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Die urzeitlichen Bewohner der Somes Island
02. Januar 2010 04:09 Uhr - von 

Antonia Pachmann

Der letzte Eintrag ist ja nun doch schon etwas her, drum will ich mal wieder etwas von mir geben.

Die Entscheidung, nach Neuseeland zu gehen, hat leider keine herpetologischen Hintergründe, zumindest keine kurzfristigen. Der Plan ist, hier nur zu arbeiten, bis ich genügend Geld zusammen habe, um nach Südamerika zu fliegen. Das hatte ich ja ursprünglich für Australien geplant, dort lief das aber alles dann doch ein wenig anders.

Ich habe knapp zwei Monate in Gisborne, einer sonnigen Stadt an der Ostküste der Nordinsel, in Apfel-, Orangen- und Zitronenplantagen gearbeitet, bevor ich mit einem Freund zur Südinsel getrampt bin. Denn hier haben wir einen Job auf einer Dairy farm (Milchbauernhof) bekommen, wo wir viel zu früh aufstehen (noch vor der Sonne) und 9 bis 13 Stunden pro Tag damit beschäftigt sind, Kühe zu melken und Koppeln zu bauen. Der klare Vorteil jedoch ist, dass wir keine Miete für unser eigenes, kleines Häuschen zahlen müßen und weder Zeit noch Gelegenheit (aufgrund der abgeschiedenen Lage) haben, Geld auszugeben.

Auf unserem langsamen Weg nach Ashburton wollte ich unbedingt die "Stevens Island" besuchen, die Insel mit den mit Abstand am meisten Tuataras, Sphenodon ssp.. Auf dem Festland, sprich den zwei großen Inseln, gibt es keine Brückenenchsen mehr, da die von den Menschen eingeschleppten Hunde, Katzen, Kaninchen und und und ihnen den garaus gemacht haben. Doch wie auf Fidschi mit der "Leguaninsel", braucht man auch hier eine Sondergenehmigung, welche nur Wissenschaftler und das Fernsehen bekommen. Es gibt nur zwei Inseln mit stabilen Brückenechsenpopulationen die für die Öffentlichkeit zugäglich sind. Eine davon liegt glücklicherweise in der Bucht vor Wellington, welches eh auf dem Weg lag. Auf der Somes Island, welche beliebt bei Tagesausflüglern der Großstadt ist, wurden 1998 dreißig der urtümlichen Reptilien ausgesetzt. Heute leben mindestens fünfzig Exemplare auf der nur ca. 1x1 km großen Insel und sie scheinen gut zu gedeihen. Die Elterntiere stammen von der North Brother Island, welche die Spezies Sphenodon guntheri beherbergt. Es wurde von der Universität Wellington eine Zuchtgruppe von Tieren dieser Insel zusammengestellt und die Nachzuchten werden nun auf mehreren kleinen Inseln ausgewildert.

Auf Somes Island angekommen, merkt man gleich, dass es den Leuten ernst ist, eine "Predator free area" zu wahren. Alle Besucher wurden ausführlich über die Geschichte und präsente Wichtigkeit der Insel aufgeklärt. Es wurde betont, dass alles versucht wird, Mäuse, Ratten, Possums, fremde Pflanzensamen etc. von der Insel fern zu halten, weshalb jeder seine Rucksäcke für eine Kontrolle entleeren sollte. Es wurden kleine Bildchen von den Tieren gezeigt, die man antreffen könnte und kurz etwas zu jeder Art erläutert. Der freundliche Freiwillige, der uns die Einweisung gab, erklärte sich sofort bereit, mir ein wenig zu helfen, denn er kennt einige Stellen an denen sich Tuataras des öfteren aufhalten. Tatsächlich konnten wir auch eine Brückenechse vor ihrer Höhle entdecken.

Eines der vielen besonderen Aspekte der Tuataras ist, dass einige Individuen zusammen mit einem Seevogel, dem Feensturmvogel, Pachyptila turtur, ihre Höhle teilen. Beide scheinen in Koexistenz miteinander leben zu können, da sich ihre Aktivitätsphasen überschneiden (tagaktives Federvieh und nachtaktiver Kaltblüter). Ganz sicher ist allerdings noch nicht, ob es ein ausgewogenes Gleichgewicht ist, da auch Fälle bekannt sind, in welchem Brückenechsen die Eier des Mitbewohners gefressen haben. Ganz neu für mich ist allerdings, was mir der Conservation Department Ranger Matt Sidaway berichtete: er hat während seiner langen Zeit auf der Insel Tuataras beobachtet, die mit den kleinen blauen Pinguinen, Eudyptula minor, zusammen leben. Es gibt also wirklich noch viel Forschungsbedarf in Sachen Sphenodon, es ist noch nicht einmal bekannt, welches Alter die zwei Arten der Gattung erreichen können.

Nach meiner Begegnung mit eines dieser Tiere fand ich vorerst keine weiteren, doch dafür konnte ich einer Gruppe Pinguinforscher am Abend helfen, wenn die Adultis das Meer verlassen und den Berg der Insel zu erklimmen, um die Kücken im Nest zu füttern, einige dieser kleinsten Pinguine der Welt zu fangen. Das war tatsächlich recht amüsant, denn die kleinen Vögel kommen sehr vorsichtig aus dem Strandgebüsch und sobald man hinter ihnen hersetzt, watscheln sie so aufgeregt los, dass sie vorn über fallen und man sie so leicht greifen kann. Ich muss auch stolz erwähnen, dass ich den schwersten Pinguin seit Beginn der Aufzeichnungen gefangen habe! Aber dies nur so am Rande.

Nach erfolgreicher Pinguinjagd fand ich auf dem Rückweg zu meinem Nachtlager noch diesen kleinen, nachtaktiven Gecko (Hoplodactylus maculatus):

Da auch die Brückenechse aktiv in der Nacht ist, machte ich mich auf den Weg um die Insel und fand auch noch zwei aktive Tiere, die ich jedoch leider nicht beobachten konnte, da sie, wenn sie erstmal geflohen sind, so schnell nicht wieder raus kommen.

 
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Kommentare
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  1. Conni  am Donnerstag, 07-01-10 20:55

    Hallo Antonia! Hab mich mal seit langer Zeit wieder bei Dir eingeklinkt. Dir scheint es ja super gut zu gehen, und nach wie vor find ich es toll das Du das durchziehst. Ich wünsch Dir für 2010 alles erdenklich Gute, vor allem bleib gesund und das Du Dir Deine Träume erfüllen kannst!!

    Viel Spaß noch beim Kühe melken, Conni und Familie (PS: Hier liegt bei Minus 8 bis 15 Grad Schnee wie lange nicht mehr, wunderschöner Winter, sogar die armen Ziegen frieren)

 

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