahrtenbuch oder auf den Kilometerzähler…

Ansonsten freue ich mich jetzt trotz aller Begeisterung und Erfolge auch wieder auf zu Hause, auf die Familie und vor allem natürlich auf meinen kleinen Sohn Leo (knapp dreieinhalb), der nun fast fünf Wochen auf mich verzichten musste – etwas nachdenklich stimmt es einen ja schon, wenn man hört, dass die Gleichaltrigen im Kindergarten wohl zu ihm gesagt haben: Dein Papa ist tot, der kommt nie mehr…

Und dann bleibt mir jetzt eigentlich nur noch, mich bei allen Lesern zu bedanken, die bis jetzt durchgehalten haben, und bei allen Personen, die mir meine Reise ermöglichten, angefangen von meinen beiden Arbeitgebern (Staatliches Museum für Naturkunde Stuttgart und Dr. Andreas Schlüter sowie Natur und Tier Verlag Münster mit Matthias Schmidt und Heiko Werning), über die Leute des Convênios zwischen der Uni Tübingen und der Uni in Porto Alegre (Professor Wolf Engels, Dr. Anne Zillikens, Dr. Rainer Radtke, Dr. Betina Blochtein, Sabine Heinle, Eric Burger und viele mehr), bis hin zu allen Beteiligten vor Ort, also vor allem Anne, Josy, Marcio, Camila, Rodrigo, Jair, Koni und die vielen Studenten an den Universitäten in Porto Alegre (PUC, UFRGS), Florianópolis (UFSC), Santa Cruz do Sul (UNISC) und Santa Maria (UFSM). Auch den Geldgebern sei noch mal speziell gedankt, die Reise wurde vor allem mit Mitteln aus dem "Bromelienprojekt" von Anne (BMBF) sowie Biopat finanziert.

Bei der Deutschen Welle und ganz speziell bei Ulrike Wolpers bedanke ich mich für die Möglichkeit, diesen Wissenschafts-Blog mitgestalten, sogar mitgründen zu dürfen, denn dies war sozusagen der Probelauf für zukünftige Blogs dieser Art bei der Deutschen Welle. Sicher lässt sich noch manches verbessern oder ergänzen (z. B. wollten wir eigentlich Tondokumente einbauen, wie die so völlig anders wie bei uns klingenden Rufe der Frösche, oder auch Videosequenzen – das hat leider jetzt nicht geklappt), und für Anregungen bin ich (sind wir) jederzeit dankbar. Wer weiß, vielleicht bin ich ja mal wieder mit von der Partie...

Mit den besten Grüßen,

euer Axel

 
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